Reingehört (130)

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„In der dunklen Nacht der Seele ist es immer drei Uhr morgens.“
(F. Scott Fitzgerald)

Antun Opic – Shovel My Coal EP (2015, Antuned / Traaxx Music)
Antun Opic – No Offense (2012, Antuned / Traaxx Music)
Auf den Münchner Sänger und Gitarristen Antun Opic ist inzwischen auch die internationale Presse aufmerksam geworden, Claire Davies vom MusicRadar UK notiert beispielsweise völlig zu Recht: „Antun Opic is the real song-writing deal. A rare talent„, beim Jazz-Fest in Montreux ist er im vergangenen Jahr auch aufgetreten und das sollten eigentlich bereits Referenzen genug sein, um die Neugierde der geneigten Hörerschaft zu wecken sowie Veranlassung, den aktuellsten Tonträgern des jungen Ausnahmemusikers ein Ohr zu leihen.
Auf der 2015er-EP ‚Shovel My Coal‘ bietet er in 4 Stücken die ganze Bandbreite seines musikalischen Kosmos, das Titelstück ist eine gelungene Symbiose aus Gypsy-Swing, New-Orleans-Blues und diesen bei Opic oft latent durchschimmernden Verweisen auf das morbid-kaputte Tom-Waits-Œuvre. „The Journalist“, Opic’s kritische Auseinandersetzung mit dem Presse-Beruf, kommt mit härterem Rock-Groove, „Hide & Seek“ ist eine schöne Vaudeville-Ballade für Zirkus und Cabaret mit dezenten Klezmer-Einwürfen, die jedem Fellini- oder Kusturica-Film als Soundtrack gut zu Gesicht gestanden wäre, und „Come With Me“ ist ein schöner, relaxter Schleicher zum Ausklang. Die Klammer um diese stilistische Vielfalt bildet die griffig-charakteristische Stimme Opics, die dem organischen Sound dieses Soundtracks für Spelunken und Lagerfeuer sprichwörtlich die Krone aufsetzt.
In seiner ganzen Pracht war der Geschichtenerzähler Opic bereits 2012 auf der 12-Song-Sammlung ‚No Offense‘ zu vernehmen, der Tonträger ist alleine wegen seines wunderschönen, hochformatigen Siebdruck-Covers die Anschaffung wert, zudem beheimatet er inzwischen vielfach erprobte Konzert-Highlights wie die herausragende Ballade „Moses“ oder die vermutliche Mafioso-Geschichte über „Juanita Guerolita“. Es ist alles da, was den typischen Opic-Sound auszeichnet, der Flamenco-/Gypsy-Gitarren-Swing irgendwo zwischen Django Reinhardt und Coco Schumann, der Akustik-Blues in all seinen Spielarten und die dezenten Jazz-/Klezmer-Einfärbungen mittels Saxofon und Klarinette. Der Hörer darf sich nie zu sicher sein, unvermittelt schieben sich mitunter dunkel-düstere Gewitterwolken vor die kroatische Sommersonne, und doch fügt sich das filigrane wie pikante musikalische Gebräu zu einem höchst stimmigen Gesamt-Klangbild.
Die perfekte Musik für die blauen Stunden.
(*****)

Antun Opic spielt ohne seine exzellenten Mitmusiker Tobias Kavelar, Isaac Reed, Mathis Riehm, Heinz Peters, Freddy Engel und Horst Richard Fritscher am 25. Februar solo im KAP37,  des Weiteren in Trio-Besetzung am 27. Februar im Club Leonhard in Wasserburg.

Antun Opic / Homepage

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