Reingehört (132)

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Waco Brothers – Going Down In History (2016, Bloodshot / Rough Trade)
Gut wie lange nicht mehr, vielleicht das beste Album der Brüder seit ‚Electric Waco Chair‘ (2000, Bloodshot) mit dem alles mitreißenden „Walking On Hells Roof Looking At The Flowers“, im Uptempo-Grundton dieses Krachers kommen die meisten der zehn neuen Stücke der Combo um Jon Langford, sein Country-Rock-Outfit öffnet die Flanken im Gegensatz zu früheren Honky-Tonk-Glanztaten weit mehr in Richtung strammer, gradliniger 70er-Jahre-Stones-Rock und auch die Nähe zum Indie-Punk-Folk der Langford-Hausband Mekons erscheint in manchen Titeln unverkennbarer denn je. Bereits mit dem Opener “DIYBYOB” (Do It Yourself Bring Your Own Beer ?????) wird dem geneigten Hörer gewahr: Da ist der Herrgott daheim, und da bleibt er auch für den Rest des gut abhottenden Tonträgers, auf dem auch der altgediente Waco-Bruder mit dem herrlichen Namen Dean Schlabowske wieder an Gesang und Gitarre zugange ist.
Feiner Zug zudem, dass der notorisch unterschätzte texanische Songwriter Jon Dee Graham mit der Waco-Interpretation seines „Orphan Song“ auch noch zu ein paar Tantiemen kommt…
(**** ½)

Jon Langford Live, Maxwell’s, Hoboken/New Jersey, 2013-07-09 @ nyctaper.com

Waco Brothers Live zuhauf @ archive.org

Freakwater – Scheherazade (2016, Bloodshot / Rough Trade)
Dem weit über 20 Jahre ihre Tonträger veröffentlichenden Thrill-Jockey-Label sind die Ladies und der Gentleman untreu geworden, ansonsten ist vieles beim Alten auf dem seit über einer Dekade ersten neuen Freakwater-Album, das Werk mutet an wie eine Werkschau früherer Glanztaten des Trios, die Eleventh-Dream-Day-Drummerin Janet Beveridge Bean, ihre Schwester im Geiste Catherine Irwin und der Bassist Dave Gay klingen nach wie vor wie die entfernte Verwandtschaft der Carter Family oder die unehelichen Kinder von Doc Watson, überwiegend in nachdenklichem, düsteren, in Moll gehaltenem Grundton wird der schwere Bluegrass des ‚Feels Like The Third Time‘-Meisterwerks (1993, Thrill Jockey) ebenso zu Gehör getragen wie die stilistische Öffnung/Erweiterung in Richtung Alternative Country, Folk, Gospel und Country Blues, wie sie auf folgenden, nicht minder exzellenten Tonträgern der Band vertreten war. Finstere Welten, thematisiert im beseelten Frauen-Duett-Gesang und prominent verstärkt von Gastmusikern wie James Elkington (Eleventh Dream Day, Tweedy) und dem Nick-Cave-Spezi Warren Ellis (Dirty Three, Bad Seeds, Grinderman).
(****)

Freakwater Live, Bell House, Brooklyn/New York, 2016-02-16 @ nyctaper.com

The Skiffle Players – Skifflin’ (2016, Spiritual Pajamas)
Der kalifornische Indie-Songwriter Cass McCombs hat sich mit Bandmitgliedern der Beachwood Sparks und dem vor allem dank seines Westcoast-Geniestreichs ‚Fade Away Diamond Time‘ (1995, Glitterhouse) hochgeschätzenten Gitarristen Neal Casal zusammengetan, letzteren kennt man im Übrigen auch durch seine jahrelange Mitarbeit bei Ryan Adams, McCombs hat mit Hilfe der namhaften Mitmusikanten-Sippe eine handwerklich perfekte 70er-Jahre-US-Musikhistorie zusammengebastelt, die Vieles an Reminiszenzen an filigranen Folk-Rock, psychedelische Einsprengsel, New-Orleans-Shuffle, Grateful-Dead-artigen Jam-Einlagen inklusive formvollendeter Jerry-Garcia-Gitarrenlicks, Neil Young im Verbund mit den drei Füße-Einschläferern CSN, Dylan-und-The-Band-Keller-Blues und Westcoast-Gedudel enthält, dafür aber null einheitliche Linie, gegen einen heterogenen Ansatz an sich wäre noch nichts einzuwenden, aber langweilen tut’s dann an der ein oder anderen Stelle auch noch gehörig, anhand der runtergebeteten Liste an Einflüssen wird offensichtlich, dass man das alles schon mal irgendwo – und mitunter weitaus beherzt-beseelter – gehört hat…
(*** – *** ½)

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