National Gallery

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Der amerikanische Dokumentarfilmer Frederick Wiseman hat eine großartige Studie über die National Gallery gedreht, die Londoner Institution am Trafalgar Square ist eine der umfassendsten, bedeutendsten und mit am meisten besuchten Gemäldegalerien der Welt.
Im „Direct Cinema Stil“ beobachtet Wiseman als stummer Zeuge – ohne jeglichen Kommentar aus dem Off und ohne Einflussnahme auf das Geschehen – Museumsführungen, faszinierende Interpretationen und Erläuterungen einzelner ausgewählter Werke, leidenschaftliche Budget- und Öffentlichkeitsarbeit-Diskussionen der Vorstandschaft, Aufbauarbeiten der Handwerker, Kunstgeschichts-Vermittlung für Blinde, das Zeichnen von Akten, die Restauration von alten Meistern und deren Rahmung oder auch einfach nur die fragenden, forschenden, zweifelnden, neugierigen und ehrfürchtigen Blicke der Betrachter. In gleicher Weise fängt er im Detail die dargestellten Gesichter auf den ausgestellten Meisterwerken ein, was auf den Kinobesucher in seiner stakkatohaften Bild-Abfolge besonders intensiv einwirkt. Ein dreistündiger Museums-Rundgang, der in jeder Minute fasziniert und die Zeit wie im Flug vergehen lässt. Das agierende Museumspersonal vermittelt in den allermeisten Fällen einen sensiblen und fachlich hochkompetenten Eindruck, das Ganze präsentiert in der typisch britischen Eloquenz. Ein Mikrokosmos wird Szene für Szene vor dem Kinobesucher entfaltet und zu einem stimmigen Gesamtwerk verbunden.

Der 85-jährige Wiseman selbst nennt seine Werke „Entdeckungsreisen“, seit 1967 hat der Amerikaner auf diese Art 39 öffentliche und private Einrichtungen erforscht, unter anderem einen Zoo, ein Kloster, ein Krankenhaus, ein Luxuskaufhaus und den New Yorker Central Park. Für den Film „National Gallery“ wurden 170 Stunden Drehmaterial auf das dreistündige Endprodukt verdichtet, der Film fand erst beim Schneiden seine Struktur, der Drehprozess bei Wiseman ist sogenanntes „uncontrolled Cinema“.

Eine ganz dicke Empfehlung für alle, die auch nur im entferntesten Interesse für darstellende Kunst hegen, sie werden diesen cineastischen Museums-Besuch nicht bereuen, auch wenn nach drei Stunden Kino-Sitzung dem ein oder anderen der Rücken schmerzen wird – im Gegensatz zu den Beinen nach dem realen Museumsbesuch ;-)))

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