Eugene Ripper, Colleen Brown, Mat Deveux @ Substanz, München, 2015-05-07

Am vergangenen Donnerstag wäre eigentlich Altherren-Punkrock-Abend mit den Lurkers in der Glockenbachwerkstatt auf dem Terminzettel gestanden, aber der Sänger und Bassist der englischen Punk-Combo der ersten Stunde, Arturo Bassik, muss sich wegen einem Hüftschaden einer OP unterziehen und so fiel das Veteranentreffen kurzerhand aus – Altherren-Punk, wie gesagt…demnächst im Rollstuhl ;-))

Der Abend war terminlich freigeschaufelt, und so haben Musical Mastermind Anton und ich unsere auch nicht mehr taufrischen Knochen ins Lieblingswohnzimmer Substanz geschleppt, der Jürgen hatte dankenswerter Weise zur Abwechslung auch mal wieder eine Musikveranstaltung am Start, der Punk-Folk-Barde Eugene Ripper aus Toronto, Canada, war angekündigt und somit war das donnerstägliche Abendprogramm mehr als gerettet, wie sich im weiteren Verlauf desselbigen herausstellen sollte…

Die Veranstaltung wuchs sich zu einem wahren Kanadier-Gipfeltreffen aus, den bunten Reigen eröffnete der seit 25 Jahren in München ansässige und ebenfalls aus Toronto stammende Stand-Up-Comedian Mat Deveux aka Matt Devereux, der bereits des Öfteren das Substanz bespasste, und klärte in unnachahmlicher Weise auf über die Unterschiede bei deutschen und amerikanisch-kanadischen Strip-Shows und das völlig verschiedene Kommunikationsverhalten von Pornodarstellern in den jeweiligen Kulturkreisen. Ich persönlich empfand selbstredend folgendes als Highlight des Vortrags: „Nobody in Canada would leave the „be“ in Schweinsteiger, you know: Schweinbesteiger!! You would never find anything else than the Headline „Pig Fucker scores a Goal !!“ in English-speaking Newspapers!!“ Haha, Schenkelklopfer für einen erklärten Feind der Rotbauern wie mich, eh klar.

Den musikalischen Teil des Abends, den Mat Deveux weiterhin als kongenialer Einheizer und Moderator begleitete, eröffnete die liebreizende Colleen Brown aus Edmonton, Alberta, der Stadt, die vor allem durch seinen National-Hockey-League-Club Edmonton Oilers (remember Wayne Gretzky!) und – laut Aussage Colleens – durch seine grauenhaft kalten Tage und Nächte bekannt ist, welche man am Besten im stillen Kämmerlein beim Songschreiben zur Vermeidung der drohenden Depression verbringt. Dahingehend hat die gute Colleen Brown wohl alles richtig gemacht, ihr Vortrag aus rauhem Spiel auf der halbakustischen Gitarre und glasklarem, wunderschönem Folk-Gesang konnte die Herzen der Anwesenden wohlig erwärmen, die Auswahl an Eigenkomponiertem und einer Lucinda-Williams-Coverversion überzeugte rundum, wobei sich thematisch vieles um unglückliche Lieben drehte – der Stoff für die ganz großen Balladen halt.
(**** ½ – *****)

Colleen Brown / Homepage

Nach dem kurzen, intensiven und rundum gelungenen Auftritt der feschen Folk-/Roots-Könnerin Colleen Brown durfte Mat „The Funny Guy“ Deveux dann Eugene Ripper als Urgestein der kanadischen Punk-Szene ankündigen, der Mann war seit den frühen Achtzigern mit den Toronto-Punk-Größen „Stark Naked And The Fleshtones“ unterwegs, wandte sich aber irgendwann dem Country- und Folk-Genre zu, da ihm nach eigenen Worten die Möglichkeiten des Geschichtenerzählens im Punk zu eingeschränkt waren, und so zelebriert Ripper dieser Tage neben tatsächlich höchst unterhaltsamem „Storytelling“ eine perfekte Mischung aus Fast-Folk mit Punk-Einschlag, oder wie es eine kanadische Gazette einst recht treffend formulierte: „Ripper ist irgendwo zwischen John Prine, Johnny Cash, Joe Strummer und The Ramones angekommen“.
Im Zugabenteil wurde es dann um einiges beschaulicher, das Substanz hat hinsichtlich Lautstärke auch mal gerne Zirkus mit den Nachbarn, und so fand sich erneut die bezaubernde Colleen Brown auf der Bühne ein, um mit Eugene Ripper in Form von wunderbar-balladenhaften Versionen der Lou-Reed-Komposition „Pale Blue Eyes“ und einem Song namens „The Kids Are Alright“ einer „British Sixties-Folk-Band from the Area somewhere around Leeds“ den Abend zu einem würdigen Abschluss zu bringen.
Nicht nur, dass er den Velvets- und Who-Fan in mir mit diesem Abgang zutiefst zufriedenstellte, als der kanadische Charakterkopf im Anschluss an den konzertanten Vortrag noch jedem Besucher ein Exemplar seiner neuen Promo-CD „Fast Folk Underground 4.0“ in die Hand drückte, hab ich ihn endgültig in mein Herz geschlossen… ;-)))
(**** ½ – *****)

Eugene Ripper / Homepage

Substanz / Homepage

6 Kommentare

  1. Zwar kann ich selten was Intelligentes zu Deinen Konzertbesprechungen sagen, weil ich viel von der Musik nicht kenne – aber sie sind dennoch immer amüsant zu lesen. Schon breites Grinsen, wenn es auch gemein ist, diesmal beim Einstieg: Der ältere Punk muss sich wegen einem Hüftschaden einer OP unterziehen…:-)

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