Reingehört (67)

REINGEHÖRT 2015-07-22
 

Iggy Pop – Shot Myself Up (2015, Easy Action)
Offizielle Veröffentlichung eines Bootlegs, das in vergangenen Tagen unter dem Titel „Live At The Mantra“ durch die Sammlerbörsen und Second-Hand-Läden geisterte, und dort wäre es aufgrund der absolut lausigen Aufnahmequalität auch besser geblieben. Die ersten zwölf Stücke wurden 1977 im Mantra-Studio zu Chicago in relativ steriler Atmosphäre ohne Publikum unter Beteiligung des damaligen Iggy-Produzenten David Bowie mitgeschnitten, die Band probt für eine Nordamerika-Tour, das Set besteht hauptsächlich aus alten Stooges-Klassikern sowie den ‚Idiot‘-Stücken „Funtime“, „China Girl“ und „Sister Midnight“, das grauenvoll schrille und vor allem grauenvoll abgemischte Keyboard-Gedudel vom ‚Tin White Duke‘ reißt es in dem Zusammenhang auch nicht mehr heraus, obwohl die Song-Auswahl eine wirklich tolle ist.
Der Rest der Scheibe besteht aus Alternativ-Aufnahmen diverser ‚Idiot‘-Songs (1977, RCA) und ein paar Mitschnitten von TV-Sendungen, in der Klangqualität nur unerheblich erfreulicher als der ‚Mantra‘-Auswurf. Nur für beinharte Sammler.
(**)

Iggy Pop – Psychophonic Medicine / The Unreleased Tracks (2015, Cleop / H’ART)
Nochmal was aus den Iggy-Archiven und diese Zusammenstellung macht dann doch wesentlich mehr Laune als der vorab besprochene Audio-Müll. Viele Live-Versionen aus den End-Siebziger-/Anfang-Achtziger-Osterberg-Alben, eingespielt bei einem Konzert 1981 in San Francisco, diverse Outtakes des recht durchwachsenen ‚Party‘-Albums (1981, Arista), eine Handvoll Demos aus dem Jahr 1985, die Iggy mit dem ex-Sex-Pistols-Gitarristen Steve Jones einspielte, darunter eine Frühfassung seines ‚American-Cesar‘-Schlagers „Beside You“, den er erst acht Jahre später zusammen mit Lisa Germano zur Formvollendung bringen sollte sowie eine originelle Version des Hendrix-Klassikers „Purple Haze“ schnüren sich zu einem Gesamtpaket aus bisher unveröffentlichtem Material, dass sich der James-Osterberg-Fan gern ins Regal stellt.
(****)

James Williamson – Re-Licked (2014, Leopard Lady)
Der Mann, der dem Stooges-Klassiker ‚Raw Power‘ (1973, Columbia) durch sein exzessives Gitarrenspiel seinen unverkennbaren Stempel aufdrückte und damit viele nachfolgende Punk-Rock-Gitarristen beeinflusste, der von Iggy Pop des öfteren engagiert und wieder gefeuert wurde und der ansonsten als der von allen gehasste Stooge in die Rock-Geschichte einging, hat im letzten Jahr ein eigentlich recht durchschnittliches Alternative-Rock-Album veröffentlicht, dass näheres Hinhören trotzdem lohnt, werden doch viele gefährlich am Rande des Rock-Mainstreams angesiedelte Stücke durch die herausragenden Gesangsparts von so erwiesenen Ausnahme-Vokalkünstlern wie der amerikanischen Blues-Musikerin Carolyn Wonderland, dem ex-Toten-Kennedy Jello Biafra, dem unvergleichlichen Grunge-Crooner Mark Lanegan oder vom Sister-Double-Happiness-/Dicks-/Black-Kali-Ma-Sänger Gary Floyd gerettet.
(*** ½ – ****)

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8 Kommentare

  1. Bei Williamsons „Re-Licked“ habe ich mal wieder nicht so recht den Zweck des Ganzen verstanden, aber das geht mir mit den meisten Projekten so, die Aus-alt-mach-neu im Großformat betreiben. Ich will ja gar nicht sagen, „I Got A Right“ mit Lisa Kekaula ginge nicht gut ab – aber warum Dinge nochmal aufnehmen, die, so schön abgegriffen und ausgelatscht und immer noch perfekt wie sie nun mal sind, das eigentlich gar nicht nötig hätten? Abgesehen davon aber bin ich natürlich für alles zu haben, wo sich Jello Biafra und Mark Lanegan herumtreiben 😉

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    1. Kann man schon so sehen, keine Frage. Der Welt würde so wahnsinnig viel sicher nicht abgehen, wenn’s das ein oder andere an Neuaufguss nicht gäbe. Gestern hab ich „Tommy“ von den Who als Bluegrass-Werk gehört, da war ich auch sehr hin- und hergerissen. Einerseits bin ich dem Genre ja durchaus zugetan, auf der anderen Seite drängte sich in dem Fall auch wiederholt der Polt auf: „Braucht’s des??“ 😉
      Viele Grüße,
      Gerhard

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      1. Vielleicht sind wir da aber auch nur wieder zu pingelig?! Im Grunde sollte wahrscheinlich einfach erlaubt sein, was gefällt. (Ich stellte mir gerade mich selbst vor, beim Nörgeln, mit Polt-Gesicht – das ließ mich meine Meinung augenblicklich etwas abmildern!) Liebe Grüße, Sonja

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      2. Milde ist sicher ab und an angeraten. Bei der Tommy-Bluegrass-Nummer hab ich sie dann doch walten lassen, more to come, wie’s so schön heißt. Ich hau ja leider auch ab und an mal drauf, aber eigentlich hast Du Recht, solange sich wer findet, der’s gerne anhört, warum nicht…
        Als Polt beim Nörgeln würde ich Dich gerne mal sehen 😉
        Liebe Grüße,
        Gerhard

        Gefällt 1 Person

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