Attwenger @ Milla, München, 2015-03-26

du bist in wien
und do schtengan vier japaner
ana duad sie a weng
zu weit vieri lana
und daun foid der japaner
drüber über a glander
oba er foid nur an meter
des haast er wird ned zerschmettert

er duad si goa ned weh
und er locht und des is sche
für die weana eanarana
und für den japaner
(Attwenger, Japaner)

Vor vielen Jahren, als John Cale wieder einmal mit seinem unvergleichlichen Solo-Programm in unseren Gefilden unterwegs war, meinte ein BR-Redakteur im Zündfunk in seiner Konzertbesprechung, das wären diese speziellen Abende, nach denen man Tage lang nichts anderes mehr als John Cale hören wolle, so gefangen nehmend wäre der Vortrag gewesen.
Kann ich so 1:1 inhaltlich für jeden Attwenger-Auftritt übernehmen. Der Kulturforum-Gesundheitsminister warnt: Attwenger-Konzerte machen süchtig. Nebenwirkungen nicht nur nicht ausgeschlossen, sondern zwingend in Kauf zu nehmen.
Ich habe irgendwann die Übersicht verloren, aber die Anzahl meiner bisher besuchten Attwenger-Konzerte dürfte sich inzwischen irgendwo im niedrigen zweistelligen Bereich bewegen, und wie die vielen Male vorher hat sich auch beim jüngsten München-Auftritt das Gezappel in den Beinen, das groovende Mitwippen und das von einem Ohr zum anderen gezogene Grinsen von der ersten Minute an eingestellt beim hochenergetischen Vortrag von dene Attwenger.
Ein abgedroschener Begriff, aber ich kann es nicht anders formulieren: Was die beiden Herrschaften aus Oberösterreich im konzertanten Bereich auf der Bühne zelebrieren, ist ein singuläres Event.
Der auf der Basis der traditionellen Volksmusik des Alpenraums ausgebreitete Uptempo-Crossover-Dadaismus des Duos ist kaum in Worte zu fassen, man muss ihn erleben.
Hans-Peter Falkner ist der Jimi Hendrix der durch Pedal und elektronisches Sampling verzerrten steirischen Ziehharmonika und der permanent mit höchster Schlagzahl trommelnde sing-rappende Markus Binder, der mitunter auch an der Maultrommel brilliert, hätte auch gut als Rhythmus-Maschine das Licht dieser Welt erblicken können.
Den ersten Abend der beiden Attwenger-Auftritte im Milla zur Live-Präsentation ihrer neuen CD „Spot“ (2015, Trikont) habe ich leider wegen rechtzeitig-Karten-besorgen-verpennen versäumt, aber auch der Zusatzauftritt am vergangenen Donnerstag ließ keine Wünsche offen. Gegen Ende des Konzerts enterten zwei junge afrikanische Burschen die Bühne, bereicherten den Attwenger-Beat mit ihren sich wunderbar ins Bild fügenden Raps und sorgten so für eine schöne Ergänzung des Abends.
Wie heißt es so schön im Attwenger-Klassiker „Kaklakariada“: Wählen Sie die Nummer bitte neben Ihrer Landesflagge. In dem Fall: Ten Points Austria !!
(*****)

Attwenger / Homepage

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15 Kommentare

  1. In Linz faungts au. Gerappte Gstanzl Texte und musikalisch offen für alle Genres. Ich habe sie noch nicht live gesehen, mag jedoch die Musik und Texte, wie beim genialen Japaner-Song. Da fallen mir nur Kofelgschroa ein die der Volksmusik neues Leben eingehaucht haben.
    Genieße das Wochenende
    Stefan

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  2. Ahhh….da ist ja dein Bericht vom Konzert!! Toll, dass du im musikalischen Glückszustand warst – perfekt !!
    Der Text….hahahaaaaaaaaa….genial!!
    So soll es sein……….wünsch dir noch einen schönen Abend!
    Lieben Gruß – Karin

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    1. Ja, waren wieder ganz vorzüglich, die Musikanten von dene Attwenger !!!Danke, liebe Karin, Dir auch einen schönen Abend und ein schönes Wochenende!
      Bei uns geht es gleich österreichisch weiter, wir schauen uns die neue Haas-/Brenner-/Hader-Verfilmung im Kino an, wird bestimmt gut, Johannes Silberschneider und Roland Düringer sind ja auch dabei…. ;-)))))

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      1. Danke, Karin.
        Wenn Du die anderen Haas-Verfilmungen mit Josef Hader kennst (und magst): schau ihn Dir unbedingt an.
        War super, auch Tobias Moretti war sehr stark. Diese Brenner-Verfilmungen werden immer besser !!
        Liebe Grüße,
        Gerhard

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      2. Ja, kann ich Dir wirklich empfehlen.
        War tendenziell etwas düsterer als die ersten drei, aber absolut großes Kino.
        Hader ist eh über jeden Zweifel erhaben und Roland Düringer hat mich wieder mal ganz besonders gefreut, hab ihn länger nicht mehr gesehen.
        Liebe Grüße,
        Gerhard

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      3. Düringer hab ich leider nie live gesehen, aber in den Filmen (Hinterholz 8 etc.) fand ich ihn immer genial. Hader war Gottseidank schon öfter in München, ich hab ihn auch immer total genossen. Ich drück Dir ganz fest die Daumen, dass Du bald Zeit für einen Kinobesuch findest 😉
        Liebe Grüße,
        Gerhard

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