Viech, Human Abfall, The King Of Cons, Twerps @ Theatron Pfingstfestival, München, 2015-05-24

PFINGSTTHEATRON München 2015-05-24 TWERPS (13)

Das Jugendkulturwerk der Stadt München veranstaltete in diesem Jahr zum fünfzehnten Mal das Theatron Pfingstfestival auf dem Münchner Olympiagelände, bei größtenteils passablem Wetter traten an drei Tagen Nachwuchs-Künstler und -Bands aus aller Herren Länder vor den gut gefüllten Rängen der Freiluftbühne neben der Olympia-Schwimmhalle auf. Das Festival wird in Zusammenarbeit mit Queerbeat, Moskitoevent, dem Kulturreferat/Technik, der Olympiapark GmbH und CybeGraphics Webdesign ausgerichtet und von Thomas Lechner und seinen Mitarbeitern vom Konzertveranstalter Queerbeat in ausladender Form moderiert.

Ich bin erst am zweiten Festivaltag eingestiegen, darum stelle ich hier zur Einleitung kurz alle Acts vor, die ich gerne gesehen hätte, aber zwecks anderweitiger Termine/Verpflichtungen versäumte:

M185 aus Wien – Hätten neben diversen anderen Bands am Samstag gespielt. Scheppernder, vielversprechender Indie-Rock aus der österreichischen Hauptstadt. Die nächsten Strokes?

Am Sonntag eröffnete Mark Hamilton aka Woodpigeon den Festival-Tag. Den hätte ich nicht nur gerne gesehen, weil er von meiner Bekannten Mirca und ihrer Konzertagentur [Fwd: like waves] promotet wird, auch wegen seinem beseelten Songwriter-Folk wäre mir der Mann aus Toronto/Kanada voll reingelaufen, allein, ich musste den Löwen beim Abschenken im Karlsruher Wildpark zusehen und hinzittern, dass Aue nicht noch eine Bude zum endgültigen 1860-Abstieg versenkt. Wie es der Zufall wollte, sollte ich den kanadischen Hünen Tags darauf dann doch noch für einen kurzen Auftritt auf einer Münchner Bühne sehen, aber davon später mehr.

Montags ging mir wegen Terminüberschneidungen der Schweizer Klaus Johann Grobe mit seinem nervös-monotonen Orgel-Indie-Pop durch die Lappen:

Mit den letzten Stücken der Grazer Power-Pop-Combo Viech bin ich dann ins Geschehen eingestiegen, das Vernommene war mir an der ein oder anderen Stelle zu sehr in gefährlicher Hubert-von-Goisern-Nähe, die Gesellschaft auf den Rängen war allerdings recht animiert und fand’s leiwand. Kumpel Oliver, der beim Konzert als Zuhörer über die volle Distanz ging, meinte auch, dass das was taugte und so will ich schweigen und nicht weiter rummotzen.

Mächtig Eindruck hinterlassen haben dann Human Abfall, eine Deutsch-Punk-Combo aus Stuttgart mit ihrem Working-Class-Ansatz, ihrer Clash-orientierten-Gitarrenrhythmik und ihrer faszinierenden Textmixtur aus linkem Agit-Prop und monoton-repetitivem, literarischem Dadaismus.
In der Gesamtheit erinnerte dies angenehm an Punker-Mucke aus deutschen Landen der ersten Stunde im Stil von S.Y.P.H., Mittagspause und Monarchie-und-Alltag-Fehlfarben.
Mit Flávio Bacon hat die Band einen Agitator an vorderster Front in ihren Reihen, der durch seinen zornigen Vortrag weit über die Grenzen der Rolle des herkömmlichen Sängers hinausgeht und vehement an idealtypische Schauspiel-Kunst im Sinne des Brecht’schen epischen Theaters erinnert.

An allen drei Tagen gab der Münchner Franko van Lankeren aka The King Of Cons nach eigenen Worten den Pausenclown, was aufgrund der Güte seiner feinen Folksongs geradezu despektierlich anmutet. Auf der Wanderklampfe zelebrierte der König der Betrüger feinstes Gitarrenpicking nebst Bluesharp-Gebläse zur Begleitung seiner ansprechenden Songwriter-Balladen. Bob „Der Meister“ Dylan feierte am Sonntag sein 74. Wiegenfest und so passte der Vortrag des jungen Münchners ganz wunderbar zum Geburtstag der Songwriter-Legende.

Im Anschluss stand die Combo mit der bis dato weitesten Anreise der fünfzehnjährigen Theatron-Historie auf der Bühne, die Twerps aus dem australischen Melbourne verzückten das Publikum mit ihren Indie-Gitarrenpop-lastigen Reminiszenzen an die Frühphase ihrer Landsfrauen und -männer von den Go-Betweens sowie an neuseeländische Bands des legendären Flying-Nun-Labels wie The Chills, die Bird Nest Roys, The Sneaky Feelings oder The Clean. Manch einer mag im Zusammenspiel der jungen Australier eine Weiterentwicklung zu den prominenten Vorbildern hören, da gehe ich nur äußerst bedingt mit, enormen Spaß hat diese Spielart des Achtziger-Retro-Sounds allemal gemacht.

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19 Kommentare

    1. Das Wort „leiwand“ verwendet der Österreicher und speziell der Wiener, wenn er was super findet. Man könnte auch sagen „Großes Kino“, was auch insofern passt, weil „leiwand“ von „Leinwand“ kommt, von der Ableitung sind sich die Sprachforscher aber glaub ich nicht ganz sicher, die einen meinen, es taugt als Synonym für „super“, weil Leinwand ein teurer und wertvoller Stoff war/ist, die anderen tippen auf die Anfangszeit des Kinos (Kino -> Leinwand -> tolle Sache !)
      Vielleicht liest die Karin den Kommentar und kann als Wien-Expertin ergänzen/weiterhelfen/korrigieren – wär leiwand 😉
      Viele Grüße,
      Gerhard

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      1. Ich wundere mich ehrlich gesagt etwas, dass Dir das bisher nicht unterkam. Kommt eigentlich ständig vor im österreichischen Kulturbetrieb. Qualtinger, Hader, Trautmann und und und… Aber jetz samma ja beinand 😉 Is eh leiwand… 😉

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      2. Natürlich lese ich…..und kommentiere gerne, wobei lieber Gerhard, du hast es wieder perfekt „übersetzt“ ..ergänzend kann ich euch anbieten „ur leiwand“ – bedeutet so viel wie fast ein Wahnsinn 🙂 !! Generell wird im Wienerischen das „ur“ als Steigerungsform verwendet 🙂
        Da auch der Wiener nicht immer den Wiener versteht…zumindest geht es mir oft so, habe ich liebe Birgit vollstes Verständnis für deine ???, wenn du keine Ahnung hast was gerade gesprochen wird 🙂
        Es gibt sogar eine Plattform die heißt „Wienerisch darf nicht aussterben“ und eingefallen ist mir „mein“ Düringer als Urwiener, mit einem Auszug aus dem Wiener Dialekt Lexikon…was es doch alles schon gibt 🙂

        Viel Spaß und Servus aus Wien bzw „servas aus Wean“
        Karin

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      3. Vielen Dank, Karin ! Ich wusste, auf Dich kann ich mich in der Sache verlassen 😉
        Besonders schön fand ich auch immer die Bezeichnung „ur-fad“ für alles Stinklangweilige ;-)))))
        Der Roland Düringer ist natürlich ein besonderes entzückendes Exemplar des Ur-Wieners !! Wie konnte ich den vergessen bei meinen Beispielen, Asche über mein Haupt.
        Und ja: Wienerisch darf nicht aussterben !
        Liebe Grüße in die schöne Donau-Metropole,
        Gerhard

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  1. Lieber Gerhard,
    leiwand hatte ich schon gehört, kannte aber den Zusammenhang nicht mehr. Dafür konnte ich hier immer brillieren, wenn ich einen Lungenbraten gekocht hatte. LUNGENBRATEN rief man mir entgeistert entgegen…so etwas essen wir hier nicht. Nach der Auflösung hatte es trotzdem allen geschmeckt.
    Und musikalisch über Schweizer Orgeltöne und gutes neues aus Österreich (besonders M185) und…und…und… eine feine Bandbreite von aktueller Musik, die Du wieder zusammen gestellt hast.
    In diesem Sinne ein fröhliches Servus aus dem Norden und für morgen Abend sind die Daumen gedrückt.
    Stefan

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    1. Lieber Stefan,
      ja, der Lungenbraten ist auch nicht schlecht. In „Komm, süßer Tod“ von Wolf Haas kommt die „Spenderleber“ als Imbiss vor (zumindest in der Verfilmung, in der Roman-Vorlage bin ich mir nicht ganz sicher), auch recht lustig.
      Das Theatron ist immer eine feine Veranstaltung für neue, noch unbekannte Musik. Heuer war das Programm mitunter exzellent.
      Beim HSV ist gerade Schluss. Hätte gedacht, dass das einfacher wird für die Hamburger. Da bin ich mal auf Montag gespannt.
      Bei den Löwen bin ich mir langsam nicht mehr sicher, ob die 3. Liga in der Situation nicht besser wäre, Poschner steht wohl auf der Abschussliste, kann aber nicht entlassen werden, weil der Investor dagegen ist. Langsam reicht’s, mehr fällt mir dazu nicht mehr ein. Schätze nicht, dass die Mannschaft den ganzen Zirkus, der da schon wieder im Umfeld tobt, so einfach wegsteckt.
      Liebe Grüße, einen schönen Abend,
      Gerhard

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      1. Lieber Gerhard….wie genial doch „Komm, süßer Tod“ war!! 🙂 danke für die Erinnerung jetzt!
        und….was da beim Fußball alles bei euch los ist….spannend spannend !
        Lieben Gruß – Karin

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      2. Liebe Karin, ja, der war wirklich ur-leiwand, der erste Haas 😉 Wie eigentlich alles andere von ihm auch! Ja, der Fußball, freu ich mich auf die Sommerpause, ich sag’s Dir !! Morgen wird’s übrigens bierernst zu dem Thema, hier im Blog …
        Liebe Grüße,
        Gerhard

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      3. Lieber Gerhard,
        ich mag solche Wörter wie Lungenbraten, Paradeiser oder auch Sackerl. Den Haas-Roman hatte ich auch gelesen. Ich glaube die Spenderleber kommt tatsächlich darin vor. Bin mir aber auch nicht sicher.
        Vielleicht hast Du Recht. Ich werde mir morgen das Spiel geben. Am Montag wird es spannend werden.
        Also harren wir der Dinge die noch folgen werden und trinken ein Hacker Pschorr oder eine andere Gerstenkaltschale 🙂
        Dir auch einen schönen Abend
        Stefan

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      4. Lieber Stefan,
        das ein oder andere Getränk zur Nervenberuhigung, Stress- und Frustbewältigung wird wohl fließen müssen… ;-))
        Liebe Grüße, und: „schwoam ma’s owe“, wie wir hier in Bayern sagen 😉
        Gerhard

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    2. Lieber Stefan, und ich lese nun auch etwas NEUES….ihr kennt wirklich keinen „Lungenbraten?“…das hätte ich nicht gedacht….na schau…und so lecker…:-) ..ich finde die Sprachenunterschiede wunderbar!
      Lieben Gruß – Karin

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      1. Liebe Karin,
        wer sich für das Kochen und Essen interessiert wird wohl wissen, was ein Lungenbraten ist. Doch die Mehrheit, so glaube ich, denkt bei Lungenbraten an die Lunge vom Rind oder Schwein. Und lecker ist er 🙂
        Wir sagen hier Tüte und ihr das so schöne Wort Sackerl. Ich glaube es war eine Frage bei Jauch, was Palatschinken ist. Und der Kandidat dachte tatsächlich an Schinken/Fleisch 🙂 Ich mag solche Sprachunterschiede…wunderbar 🙂
        Ein fröhliches Servus nach Wien
        Stefan

        Gefällt 2 Personen

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