Reingehört (118)

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V.A. – Joy Of Living: A Tribute To Ewan MacColl (2015, Cooking Vinyl)
Zum Anlass des hundertsten Geburtstags des Meisters hat das Londoner Indie-Label Cooking Vinyl im vergangenen Herbst eine wunderbare Coverversionen-/Song-Sammlung mit großartigem schottischen Folk aus der Feder des Songwriters, Theaterschauspielers, Poeten, Kommunisten und Labour-Aktivisten Ewan MacColl veröffentlicht.
MacColl engagierte sich unter anderem für atomare Abrüstung und im hier vor kurzem thematisierten britischen Bergarbeiterstreik in den Jahren 1984 bis 1985 auf Seiten der National Union of Mineworkers. Seit 1932 führte der britische Geheimdienst MI5 eine Akte über MacColl  – „a communist with very extreme views who needed special attention„.
Der Reigen der Gratulanten erstreckt sich von den üblichen Verdächtigen bis zu dem geneigten Folk-Hörer weniger bekannten oder gar überraschenden Interpreten. Die derzeit wohl zur Speerspitze der Vortragskünstler traditionellen britischen Liedguts zu zählenden nordenglischen Unthanks-Schwestern dürfen nicht fehlen, und auch die Präsenz des geistesverwandten Polit-Barden und Aktivisten Billy Bragg wird wenig überraschen, zumal Ewan MacColls viel zu früh verstorbene Tochter Kirsty im Dezember 1984 ihrerseits mit der Interpretation des Billy-Bragg-Klassikers „A New England“ einen Top-Ten-Hit in den UK-Charts landete, bekannt wurde sie vor allem als Duett-Partnerin von Shane MacGowan in dem Pogues-Hit „Fairytale Of New York“.
Ex-Pulp-Frontmann Jarvis Cocker treibt „The Battle Is Done With“ in Richtung Tindersticks und auch bei der Interpretation von „Sweet Thames, Flow Softly“ durch das Wainwright-Geschwisterpaar Martha und Rufus kommt der Schmalz nicht zu kurz, politisch hart am Wind segelnd dagegen die „Companeros“-Version des IRA-Sympathisanten Christy Moore über die kubanische Revolution („Courage was their armour as they fought at Fidel’s side with Che Guevara“). Dazwischen bekanntere Interpreten und Bands wie der Carthy/Waterson-Clan, Damien Dempsey, Paul Buchanan (The Blue Nile), der irische Songwriter Paul Brady, der englische Indie-Rocker David Gray oder die Alternative-Folker vom Bombay Bicycle Club und unbekanntere Interpreten, bei denen zuforderst der englische Folk-Musiker Seth Lakeman mit seiner grandiosen Fassung von „The Shoals Of Herring“ hervorzuheben ist.
Das vor allem durch die Version der Pogues auf ihrem Album ‚Rum Sodomy & The Lash‘ (1985, Stiff) populär gewordene „Dirty Old Town“ darf der Alternative-Country-Held Steve Earle zum Besten geben, in Anlehnung an dessen berühmt-berüchtigten Spruch in Bezug auf Bob Dylan/Townes Van Zandt behaupte ich hier frech, dass mein alter Freund k.ill von The Almost Boheme die Nummer weitaus besser drauf hat, „…and I’ll stand on Steve Earle’s coffee table in my cowboy boots and say that.” Abgesehen davon, dass ich gar keine cowboy boots besitze, wird es höchste Zeit, dass die hierzu lange angekündigte Single das Licht der Welt erblickt und diese Behauptung untermauert.
(**** ½ – *****)

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2 Kommentare

  1. Ewan MacColl, wunderbar, die Shoals of Herring waren mir da der bekannteste Begriff – Heringsfischer in meiner Familie, tja. Aber Du meine Güte: Dirty Old Town war ursprünglich NICHT von den Dubliners?! Wieder dazu gelernt! Viele Grüße, Sonja

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