Thisell + Hochzeitskapelle @ innen.außen.raum, Maximiliananlagen, München, 2015-08-03

Einen wunderbaren Abend haben uns am Montag die Konzertveranstalter von innen.außen.raum und die beiden in dem Rahmen musizierenden Bands, die Schweden-Folker von Thisell sowie die ortsansässige Hochzeitskapelle, in den Parkanlagen nahe der Isar zwischen Maximilianeum und Friedensengel beschert, die feine Veranstaltung fand lobenswerter Weise hinsichtlich zahlreichem Erscheinen der Musikinteressierten viel Zuspruch, und so stand einer lauschig-musikverzauberten Sommernacht, unter anderem unter wohlwollend-geneigter Begutachtung von Blogger-Prominenz wie dem diesjährigen Thisell-Hauskonzerte-Veranstalter Eike Klien sowie Münchner Songwriter-Koryphäen von der Moonband und The Almost Boheme, nichts mehr im Wege.

Den Reigen eröffnete die Hochzeitskapelle, eine Art bayerische Supergroup, bestehend aus Mitgliedern der Combos Zwirbeldirn, Millipede und The Notwist, letztere vertreten durch die rührigen Weilheimer Brüder Micha und Markus Acher. Das Quintett begeisterte von der ersten Sekunde an mit ungewöhnlicher Instrumentierung – Geige, Posaune, Tuba, Banjo, Schlagzeug und diversen Nebengeräuschen – und zauberte einen höchst angenehm anzuhörenden Mix aus Polka, Klezmer, Walzer, Dixie und Hillbilly auf die Wiese, für den Oktoberfest-Rausch genau so geeignet wie für’s verkopfte Zuhören. Das Publikum war begeistert und freute sich über die Ankündigung eines zweiten Sets nach dem Thisell-Auftritt.

Den zweiten Abschnitt bestritt der Schwede Peter Thisell, derzeit auf Kurztour durch ausgewählte Städte unseres Landes, diese Mal verstärkt durch Sandra the Salmon, Peter the Playboy und Nicodemus Maximus.
Wie hieß es so schön in der Ankündigung: „Peter Thisell ist ein Schreiber von Songs und ein Held des Schweifens durch die Prärie – selbst wenn sie eigentlich in Schweden liegt. Ein aufmerksamer durch Strophe, Refrain und alles was sonst noch verklingt. Mit Gitarre, Tasteninstrumenten und Violine, mit Ideen aus Amerikas Westen. Und der Melancholie, die sprießt, wenn im Norden ein Sommer vergeht. Klingt wie: Am Fluss sitzen und der Zeit beim Vergehen zuhören. Ein Funkeln Musik, das ihr euch anhören solltet.
So ist das wohl. Wunderschön und herzanrührend war er jedenfalls wieder, wie zuletzt gehört bei Eike’s feinem Hauskonzert, der von Herzen kommende Folk der Schweden, es war ja eh eine laue Sommernacht, ansonsten hätte spätestens das aus den Tiefen der Seele kommende Songwriting der Skandinavier für wohlige Wärme gesorgt – und das, obwohl die tiefmelancholischen Songs Thisells noch besser zu einem glasig-klaren Herbstabend passen.
Nach dem Vortrag der eigenen Song-Perlen ließ das Quartett das vielbeklatschte Set stilsicher und formvollendet mit einer Fremdkomposition des großen Townes Van Zandt ausklingen.

Wie angekündigt brachte die Hochzeitskapelle den über die Maßen gelungenen Konzertabend im Grünen mit einer zweiten Runde zum Abschluss, Bernd und ich haben bei einem besonders schönen Stück ewig gerätselt, vom wem das Original stammt, wir legten uns irgendwann auf Neuseeland/Flying Nun fest und schwankten zwischen der Jean Paul Sartre Experience und The Clean, der Bernd hat sich dann von der Band eines Besseren belehren lassen, es handelte sich um ein Stück der Weilheimer Elektro-Pop-Band Lali Puna (eigentlich naheliegend bei Markus Acher…), aber das „Isarmärchen“ der großartigen Münchner Volkssängerin Bally Prell, das Geigerin Evi Keglmaier als würdigen Abschluss des tollen Abends zu unserer besonderen Freude vortrug, das haben wir beide sofort und fehlerfrei erkannt, und so fiel das anschließende Heimradeln an der Isar entlang Richtung Ober- bzw. Untersendlinger Heimat besonders beseelt aus… ;-))

Schön war’s.
Wie sagt Tscharlie Häusler im Kult-Western „Der lange Weg nach Sacramento“ aus der Helmut-Dietl-Kultserie „Münchner Geschichten“, ebenfalls an der Isar sitzend, gar nicht weit vom montäglichen Austragungsort entfernt: „So schee war’s überhaupt no nia.“
(Ganz klarer ******-Abend, ohne Abstriche)

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9 Kommentare

    1. Ja, war eine tolle Sache. Thisell finde ich auch sehr schön, hab mir im Frühjahr beim Hauskonzert seine CD („I“) mitgenommen, gefällt mir sehr gut, ich glaub, Du hast sie ja mal bei Gelegenheit besprochen, wenn ich mich recht entsinne.
      Viele Grüße,
      Gerhard

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  1. danke für deinen bericht! ich bin noch gar nicht dazu gekommen, vielmehr habe ich auch einen großteil des abends verratscht, so dass ich wahrlich nicht berufen bin, hier den großen erzähler zu geben.
    der peter von thisell hat dann doch etwas unter der herausforderung gelitten, gegen eine so große masse anzusingen. da war die stimme häufiger brüchig und den zuweilen hohen tönen nicht gewachsen. dafür war die musik umso feiner gesponnen, die melodica fand ich zum beispiel ein sehr belebendes element.
    was die hochzeitskapelle dargeboten hat, war der hammer. wie gesagt, ich habe immer nur bruchstückhaftes oder hie und da einen song mitbekommen, aber das zusammenspiel dieser ausnahmemusiker zu hören, die variabilität ihres spiels, das punktgenaue aufeinander eingestimmtsein, wahnsinn! die verquickung von tradition und moderne fand sich selten gelungener, als würde man eine bajuwarische suppenschüssel, schön in weiß-blau, hernehmen, aus der heraus das manderl direkt in die große, weite welt blickt. das können die bayern, jawoll.

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    1. Vielen Dank für Deine sehr treffenden Anmerkungen, Eike.
      Die Melodica bei Thisell fand ich auch sehr schön, mich hat’s mitunter an den viel zu früh dahingegangenen St. Thomas erinnert.
      Das mit dem Manderl ist ein ganz wunderbarer Vergleich 😉
      Viele Grüße,
      Gerhard

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