Reingehört (84)

(c) Craig Berman - flickr commons - British Library

VA – Rastafari: The Dreads Enter Babylon – 1955-83: From Nyabinghi, Burro and Grounation to Roots and Revelation (2015, Soul Jazz Records)
Mustergültiger Sampler des Soul-Jazz-Labels, der die Bezüge der jamaikanischen Rastafari-Religion und ihre Verehrung des äthiopischen Kaisers Haile Selassie zur Reggae-Musik in ihren Ausprägungen von 1955 bis knapp Mitte der Achtziger Jahre dokumentiert.
Beginnend bei Klassikern des Bandleaders und Perkussionisten Count Ossie, der mit seiner Mystic Revelation Of Rastafari den wiedergeborenen Messias Selassie bereits in den fünfziger Jahren in einem Rastafari-Camp in den Bergen East Kingstons pries, bietet die Sammlung einen exzellenten Einblick in Jamaikas musikalische Vergangenheit, das beiliegende Begleitheft beschreibt den maßgebenden Einfluss des sogenannten Nyabinghi Drumming des Rastafarian Movement auf den in folgenden Jahrzehnten international beachteten Reggae, wie er spätestens seit den auch in der nördlichen Hemisphäre geschätzten Platten von Rastafari-Anhänger Bob Marley und seinen Wailers seine weltweite Verbreitung fand.
Die jamaikanische Roots-Musik entwickelte sich in unterschiedlichsten Reinkarnationen wie Dancehall oder Lover’s Rock weiter und verlor mehr und mehr den Bezug zur religiösen Basis, ohne den Rasta-Einfluss der frühen Jahre wäre diese Musik heute jedoch undenkbar.
Count Ossie ist auf dem Sampler mit mehreren Gruppierungen vertreten, Klassiker wie “Tales Of Mozambique” und “Narration” dürfen nicht fehlen, neben einigen mit Soul- und Jazz-Elementen experimentierenden Nummern wird mit “Ethiopia” von Lord Lebby der klassische Fünfziger-Jahre-Mento gewürdigt, 60er-Ska (Laurel Aitken, “Haile Selassie”) und 70er-Roots-Rock (“His Imperial Majesty” von Rod Taylor) kommen ebenso zu ihrem Recht wie der Dub-Poet Mutabaruka mit dem perkussiv unterlegten Gedicht „Say“.
An der Chronologie happert es etwas in der Abfolge der einzelnen Titel, zu sehr springt die Auswahl zwischen den einzelnen Jahrzehnten, ansonsten gibt es an der Übersicht zum Thema „The Dreads Enter Babylon“ wenig auszusetzen, hinsichtlich stilistischer Vielfalt in der Rasta-beeinflussten jamaikanischen Volksmusik bleibt keine Seite unerwähnt.
Zur Vertiefung der Thematik sei das nach wie vor gültige Standardwerk „Bass Culture“ von Lloyd Bradley (2003, Hannibal Verlag) empfohlen, das neben weiteren Aspekten und der historischen Entwicklung des Reggae auch dessen Bezug zur Rasta-Bewegung ausführlich durchleuchtet.
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Foto: (c) Craig Berman / Flickr Commons / British Library

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