Bob der Meister (2) – 20 Dylan-Records…

… you have to listen to before you die:
 
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The Freewheelin‘ Bob Dylan (1963)
Bringing It All Back Home (1965)
Highway 61 Revisited (1965)
Blonde On Blonde (1966)
John Wesley Harding (1967)
Nashville Skyline (1969)
New Morning (1970)
Blood On The Tracks (1975)
The Basement Tapes (+ The Band) (1975)
Desire (1976)
Street-Legal (1978)
Dylan & The Dead (+ The Grateful Dead) (1989)
World Gone Wrong (1993)
Time Out Of Mind (1997)
The Bootleg Series, Vol. 4: Bob Dylan Live 1966, The „Royal Albert Hall“ Concert (1998)
The Bootleg Series Vol. 5: Bob Dylan Live 1975, The Rolling Thunder Revue (2002)
Modern Times (2006)
The Bootleg Series Vol. 8: Tell Tale Signs: Rare and Unreleased 1989–2006 (2008)
Together Through Life (2009)
Tempest (2012)

(alle: Columbia Records)
  
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 ‚Freewheelin‘‘: Aus der frühen Protest-Folk-Phase muss zum Einstieg was auf die Liste. Genöle zur Wanderklampfe + typisches Dylan-Mundharmonika-Gebläse, wie auch auf dem Debüt ‚Bob Dylan‘ und den Alben ‚The Times They Are A-Changin‘‘ und ‚Another Side Of Bob Dylan‘.
Zu ‚Bringing It All Back Home‘, ‚Highway 61‘ und ‚Blonde On Blonde‘ muss man nicht mehr viele Worte verlieren, sind als Meisterwerke-Serie vergleichbar mit ‚Let It Bleed‘, ‚Sticky Fingers‘ und ‚Exile On Main St.‘ von den Stones oder ‚Live At Leeds‘, ‚Who’s Next‘ und ‚Quadrophenia‘ von The Who und sowieso in jeder wichtigen und weniger wichtigen Bestenliste vertreten. Ab ‚Highway 61‘ wurde elektrisch geklampft und ab da war Dylan für die Folk-Puristen so tot wie frittierte Hühnerärsche, obwohl es für diese Klientel mit ‚Desolation Row‘ noch ein exzellentes Stück enthält.
‚John Wesley Harding‘ ist eine zeit- und schnörkelloses Country-/Folk-Rock-Scheibe und für den Schreiber dieser Zeilen die heimliche Dylan-No.1. Damals so wertvoll wie heute und meilenweit entfernt von grauenvollem Psychedelic-Pop a la ‚Sgt. Pepper‘ aus dieser Zeit.
‚Nashville Skyline‘ bietet extrem entspannten Country-Rock und mit ‚Girl From The North Country‘ ein herzergreifendes Duett mit Johnny Cash.
Auf ‚New Morning‘ findet man keinen Dylan-Hit, dafür soliden 70er-Folk- und Country-Rock. Nach der katastrophalen ‘Self Portrait’ war es für Dylan ein leichtes, mit dieser Scheibe wieder Boden gut zu machen. Danach kamen mit dem Pat-Garrett-Soundtrack und ‚Planet Waves‘ eher durchwachsene Werke, mit ‚Dylan‘ ein weiterer Totalausfall und mit ‚Before The Flood‘ eine mit The Band eingespielte, sehr anständige Live-Scheibe.
1975 wurde mit ‚Blood on The Tracks‘ ein weiterer All-Time-Best-Of-Listen-Favorit veröffentlicht. Grundsolider Folk-Rock und vorbereitende Übung auf ‚Desire‘.
Im gleichen Jahr wurden die kultisch verehrten und auf zahlreichenden Bootlegs (‚Great White Wonder‘) kursierenden ‚Basement Tapes‘ offiziell herausgegeben, die Dylan 1967 zusammen mit The Band im Keller von ‚Big Pink‘ einspielte. Essentieller Roots-Rock, Stoff für viele Legenden und Cover-Versionen. Wie alle ‚wichtigen‘ LPs: superwichtig!
1976 dann mit ‚Desire‘ die letzte Großtat für über 15 Jahre: Neun Folk-Rock-Meisterwerke mit viel Gefiedel von Scarlett Rivera und schönen Harmoniegesängen von der großartigen Emmylou Harris. Inklusive dem Protest-Song ‚Hurricane‘ für den Boxer Rubin Carter.
Die ‚Desire‘-Songs waren der konzertante Schwerpunkt der ‚Rolling Thunder Tour‘, mit der Dylan mit bekannten Musikern wie u.a. Mick Ronson, Roger McGuinn und T Bone Burnett 1975 durch Ami-Land zog. Die Live-Alben ‚Hard Rain‘ (1976) und ‚The Bootleg Series Vol. 5: Bob Dylan Live 1975, The Rolling Thunder Revue’ (2002) dokumentieren diese ausgedehnte Konzertreise.
1978 kam mit ‚Street-Legal‘ eine zu unrecht gescholtene Scheibe, die mit ‚Señor (Tales of Yankee Power)‘ und ‚Is Your Love In Vain?‘ immer noch Überdurchschnittliches sowie mit ‚Changing Of The Guards‘ einen absoluten Dylan-Kracher enthält.
Danach wurde es dann für viele Jahre ganz finster, die ‚Budokan‘-Live-LP konnte ebenso wenig überzeugen wie die ‚Dylan-als-wiedergeborener-Christ‘-Trilogie ‚Slow Train Coming‘, ‚Saved‘ und ‚Shot Of Love‘. Letztere ist eine Lieblingsscheibe von U2-Betschwester Bono, allein deshalb ist hier schon Vorsicht geboten.
1983 kam mit ‚Infidels‘ ein kurzes Zwischenhoch, Größen wie Mick Taylor, Sly Dunbar und Robbie Shakespeare machten das Werk erträglich, auch wenn es meilenweit von früheren Großtaten entfernt ist. Gleiches gilt für die 84er-Live-LP ‚Real Live‘, Mick Taylor rettet einiges, Carlos Santana nervt (wie immer). ‚Empire Burlesque‘ im typischen 80er-Sound braucht kein Mensch, ‚Knocked Out Loaded‘ (1986) enthält mit der 11-Minuten-Nummer ‚Brownsville Girl‘ wenigstens einen sehr passablen Song in einer Sammlung von Belanglosigkeiten.
1988: ‚Down In The Groove‚ – wird vom Rolling Stone 2007 als Dylan’s schlechteste Platte bezeichnet.
1989 kam dann mit ‚Dylan & The Dead‘ ein sehr anständiges Live-Album auf den Markt, das der Meister zusammen mit Grateful Dead einspielte. Wird vielerorts als schlechtestes Dylan-Livealbum gesehen, was ich nicht nachvollziehen kann. Das Songmaterial enthält zwar keine Überraschungen, aber der relaxte Cosmic-American-Music-Sound der Dead passt wunderbar zu diesen Stücken.
Die Rock-Scheibe ‚Oh Mercy‘ (1989) war passabel und erntete gute Kritiken, danach kam mit ‚Under The Red Sky‘ (1990) wieder ein katastrophales Werk, das auch beteiligte Koryphäen wie David Lindley und Stevie Ray Vaughan nicht retten konnten. 1991 wurde die hochgelobte Outtake-Sammlung ‘The Bootleg Series Volumes 1–3 (Rare & Unreleased) 1961–1991‘ veröffentlicht.
Auf den beiden folgenden Alben ‚Good As I Been To You‘ (1992) und ‚World Gone Wrong‘ (1993) erinnert sich Dylan seiner Wurzeln und gab traditionelles Liedgut zu Akustikklampfe und Mundharmonika zum Besten. Hochgelobt und Hoffnung für die über viele Jahre enttäuschten Fans.
1995 kam mit ‚MTV Unplugged‘ eine weiteres Live-Album mit größtenteils klassischem Material der frühen Jahre. Wenig Überraschendes, grundsolide vorgetragen.
1997 war’s dann soweit: Endlich wieder ein Meisterwerk. ‚Time Out Of Mind‘. In seiner ‚Wiedergeborener-Christ‘-Phase hat er offensichtlich gelernt, wie Wiederauferstehung geht, damit aber ziemlich lange hinterm Berg gehalten.
Stimmlich extrem am Ende, krächzt sich der Meister hier durch elf Blues- und Folk-Rock-Preziosen, die bei der Kritik auf einhellige Begeisterung stießen. Was Rick Rubin für Johnny Cash leistete, wurde hier von Daniel Lanois für den Bob erledigt. Großartiges Comeback, keine Frage.
‘The Bootleg Series, Vol. 4: Bob Dylan Live 1966, The „Royal Albert Hall“ Concert’ (1998) dokumentiert die UK-‘Judas’-Tour mit ‘The Band’, die sich damals noch ‚The Hawks‘ nannten und auf CD2 für herrlich-krachige Versionen diverser Dylan-Klassiker sorgen.
2001 macht der Bob auf ‚Love And Theft‘ dort weiter, wo er mit ‚Time Out Of Mind‘ aufgehört hat und erntet hierfür erneut hervorragende Kritiken.
Auf ‘The Bootleg Series Vol. 6: Bob Dylan Live 1964, Concert at Philharmonic Hall’ (2004) wird der Akustik-Protestsong-Dylan der frühen Jahre live dokumentiert, Volume 7 (2005) dient als Soundtrack für die Scorsese-Doku ‚No Direction Home‘ und enthält rares und bis dato unveröffentlichtes (Live-)Material der Jahre 1959 bis 1966.
2006 kam dann mit ‚Modern Times‘ ein weiteres Blues- und Folk-Rock-Meisterwerk, das in diesem Jahr durch alle Bestenlisten gereicht wurde.
Volume 8 der Bootleg Series (‚Tell Tale Signs‘) kommt 2008 auf den Markt und enthällt qualitativ hochwertiges, unveröffentlichtes Material aus den Jahren 1989 bis 2006.
Mit ‚Together Through Life‘ geht es 2009 weiter mit hochanständigem Blues-Rock, als Co-Writer für die Texte schnappte sich Dylan den alten Grateful-Dead-Spezi Robert Hunter. Im gleichen Jahr erschien auch die Weihnachts-Platte ‚Christmas In The Heart‘, ein Werk von fragwürdigem künstlerischen Wert, immerhin kamen die Einnahmen caritativen Zwecken zugute.
2010 und 2011 dann Uralt-Kram: ‚The Bootleg Series Vol. 9: The Witmark Demos: 1962–1964’, ‘The Original Mono Recordings’ und ‘In Concert – Brandeis University 1963’.
2012 endlich wieder was Neues: ‚Tempest‘, eine makellose Rockscheibe, die die exzellente Spätform des Meisters erneut eindrucksvoll unter Beweis stellt.
Nochmal Bootleg-Serie im Jahr 2013: ‘The Bootleg Series Vol. 10: Another Self Portrait (1969–1971)’ mit Unveröffentlichtem, größtenteils aus den ‚Self-Portrait‘-Sessions. Sollte wohl zur Ehrenrettung dieser extrem schwachen Scheibe aus dem Jahr 1970 dienen und wenn man den Kritiken Glauben schenken darf hat das wohl ganz gut funktioniert.

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