Reingehört (26)

KULTURFORUM Reingehört 12-2014
 
Fugazi – First Demo (2014, Dischord)
Erste Demoaufnahmen aus dem Jahr 1988 der Washingtoner Straight-Edge-Heroen Fugazi, die sich seit 2003 im Urlaub befinden. Sauber produziert, transparent aufgenommen, keine schlappen, halbgaren Demoaufnahmen mit verwaschenem Sound, lediglich „Waiting Room“ holpert am Anfang etwas beim Gesang, ansonsten handelt es sich hier ausnahmslos um absolut vollwertiges Material, das in mehr oder weniger gleicher Interpretation später den Weg auf die offiziellen Aufnahmen fand. Der Großteil der Stücke ist bereits von den EPs „Fugazi“, „Margin Walker“, „3 Songs“, der LP „Repeater“ oder dem Sampler „13 Songs“ bekannt. Für Komplettisten.
(*****)

Dragging An Ox Through Water – Panic Sentry (2014, Party Damage)
Ein mir bis dato völlig unbekannter Tüftler namens Brian Mumford aus Portland (Oregon oder Maine?), der mit elektronischen Spielereien einen supercoolen Alternative-Lo-Fi-Folk mit Country- und Experimental-Einschlag kreiert. „Field Recordings“ im Geiste der amerikanischen Folklore-Tradition, im Heimstudio zusammengebastelt, mit elektronischem Schnickschnack versehen und mit murmelnder Stimme vorgetragen. Ich bin beeindruckt.
(*****)

The Ministry Of Wolves – Music from „Republik der Wölfe“ (2014, Mute)
The Ministry of Wolves sind der ex-Bad-Seed Mick Harvey, Alexander Hacke von den Einstürzenden Neubauten und seine Lebensgefährtin Danielle de Picciotto (Crime & The City Solution) sowie der Dortmunder Musikdirektor Paul Wallfisch, die hier mit getragenem, mitunter sehr düsterem Experimental-Folk virtuos berühmte Märchen der Gebrüder Grimm als Soundtrack für eine Theaterproduktion interpretieren. Gelungen.
(**** ½)

Musée Mécanique – From Shores Of Sleep (2014, Glitterhouse)
Große Seefahrerdramen, dargebracht in opulentem Breitband-Folk von einem Quintett aus Portland, Oregon. Bläsersätze wie aus einem Sergio-Leone-Western entsprungen, eine Instrumente-Vielfalt, die nie erdrückend, immer wohlplatziert wirkt, getragen, erhaben, kitschfrei. Wer sich in einer Stunde der Muße Zeit zum Hören nimmt, wird reich entlohnt werden. Ich schwör, Alter.
(*****)

The Chills – The BBC Sessions (2014, Fire Records)
12 live eingespielte Stücke der Neuseeländer aus Dunedin. Die Band bestritt zwischen 1985 und 1988 drei der legendären John-Peel-Sessions für den altehrwürdigen Britensender. Hochmelodische, gutgelaunte Gitarren- und Orgel-Pop-Meisterwerke, wegweisend für den Indie-Sound der folgenden Jahrzehnte. Für Nostalgiker.
(**** ½)

Allo Darlin’ – We Come from the Same Place (2014, Fortuna Pop)
Ein junges Quartett aus London mit melodischem Gitarren-Songwriter-Pop. Sängerin Elizabeth Morris weiß stimmlich durchaus zu bestechen, die Jungs an den Klampfen bieten in dem Genre leider absolut nichts Neues, die Akkorde hat man hundertfach bereits irgendwo bei den Smiths, Felt, House Of Love oder sonstwo gehört – wohlgefälliges Geschrammel, dass mir auf Dauer viel zu glatt und zahm – und, to be honest – auch viel zu langweilig ist.
(** ½)

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