Reingehört (89)

REINGEHÖRT 2015 sept 30

CocoRosie – Heartache City (2015, City Slang)
Neue, verwunschene Experimental-Indie-Pop-Miniaturen der spinnerten Casady-Schwestern Bianca und Sierra, wo anders wird das gerne unter den Sub-Genres New Weird America und Freak-Folk eingeordnet, das mittlerweile sechste Album, seit dem Debüt ‚La maison de mon rêve‘ (Touch And Go) aus dem Jahr 2004 hat sich der Sound der Geschwister vom LoFi-Charme der ersten Aufnahmen weiterentwickelt zu einem verhuschten, fragilen Gebräu aus Pop, Oper und Elektronik-Drones, getragen von verhaltenen Trip-Hop-Rhythmen, wie sie seit circa ‚The Adventures Of Ghosthorse And Stillborn‘ (2007, Touch And Go) von dem Duo gepflegt werden. Hinsichtlich Inhalten der bizarren Texte – “I’m out shopping in my commune / Finger fucking the fireflies / Spying on the masturbating snails / Hollyhock and cat tails” – hat sich kaum etwas verändert, der Sound mag, einem längeren Aufenthalt der Schwestern in Buenos Aires geschuldet, einige zusätzliche lateinamerikanische Einsprengsel und eine gewisse Leichtigkeit aufweisen, ansonsten bleibt die Grundstimmung wie gehabt sympathisch-verschroben, und im Fall von CocoRosie bedeutet das wie immer beste Unterhaltung fernab der ausgetretenen Pfade.
(****)

Eszter Balint – Airless Midnight (2015, Red Herring Records)
Die aus Budapest/Ungarn stammende und in New York lebende Eszter Balint dürfte dem geneigten Kinopublikum vor allem durch ihre Rolle als Cousine Eva („It’s Screamin‘ Jay Hawkins, and he’s a wild man, so bug off“) in Jim Jarmusch’s Kult-Streifen ‚Stranger Than Paradise‘ aus dem Jahr 1984 bekannt sein.
Als Musikerin war sie bereits auf Platten von Marc Ribot und zusammen mit Michael Gira auf Aufnahmen seiner Angels Of Light sowie seiner Noise-Götter Swans zu hören. Ihre beiden solistischen Ausflüge ‚Flicker‘ (1999, MIS) und ‚Mud‘ (2004, Bar) wurden in den Staaten unter anderem von der New York Times hochgelobt und bei uns kaum beachtet, dem neuen Werk mit seinem schmissigen, scheppernden, intensiven Film-Noir-Indie-Blues und seinen wunderbar relaxten Balladen wünscht man auch hier eine wesentlich größere Publikumsresonanz, im Gegensatz zum meist völlig belanglosen musikalischen Output der schauspielernden Zunft taugen die temperamentvollen, gehaltvollen Songs der Ungarin in ihrer Bandbreite von Songwriter-Nachsinnen bis Swans-beeinflusster Intensität tatsächlich eine ganze Menge.
J.D. Foster (Patty Griffin, Marc Ribot, Richard Buckner, Calexico) hat produziert und spielt Bass auf diesem Soundtrack für das nächste Sommer- oder Herbst-Gewitter.
(**** ½)

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4 Kommentare

  1. sind schon ein paar jahre ins land gezogen, seit meinem letzten cocorosie album. ich glaub, ich schenke dem neuen album mal wieder ein wenig aufmerksamkeit. somit wohl auch bald auf meinem kanal

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