Reingehört (107)

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V.A. – Senegal 70: Sonic Gems & Previously Unreleased Recordings From The 70’s (2015, Analog Africa / Groove Attack)
Tolle Sammlung, die einen repräsentativen Einblick in den musikalischen Schmelztiegel Senegal der 70er Jahre gewährt, eine faszinierende Fusion aus Funk, Soul, dem Senegal-typischen R&B/Soca-Konglomerat Mbalax, kubanischem Son und schweren Juju-Gitarren fügt sich zusammen zu einer hypnotischen Klangvielfalt, die auch Ausflüge in Grenzbereiche wie Trance-Jazz und den jamaikanischen Dub-Reggae nicht scheut.
12 grandiose Kleinode, von den vertretenen Solisten und Bands dürfte zumindest das 1970 gegründete Orchestra Baobab dem geneigten Weltmusik-Hörer geläufig sein.
Die westafrikanische Hafenstadt Dakar als Anlaufstation für Matrosen aus aller Herren Länder war gleichzeitig Umschlagplatz für unterschiedlichste Musiktraditionen, die sämtlich Einfluss in die senegalesische Pop-Musik fanden. Bereits in den 70er Jahren stand vor allem der kubanisch geprägte Sound in seiner vollen Blüte, der in den späten 90ern durch Ry Cooder und die Afro-Cuban All-Stars populär werden und den weißen Mann reich machen sollte, die in den 40er Jahren im Senegal tourenden kubanischen Ensembles trugen maßgeblich an Einflüssen bei.
Tropen-Groove, dem man sich kaum entziehen kann und mag, grandios, essentiell und beschwingt, Herz und Hirn gleichermaßen ansprechend.
Die Jahrzehnte alten Aufnahmen mögen hinsichtlich Wiedergabe an der ein oder anderen Stelle angestaubt klingen, der Beat und der Flow der Musik ist zeitlos, temperamentvolle Latin-/Havanna-Bläsersätze, geerdete Drums, treibende Bässe und an- und abschwellende Gitarrenläufe nehmen dem kommenden Winter den Stachel und lassen an den nächsten Miniatur-Papierschirm-dekorierten Fruchtsaft-/Alkohol-Mix denken.
44-seitiges Booklet mit vielen schönen Retro-Fotos und informativem Geschreibsel über Ibra Kassé, den „Father Of Modern Senegal Music“, das Orchesta Number One De Dakar, Mousa Diallo, das Orchestre Laye Thiam und alle weiteren auf dem Sampler vertretenen senegalesischen Musiker liegt bei.
(*****)

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10 Kommentare

  1. ,,,,,
    apropos Fundstücke aus Jamaica. Bin auf dem Gebiet grosser Laie. Ausser den Trojan Samplern (Rocksteady, Dub, Ska und Lovers Rock) und bein paar Bob Marley Platten kenn ich nicht wirklich viel. Was kannst du empfehlen? In Sachen Soul gibt’s ja auch ganz viel tolle Sampler. Hier kann ich die ganze Eccentric Soul-Reihe wärmstens empfehlen. Grosser Kino. Etwas vom besten, was zu Hause im Regal steht.

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    1. Trojan ist schon mal gut. Wer Sampler-mäßig absolut Exzellentes zu bieten hat, ist Soul Jazz Records.
      http://www.souljazzrecords.co.uk/
      Deren Sammlungen, vor allem zum Thema ‚Studio One‘ sind wirklich vom allerfeinsten, thematisch super aufgemacht und immer mit einem vernünftigen Begleitheft versehen. Einzelne Interpreten herauszuheben ist natürlich immer schwierig. Ich bin z.B. großer Fan von Burning Spear, vor allem seine frühen Sachen sind hervorragend. Lee Perry mag ich auch sehr gerne, aber der treibt sich ja eh quasi in Deiner Nachbarschaft rum, was Du mal erwähnt hast ? ;-))
      Viele Grüße,
      Gerhard

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      1. stimmt, Lee Perry hab ich natürlich auch im Sortiment zu Hause. Der legt oft in einem kleine Club hier in Zürich auf. Letzthin ist ja sein Studio/Haus leider abgebrannt. Der Arme hat nun keine Kostüme mehr…. Soul Jazz hab ich einen Dub Sampler rumstehen und sonst vor allem viel Obskures aus der Post-Punk Ecke. Burnig Spear check ich mal aus.

        Gefällt 1 Person

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