Reingehört (59)

REINGEHÖRT Juni 1

Peter “Sleazy” Christopherson – Live At L’Étrange Festival 2004: The Art Of Mirrors (2015, Black Mass Rising)
Peter Christopherson, Gründungsmitglied der legendären britischen Industrial-/Dark Ambient-/Experimental-/Noise-Pioniere Throbbing Gristle, später bei Psychic TV und Coil zugange, spielte 2004 in Paris eine musikalische Hommage an seinen langjährigen Wegbegleiter, den britischen Regisseur Derek Jarman, ein.
Der englische Filmemacher, Bühnenbildner und Gärtner Jarman, der 1994 im Alter von 52 Jahren seiner HIV-Erkrankung erlag, dürfte einem breiteren Kinopublikum vor allem durch seinen 1986 veröffentlichten und mit Tilda Swinton, Nigel Terry und Sean Bean prominent besetzten Film „Caravaggio“ über den italienischen Barock-Meisterpinsler bekannt geworden sein.
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um einen Live-Soundtrack für „The Art Of Mirrors“, einen 1973 entstandenen, abstrakten Super-8-Kurzfilm Derek Jarmans.
Christopherson, der im November 2010 ebenfalls die Reise in die ewigen Jagdgründe antrat, entwirft auf dieser posthumen Veröffentlichung eine angenehm anzuhörende Electronic-Ambient-Soundlandschaft, die sich viel Zeit für die Entfaltung ihrer vollen Klang-Pracht nimmt und an diversen Stellen die tranceartige Monotonie durch psychedelische Loops, buddhistisches Meditations-Gebrumme und tribalistische Gesänge durchbricht. Spannend, allemal, wie das ganze TG-/PTV-/Coil-Zeug seinerzeit halt auch.
(**** ½)

Mylets – Arizona (2015, Sargent House)
Indie-Rock-Industrial-Emo-Grunge-Konglomerat des 20-jährigen Henry Kohen aus Los Angeles, der vor kurzem im Vorprogramm der nordirischen Post-/Prog-Rocker ‚And So I Watch You From Afar‘ mit der hyperaktiven Live-Ausgabe seiner Kunst das Münchner Publikum bespassen durfte. Auf dem Tonträger zeigt Kohen, dass er seinen auf Gitarren-Loops basierenden, durchaus nicht unmelodischen Hochgeschwindigkeits-Sound auch für den ein oder anderen Song auf eine niedrigere Schlagzahl herunterdrosseln und in ruhigeres Fahrwasser bringen kann. Beachtenswertes Konzept, ob’s langfristig trägt, wird sich zeigen.
(****)

Canned Heat With John Lee Hooker – Carnegie Hall 1971 (2015, Cleopatra)
Im Rahmen der Tour zum legendären „Hooker ’n Heat“-Album eingespielte Klassiker wie „Framed“, „Back Door Man“ oder „Shake ’n‘ Boogie“ der amerikanischen Blues-Rock-Combo Canned Heat, aufgenommen in New Yorks altehrwürdiger Konzerthalle an der 7th Avenue, dargeboten in historisch verstaubtem Uraltsound, heute noch gut hörbar vor allem in den Passagen, in denen Blues-Großmeister John Lee Hooker Kommando und Gesang übernimmt und zum allgemeinen Verdruss mit dem für die Zeit typischen, nicht endend wollenden, unvermeidlichen Drum-Solo-Grausen vergiftet.
(*** ½ – ****)

Mountain Sprout – Long Time Comin’ (2014, Import)
Wilder Haufen aus Eureka Springs, Arkansas, der sämtliche Spielarten des Acoustic-Bluegrass aus dem Effeff beherrscht, von traditionell über ruppig-flott bis zur einfühlsamen Country-Ballade ist auf dem Tonträger alles geboten, was den Hillbilly in den Ozark Mountains oder am Giesinger Berg beschwingt und glücklich macht. Scheunen-Tanzmusik mit Texten über Waffen, Drogen, Frauen und Faustkämpfe. John-Boy Walton im richtigen Leben oder so.
(**** ½)

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