Reingehört (61)

ILONA SZWARC . Rodeo Girls @ Amerikahaus München (3)

Willie Nelson & Merle Haggard – Django and Jimmie (2015, Legacy Recordings)
Bereits sechste Tonträger-Zusammenarbeit der beiden Altmeister der gepflegten amerikanischen Outlaw-Countrymusik mit neuerem und älterem Songmaterial der beiden Honoratioren und einigen, wenigen Fremdkompositionen. Größtenteils relaxt im vertrauten, tiefenentspannten Country-Stil Willie Nelsons, angereichert mit der jahrzehntelangen Roots-Erfahrung Merle Haggards‘ und aufgelockert mit ein wenig Honky Tonk und Rock ’n‘ Roll ergibt die Chose ein höchst angenehm zu hörendes Spätwerk der beiden Country-Granden, die hier den altersbedingt im Nacken sitzenden Sensenmann in den Texten mit gutem Humor wegstecken.
Der mittlerweile altersmäßig auch in den Achtzigern angekommene Bobby Bare hat einen Gastauftritt beim Tribut an den 2003 dahingeschiedenen Chef im Ring, „Missing Ol‘ Johnny Cash“, da passt insofern auch die Dylan-Coverversion „Don’t Think Twice, It’s Alright“ wunderbar ins Bild, die seinerzeit bereits Cash himself auf seiner hervorragenden Scheibe „Orange Blossom Special“ (1965, Columbia) im Programm hatte.
Der Titelsong „Django and Jimmie“ ist ein Tribut an die musikalischen Kindheitsidole Nelsons und Haggards, Django Reinhardt und Jimmie Rodgers. Ich erzähl unserem Kater natürlich immer, dass mit „Django“ er gemeint ist, interessiert den pelzigen Rabauken allerdings null. Wahrscheinlich mag die Mietz keinen Country… ;-)))
(**** ½)

Deep Purple – Long Beach 1971 (2015, Earmusic)
Was im Rahmen der Grateful-Dead-Nachlassverwaltung nur recht ist, ist den Purple-Leichenfledderern billig: Im Rahmen der „Official Deep Purple (Overseas) Live Series“ veröffentlichte das Earmusic-Label kürzlich den Mitschnitt eines Konzerts, dass die Hardrock-/Progressive-Pioniere am 30. Juli 1971 in Long Beach, Kalifornien, gaben. Die siebzigminütige Aufnahme bietet gerade mal vier Stücke der Combo, die legendäre MKII-Besetzung Blackmore / Lord / Paice / Gillan / Glover zelebriert die Klassiker „Speed King“, „Strange Kind Of Woman“, „Child In Time“ und das eher selten auf Live-Scheiben der Band vertretene „Mandrake Root“ vom „Shades Of Deep Purple“-Debüt in ellenlangen Versionen, die sich weitestgehend von den Studio-Fassungen lösen und sich dementsprechend in ausufernden Jam-, Improvisations- und Solo-Elementen ergehen. Der Egomane Richie Blackmore darf des öfteren seine hohe Schule der glasklaren Riffs und der elegischen Gitarren-Soli vortragen, Jon Lord glänzt mit gewohntem, klassisch beeinflusstem Space-Georgel und Ian Paice begleitet die Soloausflüge der beiden Ausnahmemusiker einfühlsam und beschwingt mit seinem hervorragenden Getrommel. Was trieb eigentlich Ian Gillan während der oft zehn- bis fünfzehnminütigen Instumental-Passagen? Wird ja wohl nicht auf der Bühne Maulaffen feilgehalten haben, während sich die Kameraden an ihren Instrumenten abmühten. Wahrscheinlich hat er sich währenddessen im Backstage-Bereich ein frisches Pint oder ein Groupie zu Gemüte geführt, Zeit genug wär gewesen. Zum Kreisch-Einsatz bei „Child In Time“ war er jedenfalls wieder rechtzeitig vor Ort.
Die Platte ist nichts für Purple-Freunde, die lediglich eine Live-Sammlung der Hits suchen, aber eine dringende Empfehlung für alle Alt-Hardrocker, die sich an den Improvisationskünsten der Heavy-Metal-Vorreiter delektieren können.
Ist sowas heute noch zeitgemäß? Nö, null. Trotzdem: immer noch hörenswert…
(**** ½)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s