Reingehört (49)

Pops-Staples

Pops Staples – Don’t Lose This (2015, Anti)
Pops Staples, der im Dezember 2000 verstorbene Leader der legendären Gospel- und Soul-Formation The Staple Singers, hat vor seinem Gang in die ewigen Jagdgründe eine Sammlung unvollendeter Songs für sein geplantes letztes Album hinterlassen, die von seiner Tochter Mavis Staples, die auf dem vorliegenden Werk ab und an formvollendet den Lead-Gesang übernimmt, und Wilco-Chef Jeff Tweedy – unter Mithilfe von dessen Sohn Spencer an den Drums – behutsam bearbeitet und vollendet wurden und vor Kurzem beim verdienten Anti-Label erschienen sind.
Wo Tweedy seine Finger im Spiel hat, brennt in der Regel nichts an, und so kann man sich auch hier über eine äußerst gelungene Veröffentlichung von zehn Soul- und Blues-Perlen freuen, die die emotionale, durch ein langes Leben gegerbte Deep-Soul-Stimme Pops Staples‘ optimal in Szene setzen. Völlig entspannt, geerdet, auf das Wesentliche reduziert, getragen von feinem, von jeglicher Effekthascherei völlig befreitem Gitarrenspiel und nur dezent begleitet von Drums und Bass, entfaltet diese Stimme eine Kraft, eine Tiefe und ein Feuer, dass wohl selbst Eisbären zum Schwitzen bringen dürfte. Neben dem erwarteten Soul klingen wiederholt die Gospel-Wurzeln der Staple Singers auf das Allerangenehmste durch, und dass er das Blues-Handwerk ebenso perfekt beherrscht, beweist Staples mit einer Interpretation von „Nobody’s Fault But Mine“, jener Led-Zep-Nummer vom doch eher durchwachsenen „Presence“-Album (1976, Swan Song), dass die britischen Blues-Rock-Monster vom guten alten Blind Willie Johnson geklaut haben dürften, aber das ist eine andere Geschichte…
Hinsichtlich Coverversionen begeistert das reife Werk zum Ausklang des weiteren mit einer gelungenen Adaption des Country-Klassikers „Will The Circle Be Unbroken“ und einer neuen Fassung der Dylan-Nummer „Gotta Serve Somebody“ aus der „Wiedergeborener-Christ“-Phase des Bob, die im Original nie so recht überzeugen konnte, die aber hier in einer absolut gelungenen, relaxten Soulfassung auf das Wunderbarste funktioniert, ein nicht genug zu preisendes Album zum Abschluss bringt und beispielsweise auch vom großen Country-Barden Townes Van Zandt oder unserem Wahl-Sendlinger Georg Ringsgwandl in einer bayerischen Version („Nix mitnehma“, 1989, Trulla! Trulla!, Trikont) kongenial umgesetzt wurde.
„Don’t Lose This“ – ein wunderschönes Abschiedsgeschenk eines grandiosen Musikers und eine Platte, die sich einreiht in die großen Alterswerke von Künstlern wie Johnny Cash, Guy Clark oder Solomon Burke und eine der Scheiben, die Van Morrison seit ungefähr fünfzehn Jahren um’s Verrecken nicht mehr hinkriegt…
(***** ½)

Advertisements

6 Kommentare

  1. Hier passt alles zusammen und dazu diese relaxte groovige Stimmung. Klasse Gerhard von Dir geschrieben. Roebuk „Pops Staples“ war über 60 Jahre Oberhaupt der Staples Singers. Und dieses Alters- und Abschiedswerk ist mehr als würdig. Manchmal braucht es jemanden von außen wie hier Jeff Tweedy, wie im letzten Jahr Damon Albarn bei Bobby Womack oder früher Prince bei Mavis Staples und andere mehr.
    Auf ein schönes stimmiges Wochenende
    Stefan

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s