Eine Kerze für Helmut Dietl

Eine Kerze für HELMUT DIETL

Der Münchner Schicki-Micki-Bussi-hier-und-Bussi-da-Bagage hat er gnadenlos und extremst humorig den Spiegel vorgehalten mit seinen Erfolgsserien „Kir Royal“ und „Monaco Franze“, dem Kino-Publikum war er vor allem durch seine Filme „Rossini“ und „Schtonk!“, der Persiflage über die vermeintlichen Hitler-Tagebücher, bekannt.
Sein absolutes Meisterwerk hat er bereits 1974 mit den „Münchener Geschichten“ abgeliefert, der Kult-Serie meiner Generation, Jahrzehnte vor HBO und „Breaking Bad“. Die Episoden um den liebenswerten Hallodri und Taugenichts Tscharlie Häusler, kongenial dargestellt vom jungen Günther Maria Halmer, spielte im Münchner Kleinbürgermilieu und thematisierte unter anderem – sozusagen zeitlos – die Gentrifizierung des Münchner Lehels. Während Jungschauspieler wie eben Halmer und die junge Michael May, Frithjof Vierock und Towje Kleiner ihren Durchbruch bei einem breiteren Publikum mit der Serie schafften und altgediente Mimen wie Ruth Drexel, Hans Brenner, Fritz Straßner oder der geniale Misanthropen-Darsteller Karl Obermayr in auf den Leib geschneiderten Ideal-Rollen glänzten, gab die große alte Dame des deutschen Theaters und Brecht-Darstellerin Therese Giehse eine ihrer letzten herausragenden Vorstellungen als Oma Häusler.
Die Episode „Der lange Weg nach Sacramento“, in der „Zorro“ Tscharlie mit seinen Freunden „Gringo“ und „Zapata“ durch den Münchner Fasching vagabundiert, zählt für mich neben Meisterwerken wie „The Good, The Bad and The Ugly“ oder „The Wild Bunch“ zu den Top Five der Westernklassiker ;-)))
Zuletzt arbeitete Helmut Dietl zusammen mit dem österreichischen Kabarettisten und Schauspieler Josef Hader an einem Drehbuch, unser Münchner Dietl und der Wahl-Wiener Hader, das wäre nochmal ein Kracher geworden, da bin ich mir sicher…
Am vergangenen Montag ist Helmut Dietl, nach „einer knappen Million gerauchter Zigaretten“ (O-Ton Dietl) an den Folgen seiner Lungenkrebs-Erkrankung im Alter von 70 Jahren in München verstorben.

Helmut Dietl / Wikipedia

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9 Kommentare

      1. Oder gestern gesehen: Schtonk. Ochsenknecht als Kujau: „Ich kann allem widerstehen. Nur nicht der Versuchung. Sie ist immer und überall“ 🙂 Prompt steht Götz George mit dem Geldkoffer vor der Tür. Da habe ich es dem Helmut Fischer sogar verziehen, dass er die Vroni groß gemacht hat 🙂

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      2. Du meinst Frau Ferres? Hatte mal nen Kollegen, der hat ab und an als Statist mitgespielt, der meinte, die wäre am Set total nett. Den „Oscar“ wird sie wohl trotzdem nie einsacken… ;-))

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      3. Ja, ich bin jetzt halt nur von ihren schauspielerischen Qualitäten ausgegangen…und die sind begrenzt. (Da gibt es das schöne Zitat über Katherine Hepburn, allerdings weiß ich nicht mehr von wem: „Sie zeigte das ganze Register ihrer Schauspielkunst. Von Ab bis B.“ – was aber fies ist, weil die war gut).

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