Steve Wynn @ Südstadt, München, 2015-02-28

Der Mann, der mit seiner Band The Dream Syndicate den „Paisley-Underground“-Sound prägte wie kaum ein zweiter und mit dessen Mainstream-Version R.E.M. später reich und berühmt wurden, der Mann, der sich seine Meriten mit großartigen Solowerken erwarb und mit Projekten wie Gutterball (zusammen mit Stephen McCarthy von den Long Ryders, Bob Rupe von den Silos, sowie Bryan Harvey und Johnny Hott von House Of Freaks), Danny & Dusty (mit Dan Stuart von Green On Red) und dem Baseball Project (unter anderem mit Peter Buck von R.E.M.), dieser Mann spielte am vergangenen Samstag ein Solokonzert in der Münchner Indie-Kneipe Südstadt, und der geneigte Hörer fragte sich wie schon seit Jahrzehnten, warum dem wunderbaren Steve Wynn nicht die großen Konzerthallen dieser Welt offen stehen. Versteht mich nicht falsch, nichts gegen das ehrwürdige Südstadt, but you know what I mean…

Steve Wynn war erstmals solo mit Stromgitarre unterwegs und – wie er gestand – noch nie so nervös auf einer Tour wie dieses Mal. Davon war dem Routinier am Samstag jedoch nichts anzumerken, in teilweise sagenhaften Neuinterpretationen gab er Stücke aus allen Schaffensphasen seiner jahrzehntelangen Karriere zum Besten und begeisterte die Fans in der proppenvollen Südstadt mit einem betörenden Mix aus Songwriting und trash-bluesigem E-Gitarren-Geschrubbe im Stile eines Alex Chilton. Klassiker aus längst vergangenen Dream-Syndicate-Tagen wie „Tell Me When It’s Over“ wurden ebenso zu Gehör gebracht wie spätere Solowerke, aus dem grandiosen Doppelalbum „Here Come The Miracles“ (2001, Blue Rose Records) brachte er „Sustain“ und eine balladenhafte, wunderschöne Fassung von „There Will Come A Day“. Nebenher unterhielt er das Publikum mit Anekdoten aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz wie beispielsweise der Geschichte, in der er als siebzehnjähriger Fan während eines laufenden Konzerts ein Gitarrenplektrum des vor ihm stehenden Johnny Ramone klaute und dann mit seiner Beute die Mücke machte. Der Zugabenteil wurde mit dem Gewähren von Publikumswünschen eröffnet und hier schlug die große Stunde Eures Manns vom Kulturforum, mein Begehr fand Erfüllung, aber seht selbst, der Herr neben mir schnitt diesen für mich erhebenden Moment dankenswerterweise mit und stellte ihn ins Netz:

Derart beglückt und über dem Boden schwebend konnte für mich an dem Abend nix mehr schiefgehen, hat Steve doch neben „Merritville“ auch noch „Sweetness And Light“ in einer Billy-Bragg-artigen Uptempo-Version vorgetragen und damit zwei meiner drei absoluten Steve-Wynn-Favorites an einem Abend präsentiert (Wer den dritten errät, die- oder denjenigen schließe ich heute in mein Abendgebet ein ;-))).
Zum krönenden Abschluss des Konzerts spielte Steve Wynn Coverversionen des The-Band-Klassikers „Stage Fright“ und „Jumpin‘ Jack Flash“ von den Stones, um anschließend am Merchandising-Stand seine limitierte Tour-Only-Solo-Electric-CD inklusive jeweils individuell gestalteter Plattenhüllen-Kunst an den Mann zu bringen, und damit endete ein denkwürdiger, großartiger, Konzertjahres-Highlight-verdächtiger Musikabend. (Nebenbei bemerkt: Stimmt nicht, endete noch nicht, ich hab noch den Bernd getroffen, wir haben dem anschließenden Dirk-Wagner-DJing gelauscht, ein paar Bier gezischt und uns über „Shimmy Disk“ unterhalten…;-)))
Sehr gerne darf, ja muss er wieder kommen, der kalifornische Sympath-Mann!
(***** – ***** ½)

Steve Wynn / Homepage

12 Kommentare

    1. Ja, sehe ich auch so. Hab ihn auch lange nicht mehr gesehen. Vor ein paar Jahren, als er erstmals im Südstadt spielte (zusammen mit Chris Cacavas), hatte ich blöderweise keine Zeit.

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  1. Hallo Gerhard! Wie immer vielen Dank für die Fotos/Video und die tolle Konzert-Rezension. Aha! da war der wuschlige Gitarrist gar nicht dabei. Ich bin sicher, Steve Wynn hat das allein gut gerissen!

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      1. Wehe die Extase packt ihn :-) dann fürchte ich immer um ihn, dass er selbstvergessen vom Bühnenrand purzelt. Ich habe ihn bestimmt schon 5x gesehen, bspw. mit Chris Cacavas.

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