Reingehört (62)

Johnwaynegacyrosalynncarter

„To John Gacy. Best wishes. Rosalynn Carter“

The Moonband – Back In Time (2015, Millaphon Records / Broken Silence)
Das Release-Konzert der Mondfahrer zur neuen CD hab ich hier ja schon gebührend gewürdigt, es ist höchste Zeit, den dazugehörigen Tonträger zu besprechen. Wie der Titel schon vermuten lässt, geht die Moonband auf Zeitreise und bedient sich ausschließlich bei älterem Fremdmaterial, die tatsächlich sehr altmodische, aber niemals altbackene Liedersammlung würdigt Bob „den Meister“ Dylan gleich dreimal, zum Einstieg gibt es einen passablen Vortrag des Klassikers „As I Went Out One Morning“ von meiner liebsten Dylan-Scheibe „John Wesley Harding“ (1967, Columbia), hier liegt die Messlatte selbstredend extrem hoch und so ist es eine lässliche Sünde, dass die Astronauten-Version dem großen Bob nicht ganz das Wasser reichen kann. Im weiteren Verlauf des Tonträgers kommt Herr Zimmerman zu weiteren Ehren durch die rundum gelungene Version von „You Ain’t Going Nowhere“ – im Original auf den legendären „Basement Tapes“ zu finden und unter anderem auch Opener des Countryrock-Meilensteins „Sweetheart Of The Rodeo“ der Byrds – sowie einer tendenziell leider eher belanglosen Interpretation des „Oh Mercy“-Stücks „Ring Them Bells“, aber die Nummer zähle ich auch im Original nicht zu meinen Dylan-Favoriten.
Wunderschönen Bluegrass bietet das Album mit „Wayside“ von David Rawlings, dem Duett-Partner der wunderbaren Gillian Welch, „Shadow Of An Absent Friend“ von einem gewissen Simon Edwards, von dem ich vermute, dass er nicht mit dem Gründer des britischen Post-Punk-Labels Heartbeat Records gleichen Namens identisch ist, und „Red Dog In The Morning“ vom amerikanischen Country-Musiker Tim O’Brien.
„Proof“ ist eine Nummer der englischen Indie-Band ‚I Am Kloot‘, die mich im Live-Vortrag vor einigen Wochen begeisterte, beim CD-Hören jedoch die bei mir typische I-Am-Kloot-Ambivalenz auslöst, „John Wayne Gacy, Jr.“ ist eine wunderschöne Interpretation der Sufjan-Stevens-Ballade über den Serienkiller, der als „Killer Clown“ in die US-amerikanische Kriminal-Historie einging und 1994 hingerichtet wurde.
In „The Road To Drumleman“ und „You Won’t Get Me Down In Your Mind“, im Original von Colin Wilkie, lässt die Moonband irischen Folk erklingen und bei „Long Ride Home“, einer herrliche Ballade der Songwriterin Patty Griffin, glänzt Mandolinen-Spielerin Katrin Bobek im Solo-Gesang.
Die wunderbare Geschichtsstunde des Folk findet ihren würdigen Abschluss im „Fisherman’s Blues“ der Waterboys, die beseelte Geige des Originals fehlt (mir sogar sehr), ansonsten darf auch diese Neubearbeitung als durchaus gelungen gewertet werden und live war’s eh ein Kracher.
Apropos live: „Back In Times“ ist der Mitschnitt eines Konzerts, welches die Band in intimer Runde vergangenen Herbst in der Riedlhütte im Bayerischen Wald gab, die beigelegte DVD dokumentiert das Ereignis auch visuell, und wenn ich bedenke, dass ich seinerzeit zu dieser Folk-Sternstunde eingeladen, aber wegen anderweitiger Verpflichtungen verhindert war, wünsche ich mir diesbezüglich bereits jetzt die dritten Zähne. Die könnte ich jetzt nämlich rausholen und mir damit selbst in den Allerwertesten… nun ja ;-)))
„Back In Time“: Nach dem letztjährigen, über die Maßen gelungenen „Atlantis“-Album eine weitere Glanztat der Moonband aus München und ein reines Coverversionen-Album, dass neben bekanntem Artverwandtem wie „Satisfied Mind“ von den Walkabouts (1993, Sub Pop), „Orphans“ von Hazeldine (2002, Glitterhouse) oder „Invariable Heartache“ (2010, City Slang) des Lambchop-Seitenprojekts Kort von Courtney Tidwell und Kurt Wagner jederzeit bestehen kann und diesbezüglicher Durchschnittsware großer Künstler vom Schlage einer Patt Smith („Twelve“, 2007, Columbia) oder eines Neil Young („Americana“, 2012, Reprise) immer vorzuziehen ist.
(**** ½ – *****)

Die Moonband ist in nächster Zeit konzertant zu folgenden Terminen zu bewundern:

26.06.2015 Kulturstrand/Vater-Rhein-Brunnen, München
04.07.2015 Songs, Burghausen
01.08.2015 Heimatsoundfestival, Oberammergau
11.08.2015 Theatron Musiksommer, München
15.08.2015 Cafe Galao, Stuttgart
05.09.2015 Sound Of Bronkow Music Festival, Dresden

The Moonband / Homepage

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10 Kommentare

  1. Lieber Gerhard,
    was für ein Einstieg mit John Gacy und dann die Moonband. Jetzt fehlen nur noch die Murder Ballads. Durch Dich habe ich die Moonband kennengelernt. Für mich eine musikalische Bereicherung.
    Liebe Grüße aus dem frischen und feuchtnassen Hamburg
    Stefan

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