Lost & Found (4)

39 Clocks Protest Songs

„Überzeugend. Leider in englisch.“
(Hans Keller, Sounds 9/80)

39 Clocks – 13 More Protest Songs (1987, What’s So Funny About)
Man kann durchzählen, so oft man will, mehr als 11 Songs werden es nicht auf dem einzigen Comeback-/Reunion-Tonträger des Psychedelic-Underground-Duos 39 Clocks aus Hannover, die Herren Jürgen „J.G.39“ Gleue und Christian „C.H.39“ Henjes hatten’s nicht nur mit dem Addieren nicht, auch als Native Speakers gingen sie aufgrund ihres unüberhörbaren teutonischen Akzents beim Vortrag ihrer englischen Lyrics kaum durch, ansonsten gab und gibt es beim akustischen Velvet-Underground-Psychedelic-Folk/-Blues der beiden Niedersachsen nichts zu beanstanden, wie auf den beiden Vorgänger-Longplayern ‚Paint It Dark‘ (1981, No Fun Records) und ‚Subnarcotic‘ (1982, Psychotic Promotion) bot das Duo nach zwischenzeitlicher Auflösung auf dem 1987er-Werk eklektischen Psycho-Trash-Blues-Folk im LoFi-Format zu einer Zeit, als die Prägung des Begriffs LoFi noch in weiter Zukunft lag.
Schönes Plattencover auch im Stil der alten Nikki-Sudden-/Jacobites-Scheiben, die musikalische, latent-morbide Geistesverwandtschaft zum Londoner Kult-Barden ist überdies unüberhörbar.
1987 hätte es fast mit einer Live-Begutachtung geklappt, beim „59:1“-Festival in der Münchner Alabamahalle – unter anderem mit John Cale – standen sie auf Programmzettel/Plakat/Ticket, wurde dann nix draus, das Duo war wohl bereits wieder in Auflösung begriffen, als Ersatz spielte die Berliner Trash-Combo Lolitas um die heutige Stereo-Total-Musikerin Françoise Cactus. War auch nicht schlecht.
(****)

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21 Kommentare

  1. Ja, Mensch: Hannoveraner! 😉 (Den alten Güterbahnhof kenn ich doch auch…) Wieder einmal klingt da ein 80er Album so, als hätte eine hippe aktuelle Band das gerade aufgenommen. Und hätten die Jungs noch einen Coffee-to-go-Pappbecher in der Hand, könnten sie mir geradewegs im Uni-Viertel übern Weg gestolpert sein (manchmal frage ich mich, ob die derzeit 19jährigen den weiter um sich greifenden Dylan/Ramones-Gedächtnis-Look tatsächlich für was Neues halten??). Liebe Grüße, Sonja

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    1. Bewährtes aus deutschen Landen ;-)) Eine Scheibe, die zeigt, dass die 80er gar nicht so schlecht waren, musikalisch betrachtet (waren sie ja eh nicht). Die heute 19jährigen halten ja auch Kurt Cobain für Gott (wo doch jeder weiß, dass das entweder Jim Morrison oder Hendrix war, Elvis käme evtl auch noch in Betracht) – aber da spricht jetzt wohl die Arroganz des Alters aus uns…. ;-))
      Liebe Grüße,
      Gerhard

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      1. Mach bitte weiter. S.Y.P.H. sagen mir auf Anhieb nichts. Letztens hörte ich mal wieder X-Mal Deutschland die in den 80er Jahren in England angesagt waren. Da gibt es noch so vieles was es lohnt wieder auszugraben.
        Liebe Grüße und Dir den schönen Abend,
        Stefan

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      2. S.Y.P.H. kamen aus dem Fehlfarben-Umfeld und haben sich dann vom Deutsch-Punk kommend ganz prächtig weiterentwickelt, sie haben u.a. auch mal mit Holger Czukay von Can zusammengearbeitet. Ich behalt’s mal im Hinterkopf.
        Liebe Grüße und einen schönen Abend,
        Gerhard

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  2. Apropos, Nikki Sudden durfte ich noch live erleben im örtlichen Punkschuppen bei mir daheim, das muss ca. 1994 gewesen sein. Ich wusste damals schon um seine besondere Bedeutung als Musiker und Künstler. So guckte ich beim Bierholen immer mal hin zu ihm, nach seinem Auftritt. Er hing ruhig sinnierend und relaxed rum und sah sich das Treiben im Club an.

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    1. Ich hab ihn des öfteren gesehen, obwohl es fast zu keinen Wiederholungen gekommen wäre, der erste Auftritt, den ich von ihm sah, war eine absolute Katastrophe, er war total dicht und hat nur mit der Bierflasche Bottleneck-Slide auf der Gitarre gespielt. Irgendwann gab ich mir dann doch einen Ruck und hab ihn mir dann wieder alljährlich im Feierwerk angeschaut, seine Musik mochte ich immer sehr. Die Auftritte waren dann auch durch die Bank sehr gelungen. Er ist dort auch immer vor und nach dem Konzert an der Bar bei einem Glas Rotwein abgehangen, jederzeit ansprechbar und kommunikativ. War schon ein Guter.
      Viele Grüße,
      Gerhard

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      1. Die Mit-Neunziger waren eine irre Zeit in unserem örtlichen Punk-Schuppen: sämtliche amerikanische Bands mit Rang und Namen spielten dort. Wenn ich mich richtig erinnere, spielten am Abend, als Nikki Sudden spielte, auch noch die Supersuckers. Gruß, Andreas

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      2. So war das auch im oberbayerischen Gammelsdorf. Im dortigen ‚Circus‘ (über den ich eigentlich auch mal was schreiben müsste), traten damals die versammelten Sub-Pop-Größen auf (erste Nirvana-Tour!), der australisch-neuseeländische Underground, und eben auch Leute wie Nikki Sudden und abseitigere Combos wie etwa Psychic TV oder die Flaming Lips in ihren frühen Jahren. Gab Zeiten, da war man dort jedes Wochenende vertreten. Halb Indie-München versammelte sich auch gerne dort, in der Pampa… ;-)) Gab seinerzeit viele Bands, die dann gar nicht mehr in München spielten. Wiki schreibt u.a. zu Gammelsdorf: „Überregionale Bekanntheit erlangte Mitte der 1970er bis Mitte der 1990er Jahre der Liveclub Circus wegen seiner Konzertveranstaltungen. Die ursprünglich als Kino und Café betriebene Lokalität war angeblich das „weltweit erste Land-Programmkino“. 1994 fiel das Lokal einer Brandstiftung zum Opfer und durfte nicht wieder errichtet werden.“

        Die Brandstiftung wurde im Übrigen nie aufgeklärt. Die Ortsansässigen waren wohl heilfroh, dass dieses „Punk-Gschwerl“ fürderhin ihrem Kaff fernblieb… ;-))

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      3. Eine tolle Zeit!!! Unsere „Zora“ (Namen des Clubs) galt als „Hardcore-Hochburg“ im Osten/Mitteldeutschland. Man musste ernsthaft überlegen, was man sich alles live ansehen wollte, damit man fit durch die Woche/Wochenende kam, weil sogar auch unter der Woche internationale Bands spielten. Manche Bands waren so sehr begeistert, dass sie unseren kleinen Club mehrfach besuchen wollten, und es auch gemacht haben (Ignite, Chokebore, Slapshot etc…).

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      4. Au Ha! TAD!? Da bin ich ich etwas neidisch! 😀 Eine meiner allerliebsten Bands überhaupt, auch heute noch! Ihre „Infrared Riding Hood“ ist richtig gut geworden und knallt immer gut. Tad Doyle macht heute mit Brothers of the sonic cloth eher heavy Doom.

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