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„Brooklyn war einfach nur deprimierend, niederschmetternd, zum Kotzen. Und genau aus diesem Grund traf man überall auf der Welt Leute aus Brooklyn. Jeder, der seine fünf Sinne beisammenhatte, machte, dass er so schnell wie möglich da wegkam, oder zog zumindest nach Park Slope oder in die Heights, beides Viertel, die eigentlich mehr der City zuzurechnen waren. Die City. So nannte man Manhattan, denn Manhattan – das war New York. Brooklyn dagegen war ein Dreck.“
(Jason Starr, Brooklyn Brothers, II, Kapitel 13)

Jason Starr – Brooklyn Brothers (2011, Diogenes)

Großkotz-Baseball-Star Jake Thomas kommt zu Besuch in die heimatliche Nachbarschaft im Brooklyn-Arbeiterviertel Canarsie, sein ehemaliger Schulfreund Ryan Rossetti ist der Einzige, der den Hype um den Widerling nicht lustig findet, hat er doch die Sport-Karriere wegen einer Verletzung an den Hacken hängen müssen, obwohl er der seiner Einschätzung nach wesentlich Talentiertere der beiden „Brooklyn Brothers“ gewesen wäre, gekrönt wird das Dilemma durch das gemeinsame Werben um die schöne Christina, die seit ihrer Schulzeit mit dem notorischen Fremdgeher Jake liiert ist, ehelichen will diese jedoch Ryan, der die permanente Abwesenheit des Sport-Profis hinsichtlich Knüpfung amouröser Bande zur Herzdame nutze, wie so oft bei Jason Starr folgen weitere Dramen auf dem Fuß und die beiden Hauptakteure finden sich unverschuldet zwischen den Fronten eines Drogengang-Scharmützels wieder, was für weitere Blessuren und unschöne Verwicklungen auf zwischenmenschlicher und juristischer Ebene sorgt.

„Saiquan glaubte nicht an Gott. Selbst im Knast hatte er sich nicht bekehren lassen. Dieser Jesus/Allah-Scheiß war was für Knackis, die sich dadurch irgendwie besser fühlen und nicht glauben wollten, dass ihr Leben tatsächlich so beschissen war. Wenn es Gott wirklich gäbe, dann hätte Er dafür gesorgt, dass die Kugel geradewegs Desmonds Herz oder Gehirn getroffen und seinem Leben ein rasches Ende gesetzt hätte.“
(Jason Starr, Brooklyn Brothers, II, Kapitel 7)

Ein typischer Starr-Krimi mit den vom Autor gewohnten, rasanten Dialogen, beklemmenden Milieu-Studien und der erdrückend-beängstigenden Schilderung fatal-unausweichlicher Situationen, die den unterschwelligen Horror im Alltag der unteren amerikanischen Gesellschaftsschichten widerspiegeln.
Die Pageturner-Qualität garantierende flotte Schreibe des New Yorker Autors, gepaart mit einer Geschichte, die hinsichtlich Komplexität überschaubar bleibt, und einem Plot, der nicht das ganz große Feuerwerk abbrennt, ergeben solide Kriminalliteratur-Kost, die durchaus zu gefallen weiß.

Jason Starr wurde 1966 in Brooklyn geboren, wo er auch aufwuchs. Neben zahlreichen Kriminal-Romanen veröffentlichte er zusammen mit dem irischen Hard-Boiled-Autor Ken Bruen zwischen 2006 und 2008 die „Max & Angela“-Krimitrilogie. Für den amerikanischen Comic-Verlag Marvel war er als Story-Schreiber tätig. Nach eigener Aussage ist er Experte für American Football, Baseball, Pferderennen und Glücksspiel.

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