Steve Gunn Band + Mary Lattimore & Jeff Zeigler @ Glockenbachwerkstatt, München, 2015-05-31

Ganz was Feines hat da unser beloved Munich Konzertveranstalter CLUBZWEI an Land gezogen, einen Gitarren-Gottesdienst von einem der Besten seines Fachs überhaupt, dem hochgeschätzten Steve Gunn, und als Kontrastprogramm Experimentelles vom Duo Mary Lattimore & Jeff Zeigler, das den an Angenehmheit schwer zu überbietenden Abend mit einer knapp vierzigminütigen, hypnotischen Ambient-Meditation, dargeboten auf elektrisch verzerrter Harfe und hochinteressantem Drone-Elektrogerätchen-Geschraube, eröffneten. Die aus North Carolina stammende Mary Lattimore, die die klassische Harfe unter anderem in Wien studierte, entlockte ihrem Instrument Töne, die an japanische Zen-Tempel denken ließen, ihr kongenialer, in Philadelphia beheimateter Partner Jeff Zeigler unterfütterte das tiefen-entspannte Musizieren mit dezenten maschinellen Tönen aus dem Korg-Synthesizer und anderen Gerätschaften, gegen Ende der Darbietung setzte er die Melodica ein und gab der hörenswerten Soundlandschaft eine melancholische Note, die Erinnerungen an lange Strandspaziergänge an der rauhen bretonischen Küste heraufbeschwor. Ein inspirierender Konzert-Auftakt, der in der Form auch in die lose Frameless-/Frameworks-Reihe über experimentelle Musik, über die ich hier ab und an bereits berichtet habe, gepasst hätte.
(**** ½)


Mary Lattimore & Jeff Zeigler / Thrill Jockey Records

Den Hauptteil des Abends bestritt der aus Pennsylvania stammende und in Brooklyn ansässige Ausnahmegitarrist Steve Gunn mit seinen beiden jungen Mitstreitern an Bass und Schlagwerk, der Amerikaner weckte erstmals mit seiner grandiosen Instrumental-Platte ‚Sand City‘ mein Interesse, die er zusammen mit dem ebenfalls hochtalentierten Gitarren-Könner John Truscinski einspielte (2010, Three Lobed Recordings), sporadisch unterstützte Gunn in früheren Jahren Kurt Vile’s Combo The Violaters als Tour-Gitarrist.
Der nach eigenen Angaben unter anderem von indianischer Musik, John Fahey, Robbie Basho, Jack Rose und La Monte Young beeinflusste Musiker gab am Sonntagabend mithilfe seiner Rhythmus-Abteilung ein sehr Song-orientiertes Konzert in der ‚Glocke‘, das refrainlose Liedgut wurde in formidable Saiten-Wunderwerke gepackt, die ein faszinierendes Konglomerat aus Blues-Rock-orientiertem Indiesound, No Wave, Southern-Rock-Einsprengsel und Enthusiasmus-fördernder Psychedelic bot, das in den ausufernden Teilen mit seinen zusätzlichen Cosmic-American-Music-Zitaten auch absoluten Ausnahmekönnern wie Jerry Garcia und seinen Grateful Dead vollumfassend zur Ehre gereicht hätte. Wie eingangs erwähnt, der Saiten-Artist Steve Gunn ist ein ganz Großer seines Fachs, der den Schrammel-Kollegen am Sonntagabend in einer knapp zweistündigen Papst-Messe hinsichtlich gleichermaßen perfektem wie inspiriertem Gitarren-Spiel zeigte, wo der Bartel den Most holt. Ein Auftritt, von dem ich viel erwartet und alles bekommen habe. Schade, dass sich zu diesem Konzert-Highlight nur verhältnismäßig wenige Besucher in das Bürgerhaus verirrt hatten, können doch nicht alle bei Metallica und dem KISS-Kasperltheater im Olympiastadion gewesen sein. In the US of A demnächst mit Wilco auf Tournee und dort dann garantiert vor wesentlich größerem Publikum…
(***** ½)







Steve Gunn / Homepage

6 Kommentare

  1. Es ist immer interessant zu hören, was aus einstigen Punks (The Violators) geworden ist. Steve Gunn macht richtig schöne Wohlfühlmusik. Und neben Joanne Newsom kenne ich aktuell keine aktuelle Musik mit der Harfe. Und als entschleunigtes Kontrastprogramm zu Kiss & Co war es bestimmt ein relaxter Abend.
    Lieben Gruß aus dem hoffentlich bald sommersonnigen Norden
    Stefan

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    1. Die Violators von Kurt Vile haben meines Wissens nichts mit den Punks gleichen Namens zu tun, warum er für seine Backing Band den gleichen Namen gewählt hat, erschließt sich mir nicht. Bei der Harfe geht’s mir ähnlich, Robin Williamson (ex-Incredible String Band) fällt mir hier noch ein (Dicker Tipp: Seine ECM-Scheibe „The Iron Stone“ von 2006, eine Art Folk-Jazz-Crossover), ist doch eher ein Instrument der klassischen bzw. Volks-Musik.

      Liebe Grüße nach Hamburg,
      Gerhard

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      1. Da war ich über Deinen Link zur Homepage gekommen…lese „The Violators“ stutzte erst… Danke für die Aufklärung, Gerhard. Harfenmusik hat einen besonderen Klang. Da ich sie selten höre, freue ich mich über Deinen Tipp.
        Liebe Grüße und Dir einen gut gelaunten Feierabend
        Stefan

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  2. Die Harfe! Die hatte ich als elektrisch verzerrbares Instrument für Gigs abseits des Orchestergrabens überhaupt nicht auf dem Schirm. Wunderbar! P.S.: Glück gehabt, Deine Löwen – auch wenn mir die trauertragenden Kieler nun wirklich leid tun, so aus alter Heimatverbundenheit… Liebe Grüße, Sonja

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    1. Glück gehabt, kannste laut sagen. Ich wär der Erste gewesen, der Kiel gratuliert hätte, verdient hätten sie es allemal. Fußball kann manchmal grausam sein, wenn auch in dem Fall nicht zu mir ;-)
      Liebe Grüße,
      Gerhard

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