Reingehört (56)

REINGEHÖRT_2015_05

Leonard Cohen – Can’t Forget: A Souvenir Of The Grand Tour (2015, Sony)
Liedersammlung des mittlerweile achtzigjährigen Songwriter-Großmeisters aus Quebec, live mitgeschnitten während Soundchecks, Backstage- und Konzertauftritten im Rahmen seiner „Old Ideas World Tour 2012/2013“. Neben den beiden Coverversionen „La Manic“ (Georges Dor) und „Choices“ (George Jones) sowie den beiden neuen Stücken „Never Gave Nobody Trouble“ und „Got a Little Secret“ interpretiert Cohen alte Klassiker wie „Field Commander Cohen“, „I Can’t Forget“ und „Joan Of Arc“ einerseits in bekannt-bewährter Balladensänger-Chansonier-Manier, oft aber erweitert um beschwingte Country-Elemente und opulenten Background-Gesang. A New Skin For The Old Ceremony, sozusagen. Der neue Anstrich gefällt durchaus und so ist diese Veröffentlichung mitnichten überflüssig, für den geneigten Cohen-Hörer schon gar nicht.
(**** ½)

Robbie Basho – Art Of The Acoustic Steel String Guitar 6 and 12 (1979, Reissue 2014, Gnome Life)
Der aus Baltimore, Maryland, stammende Robbie Basho, 1986 bereits im Alter von 45 Jahren bei einem tragischen Unfall verstorben, erfährt im Bereich der Outsider-Musik ähnlich kultische Verehrung wie der seinerzeit mit ihm befreundete Gitarristen-Kollege John Fahey. Gemeinsam war ihnen das Interesse für indische Musik, Robbie Basho war wie The-Who-Mastermind Pete Townshend und dessen Spezi Ronnie Lane zudem Anhänger der Lehren des indischen Mystikers Meher Baba.
Weitere Einflüsse in Robbie Basho’s Kompositionen waren die iranische und japanische Musiktradition und die Klänge der Native Americans. Bashos Anliegen war es, die Stahlsaiten-Gitarre als klassisches Konzertinstrument salonfähig zu machen.
Mit der vorliegenden LP veröffentlicht das Gnome-Life-Label eines der Hauptwerke Robbie Bashos, auf dem er westliche, östliche und klassische Gitarrenmusik-Elemente in Einklang bringt und seinen meditativen und doch zutiefst virtuosen Vortragsstil meisterhaft perfektioniert. Ein Ausnahme-Musiker, für den es nie zu spät ist, entdeckt zu werden.
(*****)

And So I Watch You From Afar – Heirs (2015, Sargent House)
Vierter Longplayer des Quartetts aus Nordirland, die Musik der Jungs läuft unter Post Rock / Instrumental Rock / Math Rock und die Band deutet auf dem aktuellen Werk wiederholte Male an, als könnte sie sich nicht recht entscheiden, wo die Reise hingehen soll. Obwohl frei von jeglichem Keyboard- und Synthie-Geplätscher und stramm im Sound der Stromgitarren verhaftet, klingt das größtenteils instrumental gehaltene Album mitunter in bombastisch in Prog-Rock-Gefilde abdriftenden Passagen nach Saga für Arme, um wiederum an anderen Stellen die wahre Größe und Pracht des Post-Rocks aufscheinen zu lassen.
Lange bin ich armer Tor nicht mehr derart ratlos vor einem musikalischen Artefakt gestanden, aber warum soll’s mir anders gehen als der Iren-Combo beim Einspielen des Albums.
Am kommenden Samstag live im Münchner Ampere, hoffentlich mit eindeutigerer Tendenz.
(hin-und-hergerissene ** – *****)

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19 Kommentare

    1. Liebe Karin, LC ist ein ganz, ganz Großer, keine Frage. Schön, dass er immer noch Musik macht. Und vor allem qualitativ immer noch auf sehr hohem Niveau, manch anderer in der Altersklasse verwaltet ja nur noch seinen Ruhm. „Take This Waltz“ ist natürlich auch sensationell!!
      Liebe Grüße,
      Gerhard

      Gefällt 1 Person

  1. Von Leonard Cohen gab es das ganze Album zum Einhören als Stream…leider nicht mehr verfügbar. Dafür habe ich noch einen zweiten Song http://vevo.ly/kimEc0 „Never Gave Nobody Trouble“ gefunden. Den Stream gibt es vermutlich noch bei rdio und Spotify. Klappt nur mit Anmeldung.
    Mal abgesehen davon, ist er einer der großen Altmeister, dessen Musik und Lyrik fast wie ein Mantra klingt.
    Und was das Lob betrifft, so nimm es ruhig an 🙂 Das hast Du Dir verdient.
    Liebe Grüße aus dem sonnigen abendlichen Hamburg
    Stefan

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    1. Lieber Stefan,
      danke für den Link.
      Das mit Leonard Cohen sehe ich ähnlich, ein absoluter Großmeister. Ich muss mich auch mal wieder durch seine alten Alben arbeiten, das waren schon Meilensteine, v.a. „New Skin For The Old Ceremony“ und „Songs From A Room“.
      Mir ist es Lob genug, wenn ab und an eine Rückmeldung kommt und wer was mit den Beiträgen anfangen kann. Gegen die ein oder andere Kontroverse hätte ich auch mal nichts…;-))
      Genieße das gute Wetter, liebe Grüße,
      Gerhard

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      1. Lieber Gerhard,
        Leonard Cohen kommt bei mir, mit jahrelangen Unterbrechungen, immer wieder unter. Ich denke, es wird auch noch die eine und andere Box von ihm geben.
        Kontroversen werden sich auch noch ergeben 🙂
        Morgen soll es wenig Niederschlag geben bei Temperaturen bis 18, 19 Grad.
        Mir hat es heute gereicht, da ich mittags mitten in den Regen kam 😉
        Genieße den Rest vom Abend.
        Liebe Grüße
        Stefan

        Gefällt 1 Person

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