Ben Frost + Origamibiro @ Frameworks Festival, Einstein Kultur, München, 2016-03-11

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Tag 2 des Frameworks Festivals für experimentelle Musik war der Tag der extremen Gegensätze, Freunde des gepflegten Ambient wurden ebenso beglückt wie die hartgesottenen Hörer finsterer Drones.
Den Abend eröffnete das audio-visuelle Künstlerkollektiv Origamibiro, gepaart mit ausgesucht britischer Höflichkeit zelebrierten der Gitarrist Tom Hill und der Kontrabassist Andy Tytherleigh (aka Shmoov/Hubtone/Debaser Boy) ihre analog-akustisch vorgetragenen, sich genügend Zeit zur Entfaltung nehmenden musikalischen Meditationen, die mit elektronischen Beigaben in Form von Field Recordings, Ambient-Soundlandschaften und gesampelten Geräuschen wie dem Zerknüllen von Filmrollen und dem Schütteln einer Wasserflasche ergänzt wurden, zwischen abstraktem Trance und wunderschönen Melodien/Rhythmen wandernd bot das Klangbild wohltuende musikalische Entspannung, die das Publikum trotz bedächtig-harmonischem Grundton immer forderte und genügend Wendungen parat hielt, um die Grundspannung auf hohem Niveau zu halten.
Exzellent bereichert wurde der akustische Wohlklang durch die zu Teilen live vor Ort produzierte visuelle Installation von Jim Boxall (aka The Joy Of Box), der sympathische Brite legte über vorhandenes Videomaterial seine parallel zum Konzert abgescannten Bilder aus Büchern und Dia-Fotos, dezent in der Darstellung verzerrt bot sich den Besuchern ein optischer Rausch, der den akustischen Gehalt der Multimedia-Aufführung ideal unterstützte.
(**** ½ – *****)

Nachdem Festival-Kurator Daniel Bürkner an all jene, die diesbezüglich nicht gerüstet waren, den nötigen Gehörschutz für die folgende Aufführung verteilt hatte – Bürkner auch dahingehend ein vorbildlicher, nicht genug zu lobender Kümmerer um die Veranstaltung und das Wohl der Besucher – stand mit der Aufführung des aus Melbourne stammenden und im isländischen Reykjavik ansässigen Experimental-Künstlers Ben Frost das Highlight der diesjährigen Veranstaltungsreihe an. Frost ist im Bereich der abstrakten Musik kein unbeschriebenes Blatt, er hat unter anderem bereits mit Größen wie Brian Eno und Tim Hecker in Kooperation produziert und gilt als Ikone des experimentellen Noise.
Das knapp einstündig aufgeführte Werk des gebürtigen Australiers lotete am Freitagabend die Grenzbereiche zwischen Minimal-Klassik, abstraktem Drone und den Härten des Black Metal aus, kontemplative, Melodien erkennen lassende Ambient-Verzerrungen gaben sich mit einem weißem Rauschen die Hand, welches sämtliche gängigen Soundstrukturen zersetzte und auflöste, im Verbund mit der angedeuteten, Schmerz-erzeugenden Intensität des Metal formte sich ein gleichermaßen verstörendes und faszinierendes Soundgebilde, dessen Sog sich der Zuhörer schwer entziehen konnte, die unfassbare Schönheit des markerschütternden, kompromisslosen Lärms der Swans in ihrem konzertanten Rausch oder die finalen, atonalen Auflösungen der ellenlangen Ton-Meditationen von J. R. Robinsons Ambient-Metal-Projekt Wrekmeister Harmonies mögen als Anhaltspunkte dienen.
Die düstere Grundstimmung wurde durch den abgedunkelten, vom Trockeneis durchfluteten Raum und den sporadisch aufblitzenden Lichtimpulsen optimalst verstärkt, so könnten sich postmortale Zustände anfühlen, eine vom Grundrauschen durchwirkte Düsternis, in dem das Zucken des Lichts den Weg aus der Finsternis weist.
(***** – ***** ½)

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