Terakaft @ Milla, München, 2015-05-03

Nachdem das Wetter vergangenen Sonntag mitunter an Arche-Bauen denken lies und zu meinem besonderen Verdruss und um das Maß voll zu machen am Nachmittag die Münchner „Löwen“ jeglichen Biss vermissen ließen und partout keinen Bock mehr auf zweite Liga zeigten, war mir der „Tatort“ zur Erbauung dann doch keine sichere Option und so musste schon ein musikalischer Leckerbissen her, um mir die Laune etwas aufzuhellen, dankenswerter Weise waren am Sonntag die Tuareg-Blueser Terakaft aus Mali zur Releaseshow ihrer neuen CD im Milla am Start und das bedeutete in meinem Fall: nix wie hin!

Terakaft bedeutet in der Tuareg-Sprache Tamashek „Karawane“, in vielen nordafrikanischen Ländern werden die Tuareg als Rebellen diskriminiert, wie aus den Medien bekannt, ist in Mali die Lage derzeit politisch extrem angespannt, und so leben einige Bandmitglieder von Terakaft im südalgerischen Exil bzw. in Paris. Der Desert-Blues nimmt so die extrem wichtige Funktion als Sprachrohr und Mittel zum Überleben ein, ähnlich wie seinerzeit bei den schwarzen amerikanischen Sklaven im neunzehnten Jahrhundert.

Das neue Album des Quartetts, „Ténéré“, wird am 11. Mai beim Münchner Label „Outhere Records“ des vom B2-Zündfunk bekannten Musikjournalisten Jay Rutledge erscheinen, das Label hat sich auf afrikanische Rockmusik spezialisiert – und aufgrund dessen, was die Combo am Sonntagabend auf die Bühne zauberte, darf man auf die Veröffentlichung mehr als gespannt sein.
Die Band, neben den ebenfalls aus Mali stammenden Formationen Tamikrest und Tinariwen oder Mdou Moctar aus dem Niger wohl die bekanntesten Vertreter ihres Fachs, verzauberte die zahlreich erschienenen Besucher quasi von Minute Eins an mit ihrem direkt zupackenden Gitarrensound, der neben den typischen arabisch-/afrikanischen Grooves Parallelen zu John Lee Hooker, J.J. Cale und rohem amerikanischen Country Blues erkennen lies, und versetzte das Volk in Kombination mit tranceartigen Rhythmen in ein verzücktes Wogen. Auch hinsichtlich Konzertdauer von über 2 Stunden gab es für den geneigten Hörer wahrlich nix zu maulen so nahm dieser für mich partiell recht unseelige Tag dann doch noch ein versöhnliches Ende.
Frage mich nur, wer mich kommenden Freitag nach der dann anstehenden Auswärtsklatsche für die „Löwen“ beim FSV Frankfurt wieder aufrichtet, die Messlatte liegt seit vergangenem Sonntagabend hoch…
(**** ½ – *****)

Terakaft / Homepage
Outhere Records / Homepage

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12 Kommentare

  1. Auf jeden Fall gehört Afrikanische Musik in jede musikalische Hausapotheke, wie hier Terakaft. Das ist schön zusammen gefasst und mit der Playlists optimal. Für den Freitag drücke ich die Daumen. Ansonsten bleibt die Vorfreude auf Lydia Lunch, Robert Plant und Patti Smith 🙂
    Hier kamen einige Liter an Regen herunter. Hab‘ einen schönen frühlingshaften Abend
    Stefan

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    1. Stefan, unbedingt, Afrika darf man auf der musikalischen Landkarte auf keinen Fall links liegen lassen.
      Lydia Lunch muss ich mir noch überlegen, hab sie schon öfter gesehen, werde ich wohl spontan entscheiden, für die Musik muss man aufgelegt sein. Für Patti Smith haben wir schon Tickets, hab sie auch schon öfter gesehen und wollte dieses Mal eigentlich nicht hin, aber der Klassiker „Horses“ feiert 40jähriges und wird komplett aufgeführt, da darf man dann doch nicht passen. Robert Plant würde ich mir gerne ansehen, aber der spielt hier in München blöderweise in einer total üblen Halle und da muss ich dann doch noch mal sehr in mich gehen, ob ich die Kröten locker mache, musikalisch wär’s sicher ein toller Abend, mal sehen.
      Viele Grüße und einen schönen Abend,
      Gerhard

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      1. Oh, das verstehe ich, Gerhard. Ich glaube Chuck Prophet stand auch auf Deiner Liste. Das ist auch schon lange her…
        Vor allem ist die Bandbreite in der Musik aus Afrika so groß und es freut mich, dass z.B. über Frankreich oder England mehr Gruppen nach Europa kommen. Das ist eine absolute Bereicherung.
        Hab‘ Du auch einen relaxten Abend
        Stefan

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      2. Chuck Prophet wär auch mal wieder was, zumal er sich beim letzten Mal im Milla pudelwohl fühlte (und wir uns mit ihm ;-))…mal sehen, ob das klappt. Im Mai ist mir eine Spur zu viel los in München hinsichtlich Konzerten, da fällt die Auswahl schwer.
        Frankreich ist eine gute Quelle für afrikanische Musik, ich hatte mal einen Kollegen aus dem Senegal, der hat über seine Pariser Verwandtschaft immer tolles Zeug an Land gezogen. Abgesehen davon, dass er eine Seele von Mensch war, geht mir das richtiggehend ab… ;-)))
        Liebe Grüße,
        Gerhard

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      3. Frankreich war viele Jahre das Exil für Afrikanische Künstler wie Salif Keita, Yousson N´Dour, Hugh Masakela u.a. Leider hatte ich keinen Kollegen aus dem Senegal. Dafür einen aus Frankreich und der hat mich neben Französischer Musik sehr gut mit Musik aus Afrika über Frankreich versorgt. Und ich habe ihn im Gegenzug Deutsche Musik gegeben. Das waren schöne interkulturelle Zeiten und wunderbare Gespräche.
        Für Chuck Prophet drücke ich Dir die Daumen 🙂
        Liebe Grüße und Dir für morgen einen guten Start
        Stefan

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      4. Na schau, da hattest Du ja auch Deine Quellen ;-))) Ich konnte meinen Kollegen damals mit Neil Young infiltrieren, ansonsten hatte er mit traditioneller Rockmusik eher weniger am Hut, dafür war ein ganz großer Bebop-Experte.
        Dir auch einen guten Start in den Tag, hoffentlich hat sich in Hamburg die Lage wieder etwas beruhigt,
        viele Grüße,
        Gerhard

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      5. Das war kurz und heftig. Äste usw. flogen durch die Luft. Das hatte schon etwas von Hollywood…wenn die Welt untergeht 😉 Ich glaube der Fischmarkt stand kurz unter Wasser. Doch nach ca. 20 Minuten war es langsam wieder vorbei. In Mecklenburg, wie ich in den Nachrichten gesehen hatte, traf es schlimmer.
        Mein Kollege war ein großer Fan von Serge Gainsbourg. Element of Crime mochte er und hatten wir auch Live gesehen.
        Hier scheint für den Moment die Sonne. Doch der Regen soll noch kommen. Hab‘ einen ebenso angenehmen Tag in München
        Liebe Grüße
        Stefan

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      6. Genieße den Sonnenschein, München holt mal wieder die Schlauchboote raus ;-)))
        Mit Element Of Crime hast Du den Kollegen hinsichtlich deutscher Musik ganz anständig missioniert, würde ich sagen… 😉
        Liebe Grüße,
        Gerhard

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      7. Mit der „Hamburger Schule“ bin ich bei ihm gescheitert 🙂 Auch wenn mir nicht alles gefiel was er mitbrachte, es war ein schöne Zeit.
        Dann genieße Du bitte auch die Münchener Sonne…vielleicht im Schlauchboot 🙂
        Liebe Grüße
        Stefan

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