Reingehört (31)

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Ryan Bingham – Fear And Saturday Night (2015, Harmonia Mundi)
Wenn’s bei einer CD oder LP nicht so dermaßen platt klingen würde: eine runde Sache ;-)) Eine ausgewogene Mischung aus Country-Balladen und flotteren Roots-Rockern, mit der für Bingham typisch brüchig-rauen Stimme vorgetragen. Ryan Bingham hat die meisten Stücke alleine ohne Strom und Cellphone in den Bergen Kaliforniens geschrieben und das vorliegende Produkt mit einer neuen Band live im Studio eingespielt. „The seclusion gave him creative clarity that resulted in songs inspired by an unstable childhood, and by the deaths of his mother to alcoholism and father to suicide.“ (Andrew Leahey, Rolling Stone US, 24.10.2014) Für derartige Hammerthemen kommt das Werk noch relativ entspannt daher…
Am 8. Februar live im Münchner Orangehouse und laut Feierwerk-Homepage leider schon ausverkauft.
(****)

 

Belle And Sebastian – Girls In Peacetime Want To Dance (2015, Matador)
Belle And Sebastian? Pet Shop Boys! In den schlimmsten Momenten Disco von vorgestern! Der Rest: belangloses Pop-Geträller, wie man es derart geballt und seicht von der Band aus Glasgow bisher nicht vorgesetzt bekam. Meine Liebste fällte das Todesurteil, als sie mich fragte, ob ich mir jetzt Modern Talking reinziehe. In derartige Extreme verfalle ich bei der Bewertung nicht, aber eines wird beim Hören klar: Das Hoffen auf ein weiteres Meisterwerk à la „Tigermilk“ wird zunehmend ein vergebliches. Wie sagt Donald Ray Pollock so treffend: „Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber sie stirbt.“
Gérard von Pop-Polit war gestern bei weitem nicht so miesepetrig as I am ob der neuen Scheibe der Schotten, guckst Du hier.
(**)

 

Laura Cannell – Quick Sparrows Over the Black Earth (2014, Brawl)
Die junge Geigerin Laura Cannell aus Norfolk, UK, mit ihrem Debüt, auf dem sie Neofolk-/Neoklassik-/Drone-/Ambient-Soundlandschaften mit mittelalterlicher Musik von Hildegard von Bingen über Tape-Recorder sampelt. Erinnert entfernt an den Minimalismus von Philip Glass und die Improvisationsmusik von John Cage oder Morton Feldman, aber im Grunde beschreiben diese Vergleiche Cannells Musik nur sehr unzureichend, insofern lehnt man sich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man hier von einem Werk mit sehr eigenständigem Charakter spricht. Prägend hinsichtlich Einflüssen dürfte auch ihre Zusammenarbeit mit dem This-Heat-Drummer Charles Hayward gewesen sein, diese Querverbindung hat mich aufhorchen und reinhören lassen. Not bad.
(****)

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6 Kommentare

  1. ich bin von der b&s platte sehr angetan, jedoch nerven mich ihre live-shows schon ne ganze weile. so pseudo-hippie-gute laune spektakel-ich hol leute auf die bühne und lass mich mit make up bemalen-scheisse. und das ja nicht mal spontan. und die „fans“ erst. henauso radikal wie die anhänger radioheads, der smiths/morrissey. ein wort der kritik und man wird vom mob verhauen…es gab ja zeiten, die der raren aber tollen konzerte, da reiste ich queer durch halb europa wegen der band (paris, rimini, stuttgart, münchen, fribourg….). das werde ich wohl nicht mehr tun. die platte schmeckt mir trotzdem vorzüglich…

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    1. Freut mich für Dich, ich kann damit kaum was anfangen. Hab sie nur einmal live gesehen, dürfte über 10 Jahre her sein, war eher ein durchschnittliches Konzert, diese gute-Laune-Getue ist mir auch auf den Wecker gegangen. Diese „Radikal“-Fans sind sowieso grauenhaft, hatte da mal bei einem unterirdischen Arcade-Fire-Konzert unangenehme Begegnungen.

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