Rosanne Cash + The Jayhawks @ Beacon Theatre, NYC, 2011-10-21

Habe vor kurzem in alten Fotos gewühlt und dabei gern in Erinnerungen an ein schönes Doppel-Konzert vor ein paar Jahren im New Yorker Beacon Theatre geschwelgt. Das historische Theater liegt an der Upper West Side am Broadway, unweit des Central Park, es wurde 1929 als Kino und Vaudeville-Theater eröffnet, bietet für circa 2800 Besucher Platz und ist unter anderem Schauplatz des Rolling-Stones-Konzerts, dass Martin Scorsese für seinen Film „Shine A Light“ im Jahr 2006 dokumentierte.

Anlass meines Besuchs im Theater vor ein paar Jahren war ein Stelldichein zweier Top-Acts aus dem Alternative-Country-Bereich, den Auftakt des stimmungsvollen Abends machte dabei die hochsympathische Rosanne Cash, die älteste Tochter von Country-Ikone Johnny Cash brachte an dem Abend zusammen mit ihrem Ehegatten John Leventhal und ihrer Band vor allem Material von „The List“ (2009, Manhattan) zum Vortrag, die Platte, die ausschließlich aus Fremdkompositionen besteht, basiert auf der Liste der hundert wichtigsten Country-Songs, die Rosanne Cash im Alter von 18 Jahren von ihrem Dad vermacht bekam. In bleibender Erinnerung sind mir vor allem die Interpretationen des Klassikers „Long Black Veil“ und die Gänsehaut-erzeugende Fassung des Dylan-Meilensteins „Girl From The North Country“ geblieben.

Den Hauptteil des Abends bestritt die Alternative-Countryrock-Institution The Jayhawks, deren beide maßgeblichen Songwriter Gary Louris und Marc Olson sich in just dem Jahr wieder zusammentaten und mit „Mockingbird Time“ (2011, Rounder) ein neues Band-Album veröffentlichten, nachdem Olson 1995 die Band verließ, um auf Solopfaden zu wandeln oder mit seiner damaligen Frau Victoria Williams und den Creekdippers zu musizieren. Das Songmaterial des Abends bestand folgerichtig vornehmlich aus Stücken des aktuellen Albums, welches Vergleiche mit den Bandklassikern „Hollywood Town Hall“ (1992, American Recordings) und „Tomorrow The Green Grass“ (1995, American Recordings) nicht scheuen musste.
Für mich war es eine schöne Erfahrung, Mark Olson auf großer Bühne zu erleben, ich habe ihn zuvor einige Male mit seiner mittlerweile Ex-Lebensgefährtin Victoria Williams auf kleiner Club-Bühne in meinem Lieblings-Wohnzimmer Substanz erlebt, in großem Rahmen machte er sich indes auch ganz famos.
Das New Yorker Alternative-Country-Publikum scheint sich durch die Bank aus älteren Semestern zu rekrutieren, bei uns hocken diese Jahrgänge in der Regel in der Oper. Ich bin weiß Gott auch nicht mehr taufrisch, aber in dem Umfeld kam ich mir richtig jung vor… ;-)))
Hinter mir saß ein älterer Ami vom Schlage Philip Seymour Hoffmans, der seiner Begleitung ausführlichst erzählte, welche Bands er im Beacon bis dahin genießen durfte, als die Rede auf die Grateful Dead kam, musste ich an mich halten, um nicht vor Neid grün anzulaufen… ;-))

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8 Kommentare

  1. Ein schöner und kurzweiliger Artikel, den ich interessiert gelesen habe. Alternativ Country ist ein bemerkenswertes Genre, das meiner persönlichen Meinung nach viel mehr Aufmerksamkeit hier bei uns in Good Old Germany verdient hätte.
    LG von Rosie

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    1. Vielen Dank, Rosie.
      Finde ich auch, aber es ist die letzten Jahre doch etwas besser geworden, nicht zuletzt durch verdiente deutsche Plattenlabels wie ‚Glitterhouse‘ oder ‚Blue Rose Records‘ und Journalisten wie beispielsweise Franz Dobler.
      Liebe Grüße,
      Gerhard

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      1. Da hast du Recht, insbesondere, da man diverse Interpreten doch auch öfter hier live sehen kann. Ich denke da z.B. an Lucinda Wiliams oder Steve Earl, die live einfach fantastisch sind und die ich sehr, sehr mag. Letztens besuchte ich ein Konzert von Calexico, die m.E. doch auch diesem Genre zuzuordnen sind.

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      2. Das waren fantastische Abende, yessss !! Lucinda habe ich in der „Kantine“ in Köln live gesehen, das war 2007, also leider schon einige Jahre her. Und Steve Earl durfte ich in Nashville sehen und hören. Hach……*.

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