Let’s make Money – Vom Wahnsinn, der Methode hat

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„Es gab einen berühmten Ausspruch, dass die beste Zeit zu kaufen ist, wenn das Blut auf den Straßen klebt. Ich füge hinzu: Auch wenn es dein eigenes ist. Denn wenn es Krieg, Revolution, politische Probleme und Wirtschaftsprobleme gibt, dann fallen die Preise von Aktien, und jene Leute, die an diesem Tiefpunkt kauften, haben jede Menge Geld gemacht.“
(Mark Mobius, Präsident Templeton Emerging Markets)

„Let’s Make Money“ ist ein beklemmender und wichtiger Aufklärungsfilm aus dem Jahr 2008 zu den Themen Finanzkrisen, Ausbeutung und Globalisierung des österreichischen Dokumentarfilmers Erwin Wagenhofer, der bereits 2005 eine hervorragende Arbeit mit der mit dem Österreichischen Filmpreis ausgezeichneten Doku „We Feed The World“ über Massenproduktion von Nahrungsmitteln und die Industrialisierung in der Tierhaltung präsentierte.

Wagenhofer lässt im Film Hedge-Fonds-Manager, Investoren, Wirtschaftsexperten und Professoren ebenso zu Wort kommen wie einfache Baumwoll-Pflücker, Obdachlose, den „Economic Hit Man“ John Perkins und den 2010 verstorbenen SPD-Globalisierungskritiker Hermann Scheer und entwirft somit ein erschreckendes Bild der weltweiten Finanz- und Wirtschaftspolitik, die im Wesentlichen darauf hinausläuft, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden und letztere sich zunehmend mehr auch in der Abhängigkeit von multinationalen Konzernen wiederfinden.

Der Film stützt die Thesen aus der einschlägigen Literatur wie „Die Globalisierungsfalle“ von Hans-Peter Martin und Harald Schumann (Rowohlt, 1998) oder „Global Brutal“, einer Abrechnung mit dem entfesselten Welthandel von Michael Chossudovsky (Zweitausendeins, 2002), die bereits prophetisch vor vielen Jahren vor den negativen Exzessen der Globalisierung warnten und die Mechanismen des deregulierten Finanzwesens dokumentieren, die regelmäßig nach dem gleichen Muster ablaufen: Ein verschuldetes Dritte-Welt-Land ersucht um Finanzhilfe beim Internationalen Währungsfonds oder der Weltbank, bekommt von diesen die Bedingungen für die Kreditvergabe diktiert (Öffnung der Märkte, Steuerfreiheit für Investoren etc.), damit werden ideale Voraussetzungen für internationale Investoren geschaffen, die vor Ort billige Arbeitskräfte vorfinden, welche aufgrund der mangelnden Steuereinnahmen ihres darbenden Staates keine Chance auf Verbesserung ihrer Lebensumstände haben, während gleichzeitig die Gewinne aus dem Investment (in der Regel Rohstoff-Ausbeutung) auf den Konten des Investors privatisiert werden.
Ein eigenes Kapitel widmet sich der spanischen Immobilien-Krise, verursacht durch zinsgünstige Investitionen sind das Resultat der Spekulationsgeschäfte in Spanien zigtausende von leerstehenden Gebäuden, einige wenige Banken und der Bau- und Immobiliensektor profitierten vom Bauboom, während aktuell der spanische Staat für die Instandhaltung der ungenutzten Immobilien aufkommt – bei gleichzeitig steigender Arbeitslosigkeit und verminderten Steuereinnahmen.
Absolut sehenswert und sprachlos machend ist die Schilderung John Perkins‘ über seinen ehemaligen Job als „Economic Hit Man“. Perkins erläutert seine Aufgabe als Wirtschaftskiller. Seine Aufgabe bestand darin, Entwicklungsländer zu stark überdimensionierten Infrastruktur-Maßnahmen zu bewegen, verbunden mit Großkrediten von und Auftragsvergaben an amerikanische Investoren. Drohten diese Kredite zu platzen, kam die amerikanische Regierung in Verbindung mit Finanzdienstleistern ins Spiel und versuchte, die Wirtschaft der betreffenden Länder in ihrem Sinne zu manipulieren und zu übernehmen. John Perkins zieht eine erschreckende, absolut plausible Linie von wirtschaftlicher Einflussnahme über politischen Mord bis zu militärischen Interventionen als fixe Programmpunkte US-amerikanischer Wirtschafts- und Geo-Politik.

Der Film wurde 2009 mit dem Deutschen Dokumentarfilm-Preis ausgezeichnet, die darin geschilderten Praktiken der Finanzmarkt-Teilnehmer haben fatalerweise ihren Ausfluss in der nach wie vor anhaltenden Euro-Krise gefunden, deren destruktive Eigendynamik der Politik noch viele Jahre Kopfzerbrechen bereiten wird.

„Wagenhofer entwirft in aller Ruhe, umso erschreckender, die Feinzeichnung der Hintergründe des nun drohenden Wirtschaftskollaps – und positioniert seinen Film als deutliches Plädoyer für die Regulierung der Finanzindustrie.“
(Stefan Grissemann, Profil)

Let’s Make Money / Homepage

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6 Kommentare

  1. Beide Filme absolut sehenswert und mit Gänsehautfaktor ! Danke, lieber Gerhard, für diesen Beitrag !!
    lieben Gruß – Karin
    PS: ebenso Alphabet – sein Film über den Bildungswahnsinn
    (98% aller Kinder kommen hochbegabt zur Welt. Nach der Schule sind es nur noch 2%)

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    1. Liebe Karin,
      „We Feed The World“ hab ich schon vor einiger Zeit gesehen, „Let’s make Money“ erst vor kurzem. Ein Pflichtfilm in diesen Tagen.
      Vielen Dank für den Hinweis auf den „Alphabet“-Film, den kenn ich noch nicht. Muss ich mich schlau machen… ;-)))
      Liebe Grüße,
      Gerhard

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      1. stimmt….diese Filme sind Pflicht…und die Frage, in welcher Welt leben wir eigentlich?…stellt sich danach noch extremer!
        Einen lieben Gruß – zumindest erwärmt die Sonne das Gemüt 😉 ! – Karin

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