Reingehört (51)

KULTURFORUM REINGEHÖRT 51

The Soft Moon – Deeper (2015, Captured Tracks)
Der dritte Longplayer von The Soft Moon aus Oakland, Kalifornien, der Neo-Post-Punk-Band um den Bandleader, Sänger und Gitarristen Luis Vasquez, erweitert das Spektrum der Combo um Space-Psychedelic und Synthie-New-Wave im Stile düsterer Depeche Mode, kommt aber leider auch hier nicht aus der Achtziger-Jahre-Retro-Falle, in der sie bereits seit ihren beiden Vorgänger-Alben „The Soft Moon“ (2010) und „Zeros“ (2012, beide Captured Tracks) festhängen. Ich habe durchaus ein Faible für diesen Joy-Division-beeinflussten Sound, aber wie beim Konzert im Dezember 2012 im Münchner Orangehouse verblasst auch auf der neuen Scheibe der faszinierende Charme dieser hochenergetischen Düsternis recht schnell und wird im weiteren Verlauf monoton-urfad, wobei ich Vasquez‘ Gespür für alptraumhafte Soundlandschaften grundsätzlich zu schätzen weiß. Der Blick nach vorne würde dem Sound von Soft Moon in der Tat nicht schaden…
(*** ½)

The Stones – Three Blind Mice (2015, Flying Nun)
Eine der ersten Flying-Nun-Bands from Kiwi-Land, die den sogenannten Dunedin Sound durch die „Dunedin Double EP“ (1982, Flying Nun) prägten, die sie 1982 zusammen mit den bekannteren Neuseeland-Bands The Sneaky Feelings, The Verlains und The Chills einspielten. Gepuscht durch die Fachpresse, allen voran die Indie-Soziologen-Postille Spex, war der Stoff vom Flying-Nun-Label Ende der Achtziger auch hierzulande kurzfristig der ganz heiße Sch***, und das völlig zu Recht, gab es doch tatsächlich zahlreiche Gitarrenpop-Preziosen im fernen Neuseeland zu entdecken. Die Stones, deren Bandnamen ich für einen der gewagtesten in der Pophistorie halte, lösten sich bereits 1983 wieder auf, Wayne Elsey heuerte bei den Douplehappys an und verunglückte 1985 bei einem Unfall tödlich.
Die vorliegende Scheibe versammelt alle Singles der Band, das Material der erwähnten EP sowie diverse Live-Aufnahmen, die das Talent der kurzlebigen Combo für den Mix aus Schrammel-Pop, Garagen-Trash und Velvet-Underground-Denkmalspflege, wie er nur von dort unten kommen konnte, auf’s Vortrefflichste dokumentieren.
(**** ½)

Seasick Steve – Sonic Soul Surfer (2015, Caroline)
Grundsolider Blues vom erstaunlich jugendlich abrockenden, inzwischen 74-jährigen Seasick Steve, der auf dieser Scheibe in seinen besten Momenten an die inzwischen gut abgehangenen Bluesrock-Hämmer eines Captain Beefheart aus Safe-As-Milk-Zeiten erinnert. Der Mann mit den selbstgebauten Gitarren wird unter anderem unterstützt von Luther Dickinson von den Mississippi All Stars, der bei diversen Stücken an der Slidegitarre glänzt. Wer Seasick-Steve-Platten kennt, ahnt auch bei ‚Sonic Soul Surfer‘, was den Hörer erwartet: Jam-artige Blues-Grundmuster mit exzellenten Gitarrenlicks, die sich an der ein oder anderen Stelle gerne mit den Trance-Blues-Wunderwerken eines Otis Taylor messen lassen dürfen.
(**** ½)

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