Reingehört (117)

NICO_TANGERINE_DREAM_REIMS_

Tangerine Dream – The Official Bootleg Series Volume One: Reims Cathedral December 1974 & Mozarthalle, Mannheim October 1976 (2015, Reactive)
Lässt die Herzen der Freunde des Krautrock und der elektronischen Experimental-Musik höher schlagen: Mustergültiges 4-CD-Paket mit zwei der gesuchtesten Bootlegs der 1967 in Berlin von Edgar Froese gegründeten Sound-Pioniere Tangerine Dream, nun in offizieller und restaurierter Version vorliegend.
Eine der wichtigsten deutschen Bands in den frühen Siebzigern hatte mit dem englischen Kult-DJ John Peel einen prominenten Förderer auf der Insel, 1973 kürte er das Album ‚Atem‘ (Ohr) zu seiner „Record Of The Year“ und dürfte damit seinen Beitrag zum Plattendeal der Band mit dem englischen Virgin-Label beigesteuert haben, 1974 brachte die Band das Meisterwerk ‚Phaedra‘ als Virgin-Debüt auf den Markt, im selben Jahr spielte sie zusammen mit der Velvet-Underground-Ikone Nico eines der aufsehenerregendsten Konzerte der Ära: in der Kathedrale zu Reims, einem der bedeutendsten gotischen Sakralbauten, dort, wo früher französische Könige gekrönt wurden, gab sich die damalige Creme des deutschen Musik-Experiments die Ehre. An einem Ort, an dem man sich das Harmonium-Georgel von Frau Paeffgen bereits sehr gut vorstellen kann, passten die beiden ellenlangen, von Tangerine Dream in der Besetzung Froese/Franke/Baumann dargebotenen Ambient-/Elektronik-/Drone-Preziosen perfekt ins Bild. Lange nur in reduzierter Bootleg-Qualität verfügbar, liegt nun die Dokumentation eines außergewöhnlichen Konzerts, bei dem man gerne zugegen gewesen wäre, in vernünftigem Klang vor.
Nichtsdestotrotz führten die Umstände und die Präsentation des Konzerts zu einem Dekret des Vatikan, fürderhin keine Aufführungen dieser Art mehr in Kathedralen zu genehmigen. Obwohl die Musik durchaus in ihren erhabensten Momenten meditativ-sakrale Kontemplation befördert, gab man sich in Rom gewohnt unhumorig, aufgrund der Einnahme von Bewusstseins-erweiternden Substanzen kam es beim Publikum wohl vermehrt zu unkontrollierten Heiligen-Erscheinungen in der gigantisch-grandiosen Kirche, bei sowas kennt der katholische Klerus keinen Spaß.
CD 3 und 4 dokumentieren ein Konzert, das die Klang-Experimentierer 1976 in der Mannheimer Mozarthalle spielten, welches in Tangerine-Dream-Fan-Kreisen als Bootleg bisher ähnlich gesucht/verehrt wurde wie die Reims-Aufnahmen und das in seiner Güte diesen in nichts nachsteht.
(***** – ***** ½)

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3 Kommentare

  1. Krautrock ist so ein Begriff bei dem bekomm ich schon vom Namen her bissl Bauchweh, weil es so unverdaulich klingt 😉 Ich sollte mich da mal rantrauen, oder ? Ich mags ja gerne elektronisch-düster. Nico hatte ich irgendwie gar nicht so elektronisch auf dem Schirm. Hmm die dunklen 70er alles nicht ganz klar, wer da was wie gemacht hat 😉

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    1. Du hast schon recht, Nico ist eher ziemlich Orgel-/Harmonium-lastig und vor allem recht düster.
      Krautrock ist irgendwie ein weites Feld, da gibt es auch ganz schlimme Sachen, aber bei Tangerine Dream, Can (v.a. Monster Movie, Tago Mago, Ege Bamyasi), Cluster, Faust, Popol Vuh, Amon Düül II kann ich Dir ein Reinhören schwer empfehlen.
      Liebe Grüße,
      Gerhard

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