Reingehört (47)

GYBE

Godspeed You! Black Emperor – Asunder, Sweet and Other Distress (2015, Constellation)
Nach 3 Jahren die von mir lange ersehnte, neue Scheibe der kanadischen Postrock-Kultband aus Montreal, Quebec, um die Gründungsmitglieder Mauro Pezzente, Mike Moya und Efrim Menuck, letzterer dem geneigten Hörer auch vertraut als Bandleader seiner Combo Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra.
Mit knapp über vierzig Minuten die kürzeste Arbeit der Band seit ihrer herrlichen 1999er EP „Slow Riot for New Zero Kanada“ (Constellation).
Und bis dato ihr kompromisslosestes Werk. Wo der Hörer auf früheren Aufnahmen wie „Lift Your Skinny Fists Like Antennas to Heaven“ (2000, Constellation) oder „Yanqui U.X.O.“ (2002, Constellation) behutsam in den Postrock-/Experimental-Kosmos eingeführt wurde, geht es auf dem neuen Werk der Kanadier sofort und ohne Schnörkel an’s Eingemachte, das zehnminütige Eröffnungsstück „Peasantry Or ‚Light! Inside Of Light!'“ glänzt von der ersten Sekunde an mit Progressive-Rock-Härte, wie man es dieser Tage beispielsweise von der britischen Band Crippled Black Phoenix im Übermaß kennt, und auf Referenzen an das Frühwerk der englischen Metal-Pioniere Black Sabbath hinzuweisen sei hier auch ausdrücklich erlaubt. Nach einem kurzen, hymnischen Postrock-Aufbäumen verändert sich die Soundlandschaft und driftet für die nächsten fünfzehn Minuten via „Lambs‘ Breath“ und „Asunder, Sweet“ in Industrial-Drone und maschinelle Ambient-Klang-Collagen ab. Ein selbst für GY!BE-Verhältnisse steiniger, experimenteller Weg, an dessen Ende mit „Piss Crowns Are Trebled“ dann doch noch die ausgedehnte, glücklich machende, gitarrenlastige Postrock-Instrumental-Hymne wartet, die uns – so erhoffe ich es mir – in einigen Tagen beim Konzert beseelt, enthusiastisch, mit grenzdebilem Grinsen im Antlitz, in der Brandung des instrumentalen Sturms entrückt und katatonisch vor und zurück wippen lässt.
Die vier Stücke des neuen Albums wurden von Godspeed You! Black Emperor bereits seit 2012 in zahlreichen Konzerten unter dem Projektnamen „Behemoth“ live aufgeführt, guckst und hörst Du beispielsweise hier.
(**** ½)

Godspeed You! Black Emperor geben nach vielen Jahren endlich wieder ein Konzert in München, am 9. April im Freiheiz (20.00 Uhr, Rainer-Werner-Fassbinderplatz 1). Ich habe sie zuletzt 2001 gesehen, das Konzert war schlichtweg phantastisch. Das Vorprogramm des diesjährigen Auftritts wird die aus New York stammende Alternative-Rock-Musikerin Carla Bozulich bestreiten, die den Musikinteressierten durch ihre Neuinterpretation des Willie-Nelson-County-Klassikers „Red Headed Stranger“ (2003, DiCristina Stair Builders) und durch ihre Zusammenarbeit mit Marianne Faithfull, Marc Ribot und Mike Watt bekannt sein könnte.

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4 Kommentare

  1. die neue Platte find ich dann doch bislang mit Abstand die langweiligste der Band. Irgendwie wiederholen sie sich in schlecht. Live auch in kürze hier im Schweizerland. Die Reunion-Tour vor 2?3? Jahren jedenfalls war spitze.

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