Reingelesen (44)

forsyth_todesliste

„Ach was. Mir scheint, das ist eine Entscheidung von 15 Minuten, und die ersten 14 davon sind zum Kaffeetrinken. Für mich ist das keine komplizierte Antwort.“
(Donald Rumsfeld auf die Frage, ob Barack Obama mit seiner Entscheidung für den Kommandoeinsatz in Pakistan, bei dem Osama bin Laden getötet wurde, mutig gehandelt hat.)

„Ich hasse und verachte sie. Denn sie nehmen das Angesicht meines geliebten Islam und präsentieren es der Welt von Wut und Hass verzerrt. Aber der Kommunismus ist tot, der Westen schwach und mit sich selbst beschäftigt und von Vergnügen und Habgier getrieben. Es wird viele geben, die auf die neue Botschaft hören werden.“
(Frederick Forsyth, Die Todesliste, Auftrag)

Frederick Forsyth – Die Todesliste (2013, btb-Verlag)

Frederick Forsyth, der englische Großmeister der politischen Crime Fiction, entwirft in seinem bis dato letzten Roman einen realistischen Thriller zu den Themen Islamistischer Terror und verdeckte Aktionen der westlichen Geheimdienste.
Ein radikaler muslimischer Fanatiker, der sich „Prediger“ nennt, stachelt seine Anhänger per Video-Botschaft im Internet zum Mord an Repräsentanten der westlichen Welt in den USA und Großbritannien auf, nach einer Reihe von tödlichen Anschlägen landet sein Name auf einer in obersten Washingtoner Regierungskreisen gepflegten, geheimen Todesliste von ohne Gerichtsverfahren zu exekutierenden Terroristen.
Dienste wie die CIA und die Kommandoeinheit zur Terrorismusbekämpfung der US-Streitkräfte JSOC (United States Joint Special Operations Command) koordinieren, planen und führen diese Aktionen, in der Realität finden sich in jüngster Vergangenheit Beispiele wie die Operation „Neptune’s Spear“ im Mai 2011 zur Exekution Osama Bin Ladens in Pakistan und der gezielte Dronen-Einsatz zur Tötung des islamischen Extremisten Anwar al-Awlaki am 30. September 2011 im Nordjemen.
Im Roman wird der Special-Agent, Ex-Marine und Islam-Experte Kit Carson, der „Spürhund“, mit der Suche nach dem Prediger und seiner Exekution beauftragt, dabei erhält er neben der Hilfe durch befreundete Dienste wie den britischen  Organisationen und dem israelischen Mossad auch unkonventionelle Unterstützung durch einen jugendlichen Hacker, der bei der Suche nach dem Terroristen im Netz und seiner letztendlichen Enttarnung wertvolle Dienste leistet.
Die Recherchen führen den Spürhund nach London, Pakistan und in den Jemen, nachdem bei einem erneuten Terroranschlag der Zufall schicksalhaft und grausam zuschlägt, mutiert die verdeckte Aktion für Carson zum persönlichen Rache-Feldzug.

„Nine/Eleven hatte eine grundlegende Veränderung in der Haltung des amerikanischen Militärs und der Regierung gegenüber allem bewirkt, was auch nur im Entferntesten als vorstellbare Bedrohung der USA gesehen werden konnte. Die nationale Alarmbereitschaft näherte sich Schritt für Schritt der Paranoia, und die Folge war eine explosive Expansion der Welt der ‚Nachrichtendienste‘. Aus den ursprünglich sechzehn Informationen sammelnden Diensten der USA wurden mehr als tausend.“
(Frederick Forsyth, Die Todesliste, Auftrag)

In dem spannenden Roman weiß Altmeister Forsyth kenntnisreich zu differenzieren zwischen der Religion des Islam und der pervertierten, vom Fanatismus getriebenen Interpretation des Koran, er spart im Hinblick auf die Entwicklungen nach 9/11 nicht mit Kritik an der westlichen Informationspolitik im Allgemeinen und der Außenpolitik im Nahen Osten im Speziellen und zeichnet ein fundiertes Bild der Kräfteverhältnisse in der Region, der unterschiedlichen radikal-islamischen Strömungen und Gruppierungen, der Positionierung der Geheimdienste, der Gepflogenheiten bei Geiselnahme-Aktionen somalischer Hochsee-Piraten und der Abläufe von Einsatz-Operationen bei unbemannten Drohnen-Angriffen, durch seine jahrzehntelange Tätigkeit als Agent des britischen Geheimdienstes MI6 verfügt der Autor offensichtlich nach wie vor über die notwendigen Kontakte und Quellen zur inhaltlich-fachlich korrekten Unterfütterung seiner Romane, die Danksagungen am Ende des Romans deuten dies an.
Folgt man den täglichen Nachrichten und Hintergründen zu den Konflikten in den Regionen zwischen dem Horn von Afrika und dem Hindukusch, wäre man kaum weiter verwundert, wenn sich die verdeckten Aktionen zur Eliminierung terroristischer Fanatiker exakt so zutragen würden, wie Frederick Forsyth diese in dem lesenswerten Thriller schildert – Abstriche muss die geneigte Leserschaft allenfalls bei der unverhohlenen Bewunderung des Autors für alles Militärische machen.

„Wie wird es enden? Es endet. Das ist es.“
(Donald Rumsfeld)

Frederick Forsyth wurde 1938 in der englischen Grafschaft Kent geboren. Von 1968 bis 1988 war er als Agent des MI6 als Agent in Nigeria und der DDR tätig. Neben seinem Landsmann John le Carré gilt er als Meister des britischen Spionage- und Polit-Thrillers. Bereits seine ersten beiden Romane ‚Der Schakal‘ (1972) und ‚Die Akte Odessa‘ (1973) waren internationale Erfolge, die in späteren Jahren prominent besetzt verfilmt wurden.
Meist nimmt der Autor in seinen fiktiven Handlungssträngen Bezug auf tatsächliche politische Entwicklungen und historische Fakten.
Als bisher letztes Werk ist 2015 seine Autobiografie unter dem Titel ‚The Outsider: My Life in Intrigue‘ veröffentlicht worden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s