Reingelesen (11)

150px_lansdale-dunkle_gewaesser

„(…) Mich ärgerte, dass Mama der Meinung war, sie hätte die Prügel verdient, schließlich hätten die Männer das Sagen. So steht es in der Bibel, hat sie mir erklärt. Kein Wunder, dass ich keine Lust mehr hatte, drin zu lesen. (…)“
(Joe R. Lansdale, Dunkle Gewässer, Kapitel 1)

Huckleberry Finn trifft „The Walking Dead“ oder so ähnlich. Der Texaner Joe R. Lansdale legt hier eine wilde Mixtur aus Mark Twain, Ambrose Bierce, James Ellroy und DBC Pierre vor, die sich extrem unterhaltsam und spannend liest und die vor allem seinem exzellenten Roman „Die Wälder am Fluss“ aus dem Jahr 2000 hinsichtlich Stil und Thrill nicht unähnlich ist. Wie in den „Wäldern“ kredenzt Lansdale ein auf das Angenehmste abgeschmecktes Gebräu aus Southern Gothic und Hardboiled-Krimi-Kost, angereichert mit seinem unnachahmlich trockenen Humor. Nicht umsonst ist der Schmöker seinerzeit auf der ZEIT-Krimi-Bestenliste ganz oben gelandet.

In der texanischen Provinz am Sabine River, zu einer Zeit, als die Rednecks die Rassenfrage im Süden der USA noch nach ihren Regeln klärten, machen sich ein paar Rotzgören inklusive Anhang auf die Reise nach Hollywood, um die Asche ihrer ermordeten Freundin am Ort ihrer Träume zu bestatten. Für den Mord an der blonden Schönheit interessiert sich offensichtlich niemand, umso mehr für die Beute eines Banküberfalls, aus der Leichenüberführung wird umgehend eine wilde Verfolgungsjagd, bei der am Ende auch der sagenumwobene und aller möglichen Abartigkeiten bezichtigte Kopfgeldjäger „Skunk“ mitmischt. Ein Roadmovie in Buchform par Excellence.
(*****)

„(…) „War ja klar.“ Jinx stemmte die Hände in die Hüften. „Die stirbt natürlich keinen schlimmen Tod. Nachdem sie dreihundertfünfzig Millionen Jahre lang zu Gott und der Welt gemein war, schläft sie einfach ein.“
„Die Arme“, sagte Mama.
Jinx starrte sie verblüfft an und schüttelte den Kopf.
„Euch Weiße versteh mal jemand.“ (…)“

(Joe R. Lansdale, Dunkle Gewässer, Kapitel 23)

Mein erster Lansdale war der Horror-Trash-Roman „Drive-In“, der im August bei Heyne neu aufgelegt wird, eine absolut abgefahrene und witzige B-Movie-Horror-Splatter-Story, die mich auf seine Krimis extrem neugierig machte. Den bereits erwähnten Südstaaten-Thriller „Die Wälder am Fluss“ kann ich wärmstens empfehlen und wer auch nur einen Hauch von Interesse für außergewöhnliche Krimi-Kost hegt, greife zur Collins-/Pine-Serie („Wilder Winter“, „Texas Blues“, „Mambo für zwei Bären“, „Schlechtes Chilli“) mit den beiden Privatdetektiven Hap Collins (weiß, hetero, Kriegsdienstverweigerer) und Leonard Pine (schwarz, homo, Vietnam-Veteran). Größtmögliches Entertainment garantiert!

Advertisements

4 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s