Mark Lanegan Band, Duke Garwood, Lyenn @ Freiheiz, München, 2015-02-21

Nach langer Zeit mal wieder ein interessantes Konzert im Freiheiz, ich war da Jahre nicht mehr. Schade eigentlich, ist eine tolle Konzerthalle direkt an der Münchner S-Bahn-Stammstrecke, ideal für Veranstaltungen mittlerer Größe – also genau das richtige für Mark Lanegan und seine Band samt Support-Programm.
Den bunten Abend durfte ein Songwriter namens Lyenn mit seinem spartanischen, reduzierten E-Gitarren-Spiel und seinen klagenden, kaum abwechslungsreichen Weisen eröffnen, die bei mir auf wenig Gegenliebe trafen, zu eindimensional-langweilig war der Vortrag, dankenswerter Weise wurde der Auftritt zeitlich kurz gehalten und es würde mich sehr wundern, wenn wir diesen Supertramp-Reserve-Jesus einst on the Cover of the Rolling Stone erblicken würden. Zu seiner Ehrenrettung sei angemerkt, dass er seinen Job als Basser der Mark Lanegan Band im weiteren Verlauf des Abends ohne weitere Beanstandungen verrichtet hat.
(**)

Ein ganz anderes Kaliber betrat im Anschluss die Bühne, ich freute mich riesig und zurecht auf den Auftritt von Duke Garwood, der mit seiner halbakustischen Gitarre und verstärkt durch den kongenialen Drummer Paul May eine exzellente Dark-Blues-Beschwörung mit viel Soul in seiner dunklen Stimme hinlegte und damit den hervorragenden Eindruck, den er bei mir vor einigen Wochen mit seiner wunderbaren neuen Platte „Heavy Love“ (das Kulturforum berichtete) hinterlassen hatte, auch konzertant mehr als bestätigte. Das Publikum dankte es den beiden Briten mit frenetischem Applaus und bei einem Teil der Konzertgänger an diesem Samstagabend dürfte der nächste, dann hoffentlich Headliner-Auftritt Duke Garwoods fest vorgemerkt sein.
(*****)

Duke Garwood / Homepage

Der große Schweiger Mark Lanegan eröffnete seinen Set mit einigen reduzierten Balladen, bei denen er nur von seinem Gitarristen unterstützt wurde, seine dunkle, morbide Stimme kam hier besonders zum Tragen, ehe sich dann die gesamte Band auf der Bühne einfand und das Set fortsetzte mit astreinem Grunge-Rock, wie man ihn von Lanegans jüngsten Werken und aus seinen Gutter-Twins- und Screaming-Trees-Zeiten kennt. Den Hauptanteil an der Setlist hatten erwartungsgemäß die Songs des neuen Albums „Phantom Radio“, die im Live-Vortrag wesentlich besser funktionierten und dynamischer beim Hörer ankamen als sie dies in ihren überproduzierten, durch elektronische Sperenzchen verpfriemelten Tonträger-Fassungen tun (Kulturforum-Besprechung der Platte: guckst Du hier).
Das letzte Mal sah ich Mark Lanegan vor circa fünf Jahren, im Münchner Backstage gab er ein musikalisch ansprechendes, durch einen Akustik-Gitarristen unterstütztes Duo-Konzert, an diesem Abend hatte er kein einziges Wort übrig für die Zuhörer, kein „Thank You“, kein „Fuck You“, keine Worte zum Abschied, garnix. Am vergangenen Samstag war er dagegen für seine Verhältnisse ein sprudelnder Wasserfall an Konversation, er stelle die Band vor und bedankte sich gar das ein oder andere Mal mit seiner völlig abgewrackten Tom-Waits-Stimme für den enthusiastischen Applaus.
Zum Ausklang des wunderbaren Konzertabends gesellte sich nochmal Duke Garwood für die Zugaben zur Mark Lanegan Band auf die Bühne und setzte so einen würdigen Schlusspunkt.
Um das Maß an Publikums-Zugewandtheit voll zu machen, durften sich die Fans am Merch-Stand im Anschluss an das Konzert ihre Mark-Lanegan-Devotionalien vom Meister höchstselbst signieren lassen… ;-))
(**** ½)

Mark Lanegan / Homepage

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8 Kommentare

    1. Ach ja: Sei froh, dass du nicht noch Lyenn und den Keyboarder als ein Opening-Projekt miterleben musstest. In Hamburg haben sie zum ersten (und letzten?) Mal gespielt (in Berlin bin ich erst pünktlich zu Lanegan hin). Es war grauenhaft. Schlimm. Furchtbar. Es lief so ein Film von nem Beamer und dazu hab es schmerzhaft schrille und fiese Synthesizer-was-auch-immer-Klänge und spärliche Gitarre und Vocals dazu…..

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    2. Nein, leider nicht. Sind zwar am Samstag auch verteilt worden, aber da hab ich mich gerade mit ein paar Freunden unterhalten…. ;-)) Die Tour-Live-CDs sind super, hab mir eine von Reykjavik und eine aus der Londoner Union Chapel eingefangen.
      Viele Grüße,
      Gerhard

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