Macbeth

macbeth

Banquo: It will be rain tonight.
1st Murderer: Let it come down.
(William Shakespeare, Macbeth)

Whatever happened to all the heroes?
All the Shakespearoes?
(The Stranglers, No More Heroes)

Ein Fest für Shakespeare-Fans: Der düsteren Henry V.-Verfilmung Kenneth Branaghs nicht unähnlich, hat der australische Regisseur Justin Kurzel mit der Kino-Adaption des Dramen-Klassikers ‚Macbeth‘ ein bildgewaltiges Leinwand-Epos geschaffen, das jedem Freund des Größten aller Theaterautoren schwer ans Herz gelegt sei.
Das Nebel-durchzogene schottische Hochland bietet die gigantische Theaterbühne für das Drama um den Königsmörder und Tyrannen Macbeth, der in seiner ganzen wahnsinnigen Pracht vom deutschen Schauspieler Michael Fassbender verkörpert wird. Ebenso großes Kino bietet in der weiteren Hauptrolle die französische Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard als Lady Macbeth, der Rest der Besetzung ist nicht minder gut gewählt.
Die schwere, Gemüts-finstere, opulente Bildsprache und die brachial-archaische Darstellung der Schlacht- und Mord-Szenen erfährt durch die Rezitation der Original-Dialoge Shakespeares ihren würdigen Beitrag zu einem stimmigen Gesamtwerk.

Bei der gespenstischen Darstellung der drei Hexen, die Macbeth den Aufstieg prophezeien, mag dem Stephen-King-Fan einmal mehr vor Augen geführt werden, wo der Horror-Meister sein literarisches Vorbild für die kleinen Schwestern von Eluria fand, die zum Nebendarsteller-Personal seiner ‚Dark Tower‘-Welt zählen.

In der Realität soll der historisch belegte König Macbeth bei weitem kein so durchgeknallt-schlimmer Finger gewesen sein, wie ihm William Shakespeare im Jahr 1606 in seiner Tragödie anzudichten gelang.
Zwar hat auch dieser den schottischen König Duncan I. in einer Schlacht bei Elgin im Jahr 1040 hingemeuchelt, die folgenden 17 Jahre seiner Regentschaft waren jedoch eine Zeit des Friedens und des Wohlstands für das schottische Königreich.
Wie hat der altersweise Gentleman im Jahr 1989 in seinem unnachahmlichen schottischen Schmäh bei einer Führung durch den Holyrood Palace zu Edinburgh angemerkt: „Don’t believe this Guy from the South. Macbeth was a good King.“

Über die aktuelle ‚Macbeth‘-Verfilmung schrieb Oliver Kaever vor kurzem in der ‚Zeit‘: „Was wuchtig wirken soll und die Schicksalhaftigkeit der Handlung betont, führt bald zur Stagnation. Kurzels Macbeth kennt keine Modulation der Stimmung. Hier herrscht beständig Weltuntergangsstimmung und bärtige Männer schauen grimmig in die Kamera. Angesichts der Monotonie der Bilder verliert der Zuschauer bald das Interesse an den Ränken und Kämpfen, die sich im letzten Drittel gefühlt endlos hinziehen. Von psychologischer Genauigkeit keine Spur mehr.“
Hierzu sei kommentiert: „Don’t believe this Guy from the North…“

Die Musik für den offiziellen Film-Trailer stammt im Übrigen von den Swans, die New Yorker No-Wave-Krach-als-Kunst-Produzenten um den genialen Michael Gira und der olle Shakespeare, wie passend…

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22 Kommentare

    1. Lustig, genau meine Wahl. War auch ewig nicht mehr im Kino, aber die beiden müssen/mussten dann doch sein. Die neuen Bonds interessieren mich erst, seit Daniel Craig den Agenten gibt, vorher hat mich das immer völlig kalt gelassen (Sean Connery war auch ok, aber das war vor meiner Kino-Zeit).
      Viele Grüße,
      Gerhard

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      1. Haha, doch, kann sein ;-)) Der letzte Connery-Bond war ‚Diamentenfieber‘ von 1971, da war ich 6 und in dem Alter sind meine Oldies ganz sicher nicht mit mir in Bond-Filme gegangen – Deine etwa ? 😉

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      2. Nööö….das einzige Kinoerlebnis aus der Zeit, an das ich mich bezüglich meiner Eltern erinnere, war eins, da war ich nicht dabei 🙂 Die wollten unbedingt ins Kino und ich hab meine jüngere Geschwister verführt, Matratzenlager mit Cola- und Flips-Party im Wohnzimmer zu machen. Blöde Sache nur: Meine Erzeuger kamen früher heim – sie wollten „Kramer gegen Kramer“ sehen und landeten im „letzten Tango von Paris“. Den sie nicht bis zum Ende sahen. Mein Vater hätte das vielleicht schon gepackt, aber meine Mutter war völlig entsetzt – vom Film und von der Cola-Sause in ihrer guten Stube).

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      3. Ich habe seit 1995 keinen Bond mehr im Kino verpasst, die Craig-Filme sind irre gut. „Skyfall“ einer der besten Bonds überhaupt. Sonst habe ich momentan einfach kaum Zeit fürs Kino, aber „Macbeth“ muss dann schon auch sein. Viele Grüße, Gérard

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  1. Bin mal neugierig; ich LIEBE die Shakespeare-Verfilmungen von Kenneth Branagh und werde sicherlich, was eigentlich nervtötend ist, vergleichend gucken und ewig Pro und Contra bewerten. An Branagh finde ich großartig, dass er einen absolut menschlichen Hamlet oder auch Henry V. abgibt, Identifikationshürden gleich null. Dass er den MacBeth nicht auch verfilmt hat (obwohl das mal in Überlegung stand, oder?) ist eigentlich schade, aber so weit ich weiß spielten seine wunderbaren Shakespeare-Filme nicht genug Geld ein. Mal schauen, was dieser MacBeth so kann 😉 Allein schon die Verbindung aus Shakespeare und den Swans (!!!) ist mir auf jeden Fall einen Kinoabend wert. Liebe Grüße, Sonja

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    1. Mir ist der Branagh immer ein wenig zu selbstverliebt gewesen. Als Schauspieler. Bei den Mankell-Verfilmungen später ist er schon reduzierter (vielleicht altersweise?). Und die Scheidung von seiner Gattin Emma (wer auch immer welchen Anteil hatte) verzeih ich ihm nicht. Aber dennoch: Much ado about nothing ist immer noch eine meiner Lieblings-Komödien-Verfilmungen…

      Der Macbeth soll auch durch eine neue Interpretation der Lady Macbeth überzeugen. Ich bin gespannt…und freu mich unvoreingenommen.

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      1. Ich fand seine Frankenstein-Verfilmung auch super, aber mit der Meinung bin ich immer ziemlich allein dagestanden. Bei den Mankell-Sachen hat er schon sehr gut gepasst. Die „neue“ Lady Macbeth ist absolut sehenswert.
        Viele Grüße,
        Gerhard

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      2. Das mit Lady Macbeth wird interessant: Frau Cotillard kann ja gleichermaßen gut unschuldig, verführerisch und abgründig sein. Dass Branagh geradezu platzt vor schauspielerischem Selbstvertrauen, ist wahrscheinlich genau der Grund dafür, dass er es überhaupt in Angriff genommen hat, sich den legendärsten Namen der Theatergeschichte anzuheften und, mit sich selbst in der jeweiligen Hauptrolle und in eigener Regie, einen halben Kanon zu verfilmen – die reinste One-Man-Show. Trotz allem mag ich diesen leichten Größenwahn an ihm. Als Wallander mochte ich Branagh allerdings nicht, für diese Rolle war er mir zu sehr der klassische Brite – und da geht mir auch einfach nichts über den herrlich unspektakulären und trotzdem eigenwilligen Krister Henriksson.

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      3. An Frau Cotillard gefällt mir auch die schlichte Tatsache, dass sie nicht dieses typische Hollywood-Gesicht hat. Insgesamt eine sehr angenehme Erscheinung, die Gute.
        Krister Henriksson hat natürlich als Wallender auch sehr gut gepasst. Er dürfte wohl an der literarischen Vorlage am nächsten dran gewesen sein, schätze ich.

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      4. Ach, Rolf Lassgard mochte ich auch als Wallander – diesen großen, blonden Bären. Im Allgemeinen gefällt´s mir, wie Du schon sagst, immer am Besten, wenn Schauspielern nicht zu sehr dieses klassische Beauty-Schema anhaftet – man fühlt sich ja manchmal selbst in ernsthaften Filmen in eine Disney-Welt für Erwachsene versetzt.

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    2. Liebe Sonja,
      da wünsch ich Dir viel Vergnügen, bin gespannt, was Du sprichst. Auf die Branagh-Sachen stehe ich auch total. Fassbender gibt in der neuen Verfilmung schon eher das wahnsinnige Monster, aber ich denke, die Interpretation ist völlig ok. Ich als Zuschauer muss mich ja nicht mit jeder Rolle identifizieren. Wir hatten vor einigen Jahren hier in München am Volkstheater auch eine grandiose Richard III-Inszenierung, die in der Titelrolle schon fast Klaus-Kinski-artige Züge hatte, die Nummer gibt auch wahnsinnig viel her.
      Liebe Grüße,
      Gerhard

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