Giant Sand @ Hansa39, München, 2015-05-17

Dreißigjähriges Bühnenjubiläum stand an bei der Desert-Rock-Institution Giant Sand aus Tucson, Arizona, und so hat Ober-Wüstenfuchs Howe Gelb ein exzellentes Line-Up für die ausgedehnte Tour zusammengestellt, um die Sause gebührend zu feiern. Eine klasse Idee hatte er auch bei der Gestaltung der Anniversary-Revue, indem er die einzelnen Bandmitglieder mit jeweils zwei Stücken aus dem eigenen Repertoire das Vorprogramm bestreiten lies, „Two Songs and then out“, wie es Drummer Gabriel Sullivan kurz und treffend kommentierte, unnötige Umbaupausen wurden so vermieden und so konnte sich der Hörer in den nächsten knapp drei Stunden auf eine höchst angenehme und belebende Tex-Mex-Alternative-Country-Desert-Rock-Reise begeben, die hinsichtlich Programm und Darbietung keine Wünsche offen ließ.
Maggie Bjorklund an der Pedal Steel eröffnete den bunten Reigen mit instrumentalem Slide-Drone, entfernt an Bill Elm ohne die restlichen Friends Of Dean Martinez erinnernd, ehe Brian Lopez, der bereits vor einigen Jahren den Abend des Big-Band-Projekts „Giant Giant Sand“ eröffnete und begleitete, einige Songs seiner neuen CD zum Besten gab, und nachdem mich auch The-Almost-Boheme-Freund K.ill mit den Worten „Ich dachte, dem Jeff Buckley haben sie schon vor Jahren die Schaufel draufgehauen“ begrüßte, mag ich die stimmlichen Parallelen auch langsam nachvollziehen, die Gérard Otremba vor kurzem bei seiner Besprechung der aktuellen Lopez-Scheibe „Static Noise“ zog.
Gabriel Sullivan glänzte mit düsteren Balladen ebendso als Songwriter wie die an dem Abend als Background-Sängerin fungierende, bezaubernde Lovely Quinces mit enthusiastischem Balladen-Vortrag, ehe Howe, der Meister himself, den Giant-Sand-Teil des Abends mit einer herrlichen, entspeckten, lakonischen Solo-Version der ausladenden Wüstenrock-Nummer „Yer Ropes“ vom vielleicht besten Album der Band, „Glum“ aus dem Jahr 1994, eröffnete.
Verstärkt durch den von der Skandinavier-Band The Desoto Caucus bekannten Bassisten Thøger Lund stellte die Band in Vollbesetzung für die nächsten knapp 2 Stunden ein Giant-Sand-Programm vom Feinsten auf die Bretter, kaum experimentelles Gefrickel, beseelte, typisch lakonische Balladen und ungewohnt viele Uptempo-Nummern zeigten Howe und Co. in absoluter Feierlaune, wobei die Präsentation des neuen Albums „Heartbreak Pass“ selbstverständlich nicht zu kurz kam. Eine Zäsur erfuhr der Spaß nur kurzzeitig durch die unvermeidlichen E-Piano-Ausflüge Howe Gelbs, das mitunter unsägliche American-Songbook-/Western-Swing-Geklimper, das zeitweilig in Helge Schneider zur Ehre gereichendem „Buddy-an-der-Weltraumorgel“-Gedudel gipfelte, musste überstanden werden, ehe es hochqualitativ mit feinstem Alternative-Gitarrenrock in einem grandiosen Finale mündete, in welchem die Band ein nahezu trashiges Feuerwerk zündete und unter anderem einige Stücke des „Valley Of Rain“-Debüts in bestechenden, temporeichen Versionen präsentierte. Wären nicht eh schon alle im proppevollen Hansa39 gestanden und hätten frenetisch applaudiert, würde ich sagen: Standing Ovations für das beste Giant-Sand-Konzert seit Äonen ;-))
(*****)

Ein Video über Gigi Meroni, mit Giant-Sand-Mucke unterlegt, schau einer an. Über den „Turiner Schmetterling“ war in der Dezember-Ausgabe des Fußballmagazins 11FREUNDE ein lesenswerter Artikel abgedruckt. Meroni war in den sechziger Jahren ein technisch starker Rechtsaußen, von 1964 bis 1967 spielte er für den FC Turin. Das Fußball-Idol war eines der größten italienischen Talente seiner Zeit. Nach einem Punkt-Spiel gegen Sampdoria Genua am 15. Oktober 1967 wurde Meroni beim Überqueren einer Straße von einem Auto angefahren und starb an den Verletzungen. Der Fahrer des Unglückswagens, der FC-Turin-Anhänger Attilio Romero, sollte später den Verein als Präsident leiten und diesen in den Ruin treiben. Ist ungefähr so, als hätte Karl-Heinz Wildmoser im Allianz-Arena-Wahn per Autounfall Peter Pacult in die ewigen Jagdgründe befördert.
In München ist der Fußball-Amateurverein „U.S. Gigi Meroni Itel 1970“ nach „La Farfalla Granata“ benannt.
Erstaunlich, was man in einem Giant-Sand-Post thematisch alles unterbringt…

Giant Sand / Homepage

16 Kommentare

  1. Giant Sand – großartig! Ich muss nur gestehen, dass ich kein bisschen Überblick besitze, was deren Diskografie anbelangt – das liegt wohl daran, dass die einfach irgendwie immer da waren. Und sind. Wie schön :)

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    1. Da musst Du Dir keine Gedanken machen, den Überblick über die Giant-Sand-Diskografie hat wahrscheinlich kein Mensch mehr, bei dem Output ist das auch kaum zu bewältigen, zuviel inzwischen Vergriffenes, Tour-Only-, Samplerbeiträge-, Howe-Gelb-Solo-, OP8- und was-weiß-ich-noch-alles-Zeug hat sich da die letzten 30 Jahre angesammelt…
      Danke für Dein Feedback + viele Grüße,
      Gerhard

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      1. Dann bin ich ja beruhigt :D Und herrlich, dass man beim Stöbern immer wieder was finden kann, wo man denkt „Ach, da war der Typ auch mit dabei“ und „Uuh, ist das alt – nie gehört“ Liebe Grüße, Sonja

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  2. Lieber Gerhard, sehr schön die Musik und wie immer sind deine ausführlichen Texte sehr interessant! Auch der 11 Freunde Bericht war lesenswert….was hier alles lerne und erfahre :-) !!! wow :-) !
    Lieben Gruß – Karin

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    1. Liebe Karin, herzlichen Dank für Dein nettes Feedback.
      Freut mich auch sehr, dass Du Dich für die Geschichte von Gigi Meroni interessiert hast, ich fand den Artikel aus 11FREUNDE auch sehr stark.
      Lieber Grüße nach Wien,
      Gerhard

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      1. Na, als Fußball-Fan/Mutter was weiß ich was noch :-D hüpft mich so ein Artikel gleich an, noch dazu wenn du den Peter Pacult auch noch ansprichst ;-)!
        Grüße bis nach München :-) – Karin

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      2. Wunderbar! Der Pacult ist natürlich ein großer Held von mir, der hat uns 1994 in Meppen in die Bundesliga zurückgeschossen und natürlich auch vorher im Grünwalder Stadion oft für Glücksmomente gesorgt. Hab ihn zu der Zeit ein paar Mal auf dem Trainingsgelände gesprochen, selten hatte bei 60 einer mehr Schmäh als er. War sehr traurig, als sie ihn damals als Trainer entlassen haben.
        Unvergessen ist selbstredend sein legendärer Auftritt als Rapid-Trainer:

        Liebe Grüße nach Wien und grüß mir den alten Floridsdorfer ! ;-)
        Gerhard

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      3. Wie genial und wem du aller kennst, ich staune …ich staune :-D !! „Unser“ Pacult…jaja er hat für euch ;-) und für uns viel erreicht (leider war sein Abgang nicht so toll…aber die Rapidler sind auch oft ganz schön schwierig)…und genial das Interview! hahaha…ein Wahnsinn diese Reporter!
        Wobei er ist schon 60ig?…hilfe – wohin eilt die Zeit nur!
        Floridsdorf grüßt München :-) – Karin

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      4. Ja, der Pacult hatte es mit den „schwierigen“ Vereinen, da war er bei Rapid und bei den Löwen ganz gut aufgehoben. 56 wir er im Oktober, hab gerade nachgeschaut. Für wen schlägt eigentlich Dein Herz? Vom Kult her waren mir die Rapidler eher immer näher, aber ich muss gestehen, die Austria mochte ich auch immer irgendwie, allein schon wegen dem „Schneckerl“ Prohaska, und die Nummer mit dem angesoffenen Löwen-Maskottchen vor kurzem hatte schon auch wieder an Schmäh ;-))
        Liebe Grüße,
        Gerhard

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      5. Rapid – eh klar ;-) !! Austria geht gar nicht..hahaha…wobei beim „Schneckerl“ wars egal, wo er spielt. Er ist und war genial!
        hahahaaaaa…und der Löwe machte blau…:-D !!! bestens !! das ging durch alle Medien!
        Mein dt. Herz schlägt natürlich für St.Pauli ;-) ! Aber es ist ja noch alles spannend bei euch-ich drück mit die Daumen…natürlich auch für die Löwen ;-) !
        Liebe Grüße – Karin

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      6. Irgendwie hab ich’s vermutet ;-))) Rapid is eh leiwand ! ;-)) Der Schneckerl ist bei Euch wahrscheinlich sowas wie der Beckenbauer hier, obwohl „a Roda“ (und damit per se Persona non grata ;-)))“, ist der irgendwie sakrosankt. Danke für’s Daumen drücken, vielleicht hilft’s was….
        Liebe Grüße,
        Gerhard

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