A Forest + Lost Name @ Glockenbachwerkstatt, München, 2015-04-16

Bevor’s ans Konzertbesprechungs-Blabla geht: herzlichen Dank vorab an Eike vom Klienicum-Blog für den Gästelisten-Platz! Highly appreciated.

„lost name is a project located everywhere, existing forever and never ending….“

„LOST NAME ist ein Mann, eine Gitarre, ein Loopgerät. Lost Name ist ein klassisch ausgebildeter Musiker, der auf der Bühne al…les vergisst, das Publikum, den Raum, sich selbst, seinen Namen. Es entstehen Klänge, es entsteht Musik, die einem direkt hinter die Rippen greift. Die Art und Weise, wie Lost Name seine Gitarre spielt und seinen Kopf auf den Korpus legt, reicht zu sehen, wie ernst es Lost Name ist, wenn er sich vergisst.
Lost Name sitzt auf einem Stuhl und spielt seine Gitarre, spielt Schicht über Schicht, türmt sie in Loops aufeinander, bis sie da stehen wie eine Wand. Und wenn er singt, dann nie ohne Grund, nie ohne Wut oder Schmerz oder Lust. Lost Name macht Folk oder Indie, verbindet klassische Gitarrenläufe mit experimentellem Antifolk und verdichtet Geräusche, bis ein Gefühl hörbar wird.“
(Lost Name / Facebook)

Wer hätte beim beseelten Vortrag dieses mit großem Talent gesegneten jungen Mannes, der seit einiger Zeit im schönen München ansässig ist, nicht an Indie-Folk-Größen wie John Darnielle / The Mountain Goats oder Conor Oberst gedacht? Ich nicht. Dafür war Lost Name schlichtweg viel zu gut, als dass er sich mit diesen sich auf ihren Lorbeeren ausruhenden Ami-Musikanten vergleichen lassen müsste ;-)) Mein voller Ernst, lange hat mich ein mir vorab unbekannter Künstler nicht mehr derart „dant“ gepackt. Eine astreine Singstimme, schreiend, fordernd, klagend, anprangernd, und das begnadete Gitarrenspiel, das passend zum Gesang alle Spielarten von Uptempo bis filigran beinhaltete, beides angereichert durch eingespielte Loops und dezent platzierte elektronische Spielereien rundeten den hochspannenden konzertanten Indie-Experimental-Folk-Vortrag der One-Man-Band Lost Name ab und versetzten die wohlwollenden Zuhörer von der ersten Minute an in Verzückung. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, von diesem jungen Ausnahmemusiker bald wieder zu hören und zu sehen. Hut ab !
P.S. hab grade auf der Gesichtsbuchseite von Lost Name gelesen, dass Andi Langhammer, wie der Musiker in the real world heißt, sein Genre Post-Singer-Songwriter nennt. Nachdem ich in diesem Blog eh ständig irgendwas von Post-Rock fasle, passt das doch wie A**** auf Eimer ;-)))
(*****)

Lost Name / Bandcamp

Betörend ging es weiter mit dem Hauptact des Abend, dem Berliner/Leipziger Trio A Forest, die drei Herren Arpen, Fabian Schuetze und Friedemann Pruss begeisterten Ohr und Tanzbein mit ihrer sehr eigenen Spielart des Electronic Soul, zur näheren Erläuterung wollen wir die Band aus ihrer Homepage zitieren / zu Wort kommen lassen: „Die ungewöhnliche Besetzung aus 2 männlichen Stimmen, Schlagzeug, Synthesizern und Samples, die Einflüsse aus Electronica, Kammerpop, Singer-Songwriter, altem Soul und Minimal Techno, Songs wie alte Gemälde, das elegante Erzählen von Geschichten: A Forest schaffen einen vollkommen eigenen Entwurf von Pop.“ Das kann man ohne Abstriche so stehen lassen, die faszinierenden Arrangements, diese gleichzeitig getragene und gleichermaßen hochenergetische und spannende Mixtur sucht ihresgleichen. Würde Kurt Wagner nicht permanent beim John-Deere-Landmaschinenvertreter abhängen und stattdessen ab und an einen Club von innen sehen, er wäre begeistert ob seiner partiellen stimmlichen Verwandtschaft zu A-Forest-Sänger Fabian Schuetze und der Live-Präsentation des aktuellen Longplayers „Grace“ (Iamaforest / Analogsoul / Broken Silence) der ostdeutschen Band.
(**** ½)

A Forest / Homepage

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9 Kommentare

  1. Lieber Gerhard,
    Glückwunsch zum Sieg. Es bleibt spannend vermutlich bis zum Ende.
    A Forest kannte ich nicht, gefallen mir gut. Im Moment sind die elektronisch beeinflussten Mischstile ziemlich populär. Und ein Extra-Like für den Artikel, der wieder lebendig und launig geschrieben ist.
    Genieße den Samstag
    Stefan

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    1. Lieber Stefan,
      vielen Dank für Deine netten Worte.
      Die Elektronik spielt in der Tat eine immer größere Rolle in der populären Musik, aber manchmal passt das wirklich hervorragend.
      Der Löwensieg: Bitter nötig, würde ich sagen, zumal alle anderen Konkurrenten auch gewonnen haben. Nichtsdestotrotz sehr glücklich, und ein Tor vom Hain ist mit Dusel schon nicht mehr zu erklären, das hat schon die Dimension von Marien-Erscheinungen…;-)))
      Für den HSV wird es langsam eng…
      Liebe Grüße + einen schönen Sonntagabend,
      Gerhard

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      1. Lieber Gerhard,
        die hast Du Dir verdient. Gerade in England gibt es viele interessante Projekte.
        Zum Fußball: Bruno wurde bereits als Nachfolger von Slomka angefragt. Doch da hatte man nur Tuchel im Kopf. Nach Zinnbauers Zeit wurde Bruno wieder angefragt. Doch es tuchelte weiter. Diese Führung hat so viele Fehler gemacht. Ich sag es ungern. Wenn es ein Gebot für Fairness gibt, dann muss Hamburg absteigen. Denn sie missachten die Grundwerte des Fußballs.
        Liebe Grüße
        Stefan

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      2. Lieber Stefan,
        harte Worte über den HSV, aber ehrlich gesagt wären sie letztes Jahr in der Relegation schon fällig gewesen, wenn die Fürther auch nur einen halbwegs fähigen Stürmer in ihren Reihen gehabt hätten.
        Wenn Missachtung der Grundwerte im Fußball das Kriterium ist, dann sind die Löwen auch fällig, um nicht zu sagen überfällig…. und das sag ich tatsächlich nur ungern, aber es ist nicht zu leugnen.
        Liebe Grüße,
        Gerhard

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      3. Lieber Gerhard,
        man ist es irgendwann leid, wenn und wie sich so eine Mannschaft durchwurschtelt. In Hamburg sind es besonders die Altlasten die den Verein belasten. Und Fussballerisch mit 16 Toren in 29 Spielen sagt alles.
        Es gibt zwar keinen kontrollierten Abstieg. Aber dafür die Chance auf einen Neubeginn. Und de braucht es hier dringend.
        Liebe Grüße
        Stefan

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      4. Lieber Stefan,
        da können wir uns die Hand geben. Einen geordneten Neubeginn braucht es bei 1860 schon seit Jahren, egal ob Abstieg oder nicht.
        Anyway, das Drama geht weiter…
        Liebe Grüße + einen guten Wochenstart,
        Gerhard

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