Reingehört (121)

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Tortoise – The Catastrophist (2016, Thrill Jockey)
Kein neues ‚TNT‘ (1998) und schon gar kein an das ‚Millions Now Living Will Never Die‘-Wunderwerk (1996, beide Thrill Jockey) heranreichendes neues Tortoise-Album, das erste seit fast sieben Jahren, weniger Post-Rock und Experiment, dafür vermehrt und verstärkt Elektronik-Gemucke, Math-Rock, artifizieller Club-Trance-Ambient, mitunter das gewohnt-vertraute Jazz-Fusion-Gedudel, über weite Strecken trotz vereinzelter Unkenrufe durchaus nicht unspannend. Georgia Hubley von Yo La Tengo trällert bei der LoFi-Indie-Ballade „Yonder Blue“, die Gesangspassagen drängen im Vergleich zu früheren Werken vermehrt in den Vordergrund, was der Stoff, wie auf dem Album wiederholt angedeutet, an hypnotischer Kraft besitzt, wird sich auf der anstehenden Europa- und US-Tournee vor allem konzertant finden – oder eben auch nicht, wir werden sehen, zum Beispiel am 29. Mai im Münchner Hansa39…
(****)

Tortoise live @ nyctaper.com  + southernshelter.com

Bonnie ‚Prince‘ Billy – Pond Scum (2016, Domino Records)
Will Oldham, Palace Music, Palace Brothers, Bonnie ‚Prince‘ Billy, letztendlich egal, unter welcher Adresse der wunderliche Waldschrat aus Louisville/Kentucky firmiert, geneigte Folk-Hörer wissen bei ihm seit Jahrzehnten, was sie erwartet, so auch hier: Songwriting der reinen Lehre, umgesetzt in intensivem, eindringlichem Vortrag und dezenter Instrumentierung, erweitert und bereichert durch partielle, in Töne gegossene Verzweiflung, die sodann mit rauherem Gitarren-Anschlag einhergeht, live im BBC-Studio im Rahmen der legendären John-Peel-Sessions zu diversen Gelegenheiten eingespielt, durchgehend auf früheren Veröffentlichungen zu findendes Material. Für Komplettisten, nix, was den Oldham-Kosmos wesentlich bereichert. Wer den Mann in seiner ganzen Pracht genießen will, greife zu frühen Glanztaten wie dem 1993er-Palace-Brothers-Debüt ‚There Is No-One What Will Take Care Of You‘, ‚I See A Darkness‘ (1999), der herausragenden Rundum-glücklich-mach-Platte ‚Ease Down the Road‘ (2001, alle Domino) oder ‚Superwolf‘ (Drag City), seiner Kollaboration mit dem Gitarristen Matt Sweeney aus dem Jahr 2005. Nachvollziehbar macht – für sich betrachtet – selbstredend auch ‚Pond Scum‘, warum der Mann seit vielen Jahren die Kritiker begeistert und überzeugt, allein, man kennt das Material schon zur Genüge.
(*** ½ – ****)

Bonnie ‚Prince‘ Billy And The Cairo Gang live @ nyctaper.com

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6 Kommentare

  1. Ich hab da so gemischte gefühle. Rock on geht z.B gar nicht. Auch Shake Hands With Danger find ich weniger spannend. dann aber gibts immermal wieder Melodien die aus dem Nichts auftauchen (Gesceap, Clearing Fills) und das Ganze dann doch massiv aufwerten. Wie du sagst, kein Meisterwerk, aber sicher auch nicht so schlecht wie viele tun. …. und für den Hubley Song gibts extra Punkte.

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    1. So ungefähr sehe ich das auch. Ich hätte mir weitaus weniger erwartet, nachdem auf der Platte größtenteils nur rumgehackt wird. Ein paar Ausfälle, genau, aber 70 – 80% sind ein Hinhören wert. Zumindest hat mir die Scheibe nicht die Lust auf das Konzert im Mai verdorben, wie zuletzt etwa bei Mercury Rev oder aktuell bei den Tindersticks geschehen…
      Viele Grüße,
      Gerhard

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  2. Ich hätte auch nicht gerade damit gerechnet, dass Tortoise sich plötzlich neu erfinden – macht mir aber nix aus. Ich hab bisher ein bisschen hier, ein bisschen da davon gehört, und ein bisschen hört es sich an, wie nach Hause kommen: Tortoise sind bombenfester Bestandteil meiner „Nachtmusik“, ich fühl mich einfach wohl, wenn mich das halbträumerisch begleitet 😉 Liebe Grüße, Sonja

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    1. Nö, macht überhaupt nix. Ich kann mir vorstellen, dass das meiste neue Material auch live gut funktionieren wird. Als alter Eleventh-Dream-Day-Fan war ich ihnen allein schon wegen Douglas McCombs immer sehr verbunden.
      Nachtmusik: passt 😉
      Liebe Grüße,
      Gerhard

      Gefällt 1 Person

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