Lena Bröcker: Neue Werte @ Karolinenplatz München

„If art is the tip of the iceberg
I’m the part sinking below
(…)
How far can my fantasy go?“

(Lou Reed, Smalltown)

Um den Obelisken am Münchner Karolinenplatz stehen bis 12. November symmetrisch angeordnet 40 Müll-Container zum Sammeln von wiederverwertbarem Material wie Altglas, Plastik und Metall. Es handelt sich dabei um die Kunstinstallation „Neue Werte“ der in Kiel geborenen und in München lebenden Künstlerin Lena Bröcker, die ihr Werk als letztes der fünf Projekte des Programms „Kunst im öffentlichen Raum“ zum Thema „München 2015: Eine Standortbestimmung“ präsentiert.

Laut ausgelegter Information zum Projekt soll so der täglich produzierte Müll in das Bewusstsein der Bürger gerückt werden, die Sammelstellen erfahren durch das Aufstellen an prominenter, exponierter Stelle eine Aufwertung.

Nicht jeder Besucher mag aus der Installation Kunstgenuss ziehen, wie es schriftliche Anmerkungen am Infokasten oder der kürzlich vom Sockel ins Grün gekickte Container belegen.

Der Karolinenplatz in der Münchner Maxvorstadt wird beherrscht von einem zentral erichteten, 29 Meter hohen Obelisken, der 1833 auf Veranlassung Ludwig I. zu Ehren der bayerischen Gefallenen des 1812 unter Napoleon Bonaparte geführten Russland-Feldzugs errichtet wurde. Der Entwurf für das Ehrenmal stammt vom klassizistischen Architekten Leo von Klenze, dessen zahlreiche Bauten aus dem 19. Jahrhundert noch heute das Münchner Stadtbild prägen.
Die Platzierung der Sammelcontainer für wiederverwertbaren Müll um das Monument macht Sinn, für seine Verkleidung wurden seinerzeit Bronzeplatten verwendet, die aus türkischen Geschützen von versenkten Schiffen aus dem Seegefecht von Navarino im Kampf um die griechische Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich im Jahr 1827 recycelt wurden.
Der Münchner Karolinenplatz findet sich in unmittelbarer Nähe zum NS-Dokumentationszentrum, zum Amerikahaus und zum Königsplatz und seinen angrenzenden Museen.

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3 Kommentare

  1. eine sehr wichtige thematik. gelangweilt blicke ich fast täglich auf das erhobene kunstsammelsurium. die umsetzung finde ich mehr als profan, wenn ich mir die wöchentlich überfüllten wertstoffkontainer hier in der nachbarschaft ansehe; ist die akzeptanz genau dieser kontainer dann nicht gegeben? die schriftliche reaktionen der passanten; für mich durchaus nachvollziehbar. schade, wirklich schade. eine aufrüttelndere installation wäre an dieser stelle sicher besser plaziert. und ehe ich es vergesse: ein sehr schönes zitat von lou reed, lieber gerhard – viele grüße, daniela

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    1. Liebe Daniela, danke für Dein Feedback, ich muss gestehen, ich hab’s erst gar nicht als Kunst-Installation wahrgenommen, ich war auf dem Weg zu einer Fotoausstellung im Amerikahaus, wenn ich durch die Kommentare nicht auf den Infokasten aufmerksam geworden wäre, hätte ich mich höchstens gewundert, was die Stadt da hinsichtlich Container-Lagerung treibt. In der Tat, aus der Thematik hätte man sicher mehr machen können, aber letztendlich ist der Kunstbegriff ja immer subjektiv…
      Viele Grüße,
      Gerhard

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