Reingelesen (20)

REINGELESEN_juni_Lansdale

„Das Leben ist wie ein Teller Chili in einem unbekannten Café.
Manchmal ist es lecker und scharf.
Ab und zu schmeckt es wie Scheiße.“
(Jim Bob Luke)

Joe R. Lansdale – Schlechtes Chili (2012, DuMont Buchverlag)
Teil 4 der Hap-Collins-&-Leonard-Pine-Krimi-Serie, in dem die beiden freischaffenden Underdog-Überlebenskünstler in einen Fall von Schwulen-Snuff-Vergewaltiger-Porno-Schweinkram verwickelt werden, beim Stochern im trüben Sumpf aus Korruption, Lügen und verklemmter Verlogenheit lacht sich das schräge Duo wie üblich eine Menge potenter Feinde wie den psychopatischen Ex-Catcher „Mountain Man“, eine Biker-Gang, die Cops des State Of Texas und den Billig-Chilli-Baron „King“ Arthur an, Konfliktauflösung via diverser Amokläufe und Blutbäder inklusive.

„Mir tut der Bengel nicht leid“, sagte Leonard. „Ich hätte ihm wirklich in seinen hässlichen Arsch getreten. Ich hoffe, dass seine Mama ihn zum Arzt gebracht hat, um ihn einschläfern zu lassen, wie ’ne kranke Katze.“
„Das ist nicht sehr nett“, sagte ich.
„Nein“, sagte Leonard. „Nein, das ist es nicht.“
(Joe R. Lansdale, Schlechtes Chili, Kapitel 2)

Wie bei Joe R. Lansdale üblich, kommt der Sprachwitz, das Abgründig-Bizarre und das politisch Unkorrekte in drastischer Deutlichkeit nicht zu kurz, die Henry Chinaskis dieser Welt dürften an dem Werk ihre helle Freude haben.

Die von Krimis erwartete Spannung fand ich in dem Zusammenhang vernachlässigbar, Autor Lansdale sah das wohl genauso, die restlichen Zutaten des Chilli reichen völlig aus für erstklassiges Entertainment der – zugegeben – etwas derberen Art. Aber ein scharf gewürzter, blähungsfördernder Tex-Mex-Eintopf ist auch nicht unbedingt für jeden Feinschmecker geeignet…

„Sie waren Freunde von Leonard. Er hatte sie kennengelernt, nachdem er ihnen den Arsch versohlt hatte. Sie hatten Raul in einem Supermarkt ziemlich zugesetzt, und Leonard, der wesentlich kleiner war, hörte davon, spürte sie auf und wischte mit ihnen den Boden auf. Dass sie von ihm so in die Mangel genommen worden sind, hatte nichts mit Zähigkeit zu tun. Sie waren zäh. Aber Leonard war zäher. Besser trainiert. Und cleverer. Aber natürlich war das Foto eines menschlichen Gehirns cleverer als sie, mochte Gott ihnen gnädig sein.“
(Joe R. Lansdale, Schlechtes Chili, Kapitel 23)

Eine brachiale Hardcore-Groteske aus den Niederungen der amerikanischen Gesellschaft, originell und unterhaltsam wie bisher alles, was ich vom Texaner Joe R. Lansdale konsumiert habe und ein Lese-Empfehlung für alle Fans von Richard Brautigan, Charles Bukowski, William Kotzwinkle, DBC Pierre und Tristan Egolf. Machste nix falsch mit.

„Leonard schaute durch die Fenster auf die Pool-Spieler. Er sagte nichts, aber seine Miene verriet mir genug. Leonard hielt die meisten dieser Leute für faule Scheißer und wertlos, und ich nehme an, er hatte bis zu einem gewissen Grad recht. Viele von ihnen waren genau das. Schlicht und ergreifend. Aber ich hatte festgestellt, dass das Leben nicht so funktionierte. Es war nicht schwarz oder weiß. Gut oder böse. Meistens war es eine Mischung. Das machte es so hart. Man konnte nicht mehr verallgemeinern, sobald man ein wenig darüber nachdachte. Es gab auf beiden Seiten der Medaille Arschlöcher, aber es gab auch gute Leute, die einfach Pech hatten. Man brauchte nur zwei Lohntüten zu verpassen und eine größere Panne mit dem Wagen zu haben, und schon gehörte man nicht mehr zur unteren Mittelschicht, sondern wohnte in einer Pappschachtel unter der Brücke, aß aus Müllcontainern und schob einen Einkaufswagen vor sich her.“
(Joe R. Lansdale, Schlechtes Chili, Kapitel 16)

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