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„Sonst redeten wir nichts. Er stellte keine Fragen und ich stellte ihm auch keine. Er hörte Countrymusik. Bisher hatte ich nie englisch-sprachiges Radio gehört und fand, dass die Songs traurig klangen.“
(Benjamin Alire Sáenz, Alles beginnt und endet im Kentucky Club, Die Regeln meines Vaters)

Benjamin Alire Sáenz – Alles beginnt und endet im Kentucky Club (2014, Ripperger & Kremers Verlag)

Schöne Sammlung mit sieben Erzählungen des US-amerikanischen Lyrikers und Romanciers Benjamin Alire Sáenz aus Doña Ana County, New Mexico. Geographisch sind alle Short-Stories an der amerikanisch-mexikanischen Grenze angesiedelt, in der texanischen Stadt El Paso und dem vom mexikanischen Drogenkrieg gebeutelten Juárez, in dem seit 2007 der Konflikt zwischen dem Sinaloa- und dem Juárez-Kartell tobt, dem derzeit täglich im Durchschnitt sieben Menschen zum Opfer fallen. Besagter Kartell-Krieg wird in diversen Erzählungen am Rande thematisiert, ist aber immer nur Sinnbild des gefährlichen Lebens auf der mexikanischen Seite der Grenze, aber nie der zentrale Kern des Geschehens.
Auch thematisch behandeln die Geschichten durchgehend Grenzbereiche des Lebens wie exzessive Drogenerfahrungen, Leiden eines Opfers einer gewaltsamen Attacke, völlig zerrüttete Vater-Sohn-Beziehungen, gescheiterte Selbstmord-Versuche, gesellschaftliche, rassistisch bedingte Zerwürfnisse oder höchst komplexe, homosexuelle Beziehungskisten. Der Autor selbst bekannte sich im Übrigen im Alter von 54 Jahren zu seiner Homosexualität und gab in einem Interview an, dass ihm das Schreiben die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit diesem Aspekt seines Lebens bietet.

„Ich hatte meine Kommunion mit elf, war also etwa vier Jahre älter als die anderen Kinder. Nicht dass mir das groß was ausmachte. Aus mir würde sowieso nie ein guter Katholik werden, das hatte ich von Anfang an gewusst. Ich interessierte mich nicht für Gott, und ich glaube, dass er sich auch nicht für mich interessierte.“
(Benjamin Alire Sáenz, Alles beginnt und endet im Kentucky Club, Die Regeln meines Vaters)

Die Geschichten beginnen und enden zwar nicht samt und sonders im Kentucky Club, wie der Titel suggeriert, obwohl besagter Club in jeder Story seine Erwähnung findet, jene älteste Kaschemme in Juárez, in der Nähe des Rio Grande, in der – glaubt man dem Klappentext – bereits his Bobness Dylan, Frank Sinatra und Steve McQueen ihr Unwesen trieben und in der Marilyn Monroe ihre Scheidung von Arthur Miller feierte.

Sáenz, der in seinem strukturierten, glasklaren Schreibstil an den magischen Realismus des kolumbianischen Nobelpreisträgers Gabriel García Márquez erinnert, ist der erste amerikanische Latino, der 2013 den renommierten ‚PEN/Faulkner Book Award for Fiction‘ für diese Sammlung von Erzählungen erhielt.

(**** ½)

„Dann landete ich am Fluss – da, wo es alle hinzog, wo man sich besaufen oder bekiffen konnte, wo man ein Acht-Spur-Tonband einlegen und sich von Janis Joplin diese tollen Songs vorsingen lassen konnte, die zornig und traurig und rau und wunderschön waren. Der Schmerz von jemanden anderem klang immer schön. Wenn das Band zu Ende war, konnte man es rausnehmen und Abbey Road einlegen und immer wieder hören.“
(Benjamin Alire Sáenz, Alles beginnt und endet im Kentucky Club, Manchmal im Regen)

Very special Thanx an Birgit und Claudio von saetzeundschaetze.com !! ;-))

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