Reingehört (125)

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„Dad Horse has built a narrative in both his act and music which creates visions of a wanderer of dirt tracks and smoky cabarets, a cracked voice shaking a rusty tin can. It’s almost too compelling to ignore.“
(Matthew Boulter, Americana-UK, The Theatre of the Gutter, 2015)

„Questionmark in the dark, that’s what we are.“
(The Dad Horse Experience)

The Dad Horse Experience – Eating Meatballs On A Blood-Stained Mattress In A Huggy Bear Motel (2016, Sacred Flu)
Einen großen Schritt nach vorne macht Dirk Ottn aka The Dad Horse Experience auf seinem dritten Studio-Longplayer, nach ‚Too Close To Heaven‘ (2008), ‚Dead Dog On A Highway‘ (2011), dem Konzert-Mitschnitt ‚Live In Melbourne‘, im XXL-Format zusammen mit Anto Macaroni (Electric Guitar) und Renato Vacirca (Drums, Megaphone) während der 2012er-Australien-Tour eingespielt, diversen Singles und dem Best-Of-/Schönste-Melodien-Sampler vom Vorjahr beglückt uns our national Treasure and most beloved Bremer Keller-Gospler mit sieben brandneuen Erweckungspredigten, die den DHE-Kosmos in Punkto musikalische Vielfalt in ungeahnte, neue Galaxien katapultieren.
Der Opener „Will I Be Someone“ mag noch in der alten Kellergospel-/Alternative-Country-Welt verhaftet sein, der die Sinnfrage stellende Song über die Tattoos inside, die den inneren Schmerz spürbar machen, sorgt für einen behutsamen Übergang in für Ottn-Verhältnisse neue Soundlandschaften, die sich Bahn brechen im folgenden „Reach Out Your Hand Revisited“, einer gespenstisch-verstörenden Neubearbeitung seiner „Reach Out…“-2008er-Nummer vom ‚Too Close To Heaven‘-Debüt, zu dem Regisseur Marc Littler von Slowboat Films im übrigen ein grausig-geniales Video drehte.
„Love Is A Meatgrinder“ ist der allererste echte Dad-Horse-Love-Song ever published, selbstredend ein trauriger, hier die „Detroit Version“, eingespielt ebendort, während seines 6-Stunden-US-Aufenthalts, bevor ihn die amerikanische Einwanderungsbehörde kurzerhand wegen fehlender Artisten-Arbeitserlaubnis wieder mit dem nächsten Flieger völlig unhumorig nach good old Germany abschob. Kommt im Stil von 20er-Jahre-Field-Recordings und hätte gut und gerne auch auf der von Harry Smith zusammengestellten ‚Anthology of American Folk Music‘ (1952, Folkways) enthalten sein können.
„Under Swine & Bears“ erinnert an indianisch-/schamanische Beschwörungen, John Trudell/Bone-Days-Phase drängt sich als Referenz auf, die in Ton gegossene Meditation soll sich auf ein Werk namens „Cloud Of Unknowing“ beziehen, das ein unbekannter Meister im 14. Jahrhundert komponierte.
Der Country-Blues „Little White Fish“ bietet nochmal vertrautere Kost, die fragwürdigen Lyrics bewegen sich laut Dad Horse Ottn auf dem Niveau „H.P. Lovecraft attending an AA meeting in the Sesame Street“ ;-))
„Huggy Bear Motel“, das Titelstück des Tonträgers, ist eine Banjo- und Slide-Gitarren-Drone-dominierte, surreale Moritat über den Kerl, der mein Baby letzte Nacht einen Moment zu lange angestarrt hat und dessen tote Augen sich jetzt in meiner Jackentasche befinden.
Das abschließende „Rain“ ist eine 17-Minuten lange Sintflut von einem Song, der sich psychedelisch-mäandernd in die Gehörgänge der Wanderprediger-Jünger fräst – „17 minutes of madness & redemption“, das Reflektieren der Wege des armen Sünders hin zur Erlösung erfährt hier in der wunderbaren und seltsamen Welt des Keller-Gospels endgültig absolut neue Ausdrucks-Formen, wir gehen in die Knie und erstarren in Andacht. Amen.
(**** ½ – *****)

https://soundcloud.com/dadhorse/will-i-be-someone

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