Reingehört (69)

REINGEHÖRT 69
 

Fraser A. Gorman – Slow Gum (2015, House Anxiety / Marathon Artists)
Australier und Spezi der ebenfalls von dort unten stammenden Songwriterin Courtney Barnett mit seinem Debütalbum, auf dem der junge Mann seine tiefe Verbundenheit mit dem Americana-Erbe großer Vorbilder der späten sechziger und frühern siebziger Jahre zeigt, und das macht er hier nachprüfbar sehr gut. “It’s a big old world out there” singt Gorman auf dem Opener, und legt man seinen getragenen, auf altmodisch mit dezentem Hall getrimmten und vor allem sehr gehaltvollen Vortrag zugrunde, liegt nahe, dass er hier auf respektable Alterswerke wie Dylan’s ‚Nashville Skyline‘ oder die tollen Platten von Sixto „Searching For Sugarman“ Rodriguez referenziert. Taugt.
(**** ½ – *****)

V.A. – The Brighter Side: A 25th Anniversary Tribute to Uncle Tupelo’s No Depression (2015, Reimagine Music)
Das Debütalbum der Wilco-/Son-Volt-Vorgängerband Uncle Tupelo, bestehend aus den Songwritern Jeff Tweedy, Jay Farrar und Mike Heidron, hat auch schon wieder 25 Jahre auf dem Buckel und so hat sich eine Schar an Alternative-Country- und Indie-Rock-Musikern gefunden, um dem Wunderwerk Tribut zu zollen, und warum auch nicht, hat die Scheibe doch quasi im Alleingang den Alternative Country in die Welt gesetzt und nebenbei einem exzellenten amerikanischen Musikmagazin den Namen gegeben („The bimonthly Journal surveying the Past, Present and Future of American Music (Whatever that is)“), das im Mai 2015 ankündigte, nach sieben Jahren Abwesenheit vom Blättermarkt wieder in Druck zu gehen.
13 zum Teil recht eigenwillige Interpretationen der Titel des Alt-Country-Klassikers, dargereicht von eher unbekannteren Artisten wie den Peculiar Pretzelmen oder den Smoking Popes, vorab war mir lediglich der kanadische Songwriter Leeroy Stagger durch seine diversen Blue-Rose-Alben geläufig. Der Enthusiasmus über diese Neuinterpretation hält sich in Grenzen, im Zweifel empfehle ich den Griff zum Original.
(*** – *** ½)

White Reaper – White Reaper Does It Again (2015, Polyvinyl Records)
Erste Volle-Länge-Veröffentlichung einer jungen Band aus Louisville, Kentucky, die energischen trash-punkigen Uptempo-Indierock mit viel Pop-/Bubblegum-/Ramones-Appeal runterschrubbt. Wer Jay Reatard, die Thermals oder das flottere Zeug von Ty Segall mag, liegt hier goldrichtig. Das Trio, bestehend aus dem Sänger und Gitarristen Tony Esposito und den Zwillingen Nick und Sam Wilkerson an Schlagzeug bzw. Bass hat hörbar Freude am Musizieren und zum abhotten taugt’s allemal…
(****)

Debashish Bhattacharya – Slide Guitar Ragas from Dusk Till Dawn (2015, Harmonia Mundi)
Bhattacharya gilt als einer der originellsten und versiertesten indischen Roots-Musiker, er hat in jüngster Vergangenheit mit John McLaughlin und Jerry Douglas zusammengearbeitet und präsentiert hier fünf lange Ragas zwischen 8 und 20 Minuten. Traditionelle indische, Tablas-begleitete Lap-Slide-Gitarren-Musik geht Hand in Hand mit einer Art Akustik-Drone, das meditativ-kontemplative Verharren in einem Ton steht im Gegensatz zum bekannteren, weitaus fließenderen, artverwandten Sitar-Spiel Ravi Shankars.
(**** ½)

Stevie Ray Vaughan – Spectrum, Philadelphia 23rd May 1988 (2015, Echoes)
Offizielle Veröffentlichung des remasterten Radiomitschnitts von Washington DC FM eines Konzerts, dass der im August 1990 leider viel zu früh durch einen Helikopter-Absturz dahingeschiedene Bluesrock-Ausnahmegitarrist mit seiner Band Double Trouble im Rahmen einer Robert-Plant-Tournee im Spectrum Philadelphia gab. Von den 12 Stücken sind 9 bereits auf dem 1986 veröffentlichten Konzert-Album ‚Live Alive‘ (Epic) enthalten, darunter Klassiker des SRV-Repertoires wie dem Buddy-Guy-Kracher „Mary Had A Little Lamb“, „Cold Shot“, „Texas Flood“, „Love Struck Baby“ oder der Hendrix-Adaption „Voodoo Chile“. Mit „Couldn’t Stand The Weather“ findet sich eine hervorragende Langfassung des Titelstücks seines 1984er-Albums (Epic / Legacy), mit dem er schwerpunktmäßig im selben Jahr seinen legendären Rockpalast-Loreley-Open-Air-Auftritt bestritt.
Wer von den Konzertaufnahmen Stevie Ray Vaughans noch nichts im Archiv hat, macht mit ‚Spectrum, Philadelphia‘ sicher keinen Fehlgriff, ob der Fan diese Live-Konserve nach der bereits erwähnten ‚Live Alive‘-Scheibe, ‚Live At Carnegie Hall‘ (1997, Epic) oder den 2001 offiziell veröffentlichten Montreux-Aufnahmen (Epic) zusätzlich im Bestand braucht, muss wohl der Geldbeutel und die Sammlerneigung entscheiden.
(**** ½)

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7 Kommentare

      1. Das stimmt. Ich habe zwar nur einen Song aus dem neuen Album gehört. Doch der war schon Klasse. Buddy Guy ist einer der letzten Großen Alten des Blues und hat scheinbar noch ne Menge zu sagen.
        Lieben Gruß
        Stefan

        Gefällt 1 Person

      2. Sein 1968er-Vanguard-Album ‚A Man And The Blues‘ mit dem großartigen Otis Spann am Piano und dem – soweit ich weiß – Original von „Mary Had A Little Lamb“ im Repertoire halte ich für einen Meilenstein des Bluesrock. Wäre auch mal eine Besprechung wert.
        Liebe Grüße,
        Gerhard

        Gefällt 1 Person

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