Union fürs Leben

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„Fußball, ist ja nüscht gegen zu sagen…“
(Maja Lopatta)

Eisern Union! Die beiden Filmemacher Frank Marten Pfeiffer und Rouven Rech, die 2013 mit dem Dokumentarfilm „Hoffenheim – Das Leben ist kein Heimspiel“ für den Grimme-Preis nominiert wurden, haben eine schöne Studie über den Berliner Kult-Club 1. FC Union und seine Anhänger gedreht. Im Mittelpunkt der Doku stehen fünf exemplarische Union-Fans, die ohne Regieanweisungen und ohne zusätzliche Kommentare oder Fragen von seiten der Filmemacher in ihrem alltäglichen Leben beobachtet werden, von der Herangehensweise der Regisseure ist die Dokumentation den Filmen Frederick Wisemans nicht unähnlich (siehe „National Gallery„). Der Nachwuchs-Kicker Christopher Quiring, der Schauspieler Chris Lopatta, der Berliner CDU-Senator für Gesundheit und Soziales, Mario Czaja, der Streetworker Stefan Schützler sowie der von ihm betreute Jugendliche Alexander Grambow geben Einblick in ihr soziales Umfeld, ihre Gefühlswelt, ihre (DDR-)Sozialisation und natürlich nicht zuletzt in ihr Verhältnis zu den „Eisernen“ und ihr Verständnis als Fußball-Fans.

Mehr Sozial-und Milieu-Studie als Fußball-Dokumentation über den Verein an sich, zeigt der Film auf eindrucksvolle Art, dass Fan-Dasein weit mehr ist als jährliches Abfeiern von Meistertiteln, dass auch in der örtlichen Verbundenheit, im Durchleiden der Tristesse der unteren Ligen, der gemeinsamen Vergangenheit und dem Ausharren und Festhalten in Zeiten des Misserfolgs Sinn- und Identität-stiftendes liegen kann, Umstände, die speziell Konsumenten des kriminellen Großkotzvereins Bayern München nie verstehen werden.

Die bewegte Geschichte des 1. FC Union – Status des Vereins in der DDR, Auf- und Abstiege, Beinahe-Pleiten und tatkräftige Fan-Beteiligung beim Stadion-Aufbau an der Alten Försterei – wird nur in stimmungsvollen Bildern und kurzen Schlagzeilen aufgezeigt, lediglich die oppositionelle Haltung der Fans zum Staat in DDR-Zeiten kommt ausführlich zur Sprache, der Verein galt zu Zeiten der Deutschen Demokratischen Republik als Sammelbecken für Punks, Hippies, Staatssozialismus- und Stasi-Gegner, also im Grunde für alle, die von der gängigen DDR-Norm abwichen. Auch heute noch setzt sich die Union-Fan-Szene hinsichtlich Aktionen erfrischend ab von den Supportern anderer Clubs, das jährlich stattfindende Weihnachtssingen mit weit über 20.000 Besuchern, die Tausende von freiwillig geleisteten Arbeitsstunden beim Stadionaufbau oder die Blutspendeaktion zur Vermeidung der Vereinspleite („Bluten für Union“) legen ein eindrucksvolles Zeugnis davon ab.

Einziges Manko dieser sehr sehenswerten Doku: kein Wort über den Tusche !!! :-((

„Nicht jeder Union-Anhänger ist ein Klassenfeind,
aber jeder Klassenfeind ist ein Union-Anhänger!“

(Alter DDR-Spruch)

 11FREUNDE #137 / Eisern Union – Ein Vorbild für alle?

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