Reingehört (36)

DYLAN (2)
 
Bob Dylan -Shadows In The Night (2015, Columbia)
Bob der Meister wäre nicht Bob der Meister, wenn er nicht ab und an einen kapitalen Bock schießen würde. In den achtziger Jahren ist ihm das – bis auf wenige Ausnahmen – mehr oder weniger pausenlos gelungen, in den letzten Jahren war man von seinem Output an Country-Blues-sonstwas-Perlen doch recht verwöhnt, als einziger Ausreißer nach unten war das unsägliche Weihnachtslieder-Album „Christmas In The Heart“ von 2009 zu verzeichnen, ein Werk so notwendig wie ein Loch im Knie, ansonsten gab es bei einem neuen Dylan-Album die letzten Jahre kaum was zu maulen.
Nun also eine Sammlung mit Songs, die der Kennedy- und Mafia-Spezi Frank Sinatra zur Berühmtheit brachte. Ich will nicht lange um den heißen Brei reden: Beim dritten Mal gähnen war die Oper durchgefallen. Eine Anreihung an belanglosem Geplätscher, das der Bob für meine Begriffe gerne in den Archiven verrotten hätte lassen können. „Where Is My Happy End?“ fragt er in dem Stück „Where Are You?“ – eine berechtigte Frage, die ich im Bezug auf diese Scheibe beim besten Willen nicht beantworten kann. Immerhin, bei „That Lucky Old Sun“ kommt zum Schluss noch etwas Freude auf, die Nummer als Single veröffentlicht und gut wär’s gewesen.
Wer also braucht den Sinatra-Dylan? Komplettisten, 100%-Tag-und-Nacht-Rund-um-die-Uhr-Dylanologen und Masochisten.
Der Rest hält sich an die einzig wahre Sinatra-Interpretation, eingespielt vom ansonsten völlig talentfreien und durch seinen frühen Drogen-Tod zur Punk-Ikone hochstilisierten Pistols-Rotzlöffel Sid Vicious.
(**)


 

Advertisements

16 Kommentare

  1. Ach, schade. Ich gebe gerne zu, dass das Album nicht an seine letzten wunderbaren Alben heranreicht, aber als „Sinatra-Coveralbum“ ist das völlig okay und seine Stimme großartig. Viele Grüße, Gérard

    Gefällt 1 Person

  2. Ich habe auch nicht wirklich positives über sein neues Album gelesen…Danke Gerhard für deine persönliche Meinung darüber…und wie du richtig schreibst „…muss ja nicht sein..“
    Liebe Grüße – Karin

    Gefällt mir

  3. Wie ich gelesen habe, saß der Toningenieur in LA auch bei den letzten Sinatra-Alben am Regler. Die Mikrofone wurden abgedeckt und das Album komplett live eingespielt. Zum einen klingt seine Stimme so weich und sanft wie selten zuvor und doch spricht mich das Album nicht wirklich an. Es gibt ein einziges Interview welches er in Amerika dem AARP Magazin für Senioren gegeben hat und dazu gab es für Abonnenten 50.000 CD´s kostenlos. Als Grund für das Album nannte er im Interview, dass er bereits sehr mehr als 30 Jahren diese Lieder aufnehmen wollte, inspiriert von Willie Nelson´s Album „Stardust“. Dylan ist mir manchmal ein Rätsel.
    Auch von mir ein Servus nach München und Danke für die Besprechung
    Stefan

    Gefällt 1 Person

    1. Danke, Stefan, für Deine ergänzenden Worte. Obwohl ich die Scheibe wegen der sparsamen Instrumentierung und dem für Dylan-Verhältnisse akzeptablen Gesang grundsätzlich interessant finde, langweilt sie mich zu Tode….
      Viele Grüße nach Hamburg,
      Gerhard

      Gefällt 1 Person

      1. Du hast es gut auf den Punkt gebracht. Ein interessantes Projekt was aber nicht packt oder berührt. Leider. Also warten wir auf ein weiteres Alters(meister)werk.
        Viele Grüße von der Elbe an die Isar
        Stefan

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s