Ryan Lee Crosby + Thisell @ Klienicum Hauskonzerte, Ampfing, 2015-03-16

Der Blogger Eike Klien verrichtet mit seinem Musik-Blog „Das Klienicum“ seit Jahren ein außergewöhnliches, erstklassiges Ehrenamt, reinschauen und vor allem auch -hören lohnt sich täglich, ich kenne ansonsten keine Seite, die in derart hoher Frequenz oft noch Unbekanntes, aber immer Hochinteressantes, meist gar Herausragendes aus der weiten Welt der Indie-, Experimental- und Folk-Musik vorstellt und zu Gehör bringt. Und der Musikliebhaber Eike Klien lädt sich ab und an begnadete Musiker ins traute Heim und organisiert zusammen mit seiner Frau Katrin und seinen Kindern tolle Hauskonzerte, so zum wiederholten Male geschehen am vergangenen Montag, und dankenswerter Weise hat er mich zu dieser wunderbaren Veranstaltung eingeladen. Wir kommunizieren bereits seit Jahren über die Blog-Kommentarfunktion und sind uns wohl auch beim ein oder anderen Münchner Konzert über den Weg gelaufen, aber Montag war dann endlich die längst überfällige Gelegenheit für ein persönliches Kennenlernen.

Das musikalische Programm im Wohnzimmer des Hauses Klien eröffnete der junge amerikanische Folk-Blueser Ryan Lee Crosby. Der Mann aus Boston fühlt sich nach eigenen Worten dem folk-infizierten Delta Blues seiner großen Vorbilder Son House, Skip James und Robert Johnson verpflichtet, und mit dieser Ankündigung hat er den Mund weiß Gott nicht zu voll genommen. Das dankbare Publikum war sofort elektrisiert von Crosbys grandiosem Vortrag auf akustischer, Bottleneck- und zwölfsaitiger Gitarre sowie seinem gefühlvollen und einfühlsamen Gesang. Neben Neuinterpretationen von Stücken seiner Helden gab er Eigenkompositionen zum Besten, die qualitativ den alten Originalen des Delta Blues in nichts nach standen. Mit einer hervorragenden Version des Nico-Klassikers „Frozen Warnings“ im Zugabenteil entließ er das beeindruckte Publikum in die kurze Umbaupause und mir bleibt nur festzustellen, dass ich im konzertanten Bereich schon viel erlebt habe, mitnichten aber den Umstand, dass mit einem einzigen Auftritt der Mississippi-John-Hurt- und Velvet-Underground-Fan in Personalunion in mir in Verzückung geriet. Ein riesengroßes Lob an Ryan Lee Crosby, verbunden mit der Hoffnung, den schwer sympathischen Amerikaner bald wieder in unseren Breitengraden begrüßen zu dürfen.
(*****)

Ryan Lee Crosby / Homepage

Mit Peter Thisell und seinen beiden Mitstreitern betraten drei nicht minder sympathische junge Musiker aus Schweden die Bühne im Klien’schen Wohnzimmer und zeigten einmal mehr, dass im hohen Norden erstklassiger Folkrock zu verorten ist, Easy October haben unter anderem ebenfalls vor Kurzem Zeugnis davon in der Glockenbachwerkstatt abgelegt. Mit empathischem, wunderbar melancholischem Gesang begeisterte Thisell die Gäste und wurde dabei von seinen beiden Mitmusikern auf das Versierteste begleitet, der Mix aus Akustik Folk, LoFi-Beigaben und erstklassigem Songwriting begeisterte ebenso wie zuvor der Blues von Ryan Lee Crosby. Nach einer Pop-orientierten Folkrock-Nummer, einem Solo-Vortrag von Peter Thisell und einer herzergreifenden Coverversion eines Songs des großen Townes Van Zandt im Zugabenteil endete ein außergewöhnlicher und rundum gelungener Konzertabend.
Im Anschluss boten sich am Merch Gelegenheiten zum Eindecken mit musikalischen Preziosen und netten Gesprächen mit den vortragenden Künstlern.
(**** ½)

Thisell / Homepage

Von meiner Seite ein herzliches Dankeschön an Katrin und Eike für die Einladung, die tolle Organisation und Präsentation der beiden Konzerte, die köstliche Bewirtung und die herzliche Aufnahme in ihren Gemäuern! Ganz ganz großer Sport – ich komme sehr gerne wieder ;-)))
Vielen Dank auch an Mirca und Bernd für’s Begleiten, somit musste ich den weiten Ritt nach Ampfing (not Anzing, for those who know, hahaha ;-))) nicht alleine antreten…

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6 Kommentare

    1. Wie gesagt, Eike, ich habe zu danken !!
      Ich bin schon gespannt auf Deine Eindrücke, Du warst ja als Gastgeber noch wesentlich mehr involviert.
      Viele Grüße, spätestens bis zum Robyn-Hitchcock-Konzert,
      Gerhard

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