Built To Spill + Disco Doom @ Ampere, München, 2015-11-16

Disco Boom? Die Veranstalter haben es auch in diesem Jahr, wie bereits 2013 geschehen, geschafft, den Bandnamen der Schweizer Indierock-Band Disco Doom falsch aufs Plakat zu pinseln, Gitarristin Anita Rufer war schon glücklich, dass das Konzert-Ticket wenigstens die richtige Schreibweise enthielt, insofern alles beim Alten: wie bereits vor 2 Jahren musste Sänger/Gitarrist Gabriele De Mario für Richtigstellung sorgen, bevor das Quartett aus Zürich mit vertrackt-komplexen, Gitarren-dominierten Indierock-Perlen das Publikum begeisterte, sparsamer Gesang begleitete die oft ausladenden, sich auftürmenden Gitarrenwände, die Reminiszenzen nur an die Besten des Genres wie Sonic Youth oder Dinosaur Jr erlaubten, experimentelles Elektronik-Gefrickel paarte sich gar wundersam mit hochmelodischen Gitarrensoli, und so verlor sich auch am Montag schnell der Eindruck, mit Disco Doom stünde eine weitere, schnell zu überstehende Vorband auf der Bühne, einmal mehr legten die vier Schweizer eindrucksvoll Zeugnis davon ab, dass auch aus Helvetia mit Indie-Rock von internationalem Format zu rechnen ist, man denke bei der Gelegenheit nur an die wunderbaren Sportsguitar…
(**** ½)

Disco Doom / Homepage

Built To Spill geben keine Shows, sie spielen Konzerte, im wahrsten Sinn des Wortes. In sich versunken, hochkonzentriert, eine auf den Punkt eingespielte Band, kaum mit dem Publikum und untereinander kommunizierend, trieb das Quartett um Sänger und Gitarrist Doug Martsch, der einzigen personellen Konstante der Formation in der inzwischen auch schon wieder über 20-jährigen Band-Geschichte, den Indie-Rock am vergangenen Montag auf die Spitze, in teils ellenlangen Gitarren-Soli, man mag es fast -Orgasmen nennen, erging sich Martsch zur Freude der zahlreich anwesenden Fans, eingerahmt vom treibenden Rhythmus seiner Mitmusikanten, ohne den von früheren Auftritten gewohnten dritten Gitarristen, damit weniger verspielt und umso direkter und druckvoller.
Auf der Setlist fand sich eine höchst erfreuliche Mischung aus Werken der aktuellen Veröffentlichung ‚Untethered Moon‘ (2015, Warner) und ausgewählten Glanzstücken aus alten Tagen wie „In The Morning“ vom hervorragenden ‚There’s Nothing Wrong With Love‘-Album (1994, Up Records) oder „Liar“ vom 2006er-Glanzstück ‚You In Reverse‘ (Warner), von dem erstmals seit Veröffentlichung in der Münchner Built-To-Spill-Konzerthistorie – als einziger Wermutstropfen des Abends – der grandiose 8-Minuten-Opener „“Goin‘ Against Your Mind“ fehlte.
Doug Martsch unterstrich an dem Abend einmal mehr seinen Ausnahmestatus als Indie-Rock-Gitarrist, nur wenige dürften in dem Metier an technischer Brillanz und entfesselt-beseeltem Vortrag mit dem Mann aus Idaho mithalten können, unter Einsatz von Wah-Wah-Pedals demonstrierte er an dem Abend vermehrt seine Nähe zum Hendrix-Meister, seine Geistesverwandtschaft mit Größen wie Neil Young, Thurston Moore oder J Mascis ist in seinem Saitenspiel ohnehin nicht überhörbar.
Nach weit über 100 Minuten war Feierabend, den Nachschlag mit dem Konzert-Finale von Death Cab For Cutie in der Muffathalle nebenan haben wir uns geschenkt, zu beeindruckend waren Martsch & Co. an dem Abend, für Indie-Durschnittsware war da schlichtweg kein Nerv mehr und uns blieb als Fazit nur das berühmte Matthias-Kneißl-Zitat: „Fängt die Woch‘ schon gut an…“
(*****)

Built To Spill live + legal im Überfluss bei nyctaper.com.

Built To Spill / Homepage

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