Federico Albanese + Stabil Elite @ Frameworks Festival, Einstein Kultur, München, 2016-03-12

frameworks_2016

Der finale Abend des diesjährigen Frameworks-Festivals im Kellergewölbe des Einstein Kultur bot weitaus mehr Ambivalenz denn Ambient:
Den ersten Teil gestaltete der in Mailand geborene und mittlerweile in Berlin lebende Komponist und Pianist Federico Albanese, der Norditaliener überzeugte mit getragener, melancholischer Minimal-Klassik, seine einfühlsam vorgetragenen Variationen am Konzertflügel, denen er punktuell mit sparsam-dezent eingesetzten, wohldosierten Trance-Loops eine individuelle Note verlieh, stießen im vollbesetzten Einstein-Kultur-Keller auf zugewandte Musik-Interessierte.
Der hochsympathische, zwischen den Aufführungen dankende Worte an die Anwesenden richtende Albanese führte Werke aus seinem aktuellen Album ‚The Blue Hour‘ (2016, Neue Meister / Edel) auf, wer die Windham-Hill-Einspielungen aus den achtziger Jahren des Neoklassik-/Jazz-/Folk-Grenzgängers George Winston, die Minimal-Music-Solo-Piano-Werke von Philip Glass oder das Klavierwerk ’23 Solo Pieces For La Naissance De L’Amour‘ schätzt, das John Cale für das belgische Label Les Disques du Crépuscule 1993 als Soundtrack für einen Film von Philippe Garrel einspielte, die- oder derjenige dürfte auch am vergangenen Samstagabend bei klar strukturierten Melodien und einem musikalischen Wandeln zwischen Nachdenklichkeit und Euphorie glücklich geworden sein.
(**** ½ – *****)

Das finale Konzert der 2016er-Ausgabe der dreitägigen Frameworks-Reihe bestritt die Düsseldorfer Elektro-Schlager-Combo Stabil Elite mehr schlecht als recht, das Quintett wird dem Krautrock in der Tradition von rheinländischen Ikonen wie Kraftwerk oder Neu! zugerechnet, dort war die Band vor einiger Zeit schon mal ansatzweise musikalisch beheimatet mit ihren ersten Aufnahmen, nach einer eineinhalbjährigen Pause bewegen sich die fünf jungen Männer quasi im evolutionären Rückschritt in einem Bereich musikalischer Nichtigkeiten, die in der Form bereits massiv in Zeiten der „Neuen Deutschen Welle“ auf die HörerInnen hereinbrach, in einer Phase, in der seinerzeit in dem Genre absolut nichts mehr zu retten war.
Schrilles, Nerven-zehrendes Früh-Achtziger-Synthie- und Keyboard-Gefrickel, gepaart mit an inhaltlicher Belanglosigkeit kaum mehr zu unterbietenden Songtexten und unhumorigem Gitarren-Geschrammel ergaben eine schwer verdauliche Mixtur, die immerhin vom treibend-funkigen Rhythmus-Duo noch ansatzweise mit etwas Glanzpolitur aufgefrischt wurde.
Das gelangweilte Golfspielen des Gitarristen in einem Gitarren-losen Stück entbehrte nicht einer gewissen Symbolik und verstärkte auch optisch den Eindruck, dass man es in der Form nach achtzehn Monaten konzertanter Pause eigentlich auch gleich ganz hätte bleiben lassen können…
Das bis dahin hervorragende dreitägige Experimental-Festival hätte wahrlich ein würdigeres Abschlusskonzert verdient, sei’s drum, die fünf vorausgegangenen Konzerte werden in der ein oder anderen Form in angenehmer Erinnerung bleiben, bei Darbietungen von Kapellen wie Stabil Elite setzt Gottlob schnell der mentale Verdrängungs-Prozess ein.
(**)

Das Frameworks-Festival wird 2016 wie im Jahr zuvor ergänzt und bereichert durch die einzelnen frameless-Tage im Einstein Kultur, die Veranstaltungen Nummer 06 bis 08 stehen bereits fest, auch hier wird der Eintritt jeweils frei sein:

07.04. frameless06 – Herman Kolgen, Islaja, Dina Kelbermann.

04.05. frameless07 – Myriam Bleau, Jonas Gruska, Quayola.

15.06. frameless08 – Piano Interrupted, Jan Thoben & Boris Hegenbart.

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4 Kommentare

  1. hach, der Albanese…. sein Zürich Konzert wurde ja kurzfristig abgesagt… Finde ja The Blue Hour ein Spitzenalbum. Zu deinen Aufzählungen oben würd ich zum Vergleich noch den guten Nils Frahm hinzuziehen. Stabil Elite hab ich dafür schon länger nicht mehr angehört. Deren Debüt ist bei mir aber stets in guter Erinnerung. Diese Frameworksfestival klingt spannend. Wäre glaubs auch gerne dabeigewesen… Grüsse aus ZH, Romano

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    1. Ja, das wär glaub ich auch für Dich was gewesen. Die ‚Blue Hour‘ ist super. Stabil Elite waren zu Beginn wohl auch besser, ein Freund von mir, der am Samstag dabei und auch ziemlich enttäuscht war, hat die schon mal gesehen und fand sie damals (wie das erste Album) gut. Am Samstag, das war irgendwie garnix….
      Viele Grüße,
      Gerhard

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  2. danke für die berichte. ich war wenigstens auf einen der drei abende vorbereitet und habe selbst den dann nicht geschafft. ärgerlich. ich tauche noch mal in die fotos ab und mach mir ein wenig passende musik dazu. danke.

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    1. Ja, ich hätte aufgrund der Ankündigung auf Deiner Seite mit Dir gerechnet. Schade, aber irgendwann passt’s schon mal wieder, spätestens am 9. April… ;-))
      Viele Grüße,
      Gerhard

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