Hard Soil – The Muddy Roots Of American Music

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„Geschichten in Songs erzählen zu dürfen, die andere Menschen berühren – seien es auch vergleichsweise wenige. Wer beispielsweise das ungleiche Paar Sean Wheeler und Zander Schloss erlebt, wie sie Josh Hadens „Spiritual“ interpretieren, muss keine Fragen nach Authentizität mehr stellen. Diese Freaks und Punkkonvertiten sind musikalische Originale am Rand des Folk, die von innen brennen. Muddy Roots – eine Welt für sich, geöffnet durch diesen Film.“
(Volker Dick, Folker Nr. 6/2014)

„Music Comes From Pain“ – das zentrale Credo dieser herausragenden Musik-Dokumentation aus dem Jahr 2014, in der der deutsch-/südafrikanische Filmemacher Marc A. Littler den Zuschauer mit auf die Reise nimmt in eine faszinierende Parallelwelt des amerikanischen Underground-Folk, der von durchtätowierten, bärtigen, fluchenden und schwer dem Alkohol zusprechenden Drop-Outs zelebriert wird, die sich auf einer pseudo-religiös anmutenden Erweckungsmission befinden und das Herz alle am rechten Fleck haben. Die Musiker, von denen viele von einem reichhaltigen Erfahrungsschatz als ehemalige Punk-Rocker, Alkoholiker, Substanzen-Missbraucher und Straftäter zehren, heben durch ihre Musik die Barriere zu den Fans und Konzertbesuchern auf, treten in direkte Kommunikation mit ihnen und versuchen ihre negativen wie auch positiven Erfahrungen und Lebens-Einsichten weiterzugeben, womit durch diese spezielle Form des Underground-Folk die Musik ihren ursprünglichen, sozialen, spirituellen und auch rebellischen Ansatz wiedererlangt.

Mir waren neben dem im Bonusmaterial zu Wort kommenden Bremer Kellergospel-Prediger Dad Horse Ottn (The Dad Horse Experience) sowie dem Blues-Trash-Duo Left Lane Cruiser bisher nur die Schweizer One-Man Band Reverend Beat-Man und Possessed By Paul James geläufig, insofern waren Bands und Musiker wie Reverend Deadeye, The Calamity Cubes!, Jayke Orvis & The Broken Band, Sean Wheeler, Zander Schloss, Drew Landry, The Goddamn Gallows und Delaney Davidson allesamt hochwillkommene Neuentdeckungen.
Songs von herzergreifender Intensität kommen in der Doku ausführlich zum Vortrag, aus der sehr guten Auswahl möchte ich besonders das Stück „Welcome You Home“ von Konrad Wert aka Possessed By Paul James herausheben sowie das an Intensität kaum mehr zu überbietende, eingangs bereits erwähnte „Spiritual“ von Sean Wheeler und dem ex-Punk-Musiker Zander Schloss (ex-Circle-Jerks, ex-Thelonious Monster), wer bei diesem Vortrag den Wasserkanal an den Augen nicht wegdrücken muss, hat ein Herz aus Stein oder im schlimmsten Fall gar keins.

Aufgenommen wurde der Film beim alljährlich stattfindenden Muddy-Roots-Festival in Cookeville, Tennessee, bei dem auch schon Größen wie Dr. Ralph Stanley, O’Death, Lydia Loveless oder Slim Cessna’s Auto Club auftraten, sowie beim belgischen Ableger des Festivals in Waardamme.

Regisseur Littler gründete 1999 Slowboat Films als Hort des unabhängigen Kinos. Sein filmischen Ansatz fasst er wie folgt zusammen: „Ich bin an Menschen interessiert, die ganz auf ihren eigenen Füssen stehen – Prototypen, die ihr Radio mit dem Schweißbrenner reparieren.”

2008 hat M.A. Littler die Dokumentation „The Folksinger“ über den Folk-Blues-Sänger Konrad Wert / Possessed By Paul James gedreht, die DVD ist wie „Hard Soil“ beim Münchener Indie-Label Trikont zu beziehen und wird wohl demnächst im Fundus des Kulturforums landen … ;-))

„Trinken ist Teil meines Arbeitens, ich trinke auch beim Drehen. Die Sache ist die, ich bin überhaupt nicht entspannt, sondern ein ziemlicher Kontrollfreak. Und um die Kommunikation zum Laufen zu bringen, und insbesondere um unvorhergesehene Situationen zu provozieren, arbeite ich halt mit dem Rausch.“
(Marc A. Littler, Frankfurter Rundschau, 6. November 2014)

Muddy Roots Festival / wikipedia

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